Beethovens Letzte - die Corona-Krise

von Wulf Schmiese
30.06.2020 | 06:00 Uhr
Wie Musikverlage unter der Krise leiden, Merkel und Macron den EU-Wiederaufbau planen und die Länder den Schulstart - mehr im ZDFheute Update.

Guten Morgen,

nun hat Corona auch Ludwig van Beethoven erwischt. Wie auch die anderen großen Komponisten: Richard Wagner, Carl Orff und Paul Hindemith. Ja, die sind alle schon längst tot. Aber ihr Verlag nicht - man muss sagen: noch nicht.
Der Verlag Schott Music ist genau so alt wie Beethoven und wollte in diesem Jahr groß Geburtstag feiern: den 250. Kann man nachholen, klar. Aber an große Sause oder auch nur kleine Soiree ist gar nicht mehr zu denken wegen riesiger Sorgen. Es geht ums Überleben. Statt Konzert gibt´s Kurzarbeit für die Mitarbeiter. 
Der Schott-Verlag ist seit Gründung 1770 in Familienbesitz, aber mit Filialen in New York, London, Tokio ein weltweiter Player, den eine Pandemie besonders hart trifft. Unser Kultur-Autor Claudio Armbruster hat im idyllischen Hauptsitz in Mainz gedreht, sozusagen der Zentralbank des globalen Klassik-Business. "Über elf Millionen Noten werden von hier aus in die Welt verkauft", sagt er. "Oder verliehen." 
Beethovens Neunte Sinfonie: Konzertnoten werden verliehen - davon leben die Verlage.Quelle: AP
Denn immer, wenn irgendein Orchester irgendwo auf der Erde ein Werk einstudiert, werden die Noten nicht für jeden Musiker gekauft; das wäre zu teuer. Aber auch nicht kopiert; das ist verboten, sondern gemietet. Ein großes Geschäft also. Fast täglich wurde irgendwo in 192 Ländern etwa Orffs "Carmina Burana" gespielt. Doch dann kam Corona. "Eine unvorstellbare Katastrophe", sagt der Verleger Peter Hanser-Strecker. "Von heute auf morgen: null Umsatz!" Kein Verkauf und auch kein Verleih mehr seit März. 
Auch brach die dritte, die wichtigste Verlagseinnahme weg: Lizenzen. Wird eines der 6.000 Werke gespielt, die Schott verlegt, dann fließt Geld. "Aber wenn nichts aufgeführt wird - fließt kein Geld", erfuhr Claudio Armbruster. Die Summe hängt vom Konzertpublikum ab: Kommen wenig, und die Abstandsregeln verbieten volle Häuser, dann wird auch nur ein Bruchteil verdient.
So schön das ist, wenn allein oder per Splitscreen im Netz musiziert wird: Für den Verlag, der die Urheber und deren Nachfahren vertritt, sind YouTube-Abrufe nur Brosamen. Und für die Zuschauer kein Vergleich zu vollen Konzertsälen.
Dieses Stück Musik-Kultur zeigen wir heute Abend im "heute journal". Aber wenn Sie Konzert- oder Opernkarten haben sollten, nur zu!
Einen schönen Tag und viel Spaß beim Weiterlesen wünscht Ihnen
Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des "heute-journal"

Was heute noch wichtig ist

  • Merkel betont Einigkeit, Macron macht Druck: Bei einem Gespräch mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Einigkeit von Deutschland und Frankreich als Schlüssel für eine europäische Lösung beim geplanten EU-Wiederaufbaupaket in der Corona-Krise betont.
Kurz vor Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft treffen sich Kanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Macron auf Schloss Meseberg. Dazu ZDF-Korrespondentin Shakuntala Banerjee.

Aktuelle Corona-Fälle in Deutschland

In Deutschland gibt es laut Johns-Hopkins-Universität 195.042 bestätigte Infektionsfälle. Im Schnitt kommen derzeit täglich 490 dazu. Insgesamt sind 8.976 Menschen gestorben. (Stand: 30.6.2020 5:33 Uhr, Quelle: Johns-Hopkins-Universität)
Weitere Zahlen und aktuelle Grafiken zur Verbreitung des Coronavirus weltweit finden Sie unter dem Link.
Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise lesen Sie jederzeit in unserem Liveblog.
Wenn Sie unser ZDFheute Update abonnieren möchten, können Sie das hier tun, oder in Ihrer ZDFheute-App unter Meine News / Einstellungen / Push-Benachrichtigungen.

Zahl des Tages

9,3 Millionen Syrer haben inzwischen nicht mehr genügend zu essen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der internationalen Hilfsorganisationen. Weiteren zwei Millionen Menschen drohe dasselbe Schicksal. Sie seien mehr als je auf internationale Hilfe angewiesen, warnen die Organisationen vor der heute beginnenden Syrien-Konferenz in Brüssel.

Ein Lichtblick

Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis bei Landtagswahlen - knapp eineinhalb Jahre nach dem ersten Beschluss in einem Bundesland für ein Paritätsgesetz tritt dieses in Brandenburg in Kraft. Das Gesetz sieht gleich viele Frauen und Männer auf Landeswahllisten der Parteien vor. Es ist ab heute gültig, hat zunächst aber keine Auswirkungen, denn es geht um künftige Landtagswahlen - die nächste ist für 2024 geplant.

Gesagt

Quelle: ZDF
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die Frage, ob sie selbst den Mund-Nasen-Schutz trägt und warum man sie nicht damit sehe.

Weitere Schlagzeilen

Die Nachrichten im Video

Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden

So wird das Wetter heute

Am Dienstag ist es im Südosten länger sehr sonnig. Im Westen und Nordwesten kommen mehr Wolken auf, verbunden mit einigen Schauern. Im Tagesverlauf verlagern sich diese langsam Richtung Osten. Mit einem kräftigen Wind an den Küsten aus Südwest liegen die Höchstwerte im Norden zwischen 17 und 20 Grad. Sonst erreichen die Höchstwerte 20 bis 26 Grad.