: Heute wird's laut

von Wulf Schmiese
10.09.2020 | 06:00 Uhr

Guten Morgen,

vor wenigen Stunden, es war schon weit nach Mitternacht, da dröhnte zum Ende unserer neuen Spätsendung "heute journal up:date" eine Sirene. Als Vorwarnung, denn heute um 11 Uhr werden in ganz Deutschland Sirenen heulen. Außerdem werden acht Millionen Smartphones Alarm schlagen, auf denen schon die NINA-Warn-App installiert ist. Keine Sorge, das wird nur eine Übung sein.
Es ist der erste Bundeswarntag im wiedervereinigten Deutschland. Vor dem Mauerfall gab es das öfter. Ab 1989 aber schien es keinen Grund mehr zu geben, um etwa Fliegeralarm zu proben. Später wurde dann nach und nach ein neues Sirenennetz für den Zivilschutz aufgebaut, worum sich das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn kümmert.
Unser NRW-Korrespondent Dominik Müller-Russell war dort, um nach den neuen Gründen für die uralte Aktion zu fragen: Man wolle nicht bloß die Technik überprüfen, sagt Bundesamts-Präsident Christoph Unger. Sondern die Menschen wieder "sensibilisieren". Die unterschiedlichen Sirenen-Töne kenne doch kaum noch jemand.
Auf- und abschwellender Ton heißt: Radio oder Fernsehen anschalten. Der Dauerton, der zweimal unterbrochen wird, alarmiert die Feuerwehr. Der lange Dauerton signalisiert Entwarnung. Unger hält zudem die Warn-App für sinnvoll. "Weil man da auch weitergehende Handlungsempfehlungen gleich mit transportieren kann."
Das ist keine Kriegsangst, sondern Vorsicht. Denn Corona lehrt ja gerade, auch wenn hier keine Sirenen hülfen, dass immer etwas geschehen kann, womit niemand gerechnet hat: ob Terroranschläge, Chemie-Unfall oder Hochwasser. "Wir glauben, dass es ungemütlicher wird", sagt Präsident Unger angesichts des unberechenbar gewordenen Klimas. Die Innenminister von Bund und Ländern glauben das auch. Deshalb haben sie diesen Bundeswarntag eingeführt.
Von nun an werden an jedem zweiten Donnerstag im September die Sirenen heulen, Jahr für Jahr. Doch hoffentlich nur zur Probe - wie heute.
Einen lehrreichen Tag wünscht Ihnen
Wulf Schmiese, Redaktionsleiter "heute journal"

Was heute noch wichtig ist

Hilfe für Moria: Nach der verheerenden Katastrophe im Flüchtlingslager auf Lesbos bieten immer mehr Bundesländer ihre Hilfe an. Doch Innenminister Seehofer fährt einen harten Kurs, fasst meine Kollegin Kristina Hofmann für Sie zusammen. Am Abend forderten Tausende Menschen bei Demonstrationen die Bundesregierung auf, Migranten aus Moria in Deutschland aufzunehmen:

Kommt der Wirecard-Untersuchungsausschuss? Die Entscheidung darüber könnte heute fallen. Die Wirecard-Affäre gilt als größter deutscher Finanzskandal der Nachkriegsgeschichte - der Schaden wird auf bis zu 3,2 Milliarden Euro geschätzt.
Neue Regeln für Passfotos: Heute wollen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages neue Ausweisgesetze auf den Weg bringen. Mit enthalten sind bessere Sicherheitsmaßnahmen für Passfotos. Warum Passfotos ein Einfallstor für Manipulation sind, erklärt mein Kollege Peter Welchering.
Corona stürzt Plastik-Recycling in die Krise: In der Corona-Pandemie ist die Plastikproduktion stark angestiegen. Gleichzeitig stürzen Niedrigpreise für Neu-Kunststoffe Recycler in die Krise. Branchenexperten schlagen Alarm. Mein Kollege Marcel Burkhardt erklärt, was dies mit den aktuellen Erdölpreisen zu tun hat.

Aktuelle Corona-Fälle in Deutschland

In Deutschland gibt es laut Johns-Hopkins-Universität 256.433 bestätigte Infektionsfälle. Im Schnitt kommen derzeit täglich 1.280 dazu. Insgesamt sind 9.342 Menschen gestorben. (Stand: 10.9.2020 5:29 Uhr, Quelle: Johns-Hopkins-Universität)
Weitere Zahlen und aktuelle Grafiken zur Verbreitung des Coronavirus weltweit finden Sie unter dem Link.
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Ausführlich informiert

Der Brand im Flüchtlingslager Moria hat gestern die Nachrichtenlage bestimmt. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse liefert unser ZDF Spezial:

Zahl des Tages

400: So viele Menschen sollen beim Untergang eines Flüchtlingsboots im Mittelmeer vor genau sechs Jahren gestorben sein. Am 10. September 2014 war das Boot mit Migranten an Bord vor der libyschen Küste im Mittelmeer gesunken - nur zehn Menschen konnten gerettet werden. Ob es wirklich 400 Menschen waren - wovon die italienische Küstenwache ausgeht - oder noch mehr Menschen ihr Leben verloren haben, ist bis heute nicht endeutig geklärt. Es war zum damaligen Zeitpunkt das größte Schiffsunglück auf dem Mittelmeer seit mehr als 50 Jahren.

(K)ein Lichtblick

Heute ist Welt-Suizidpräventions-Tag. Dieser Tag soll dafür sensibilisieren, dass Suizid eines der größten Gesundheitsprobleme der Welt darstellt. Meine Kollegen von ZDFinfo haben dieses sensible Thema aufgearbeitet - bitte nehmen Sie sich die Zeit für den kurzen Clip. Es könnte Leben retten:

Gesagt

Die spinnen, die Römer.
Gudrun Penndorf, Asterix-Übersetzerin
Ein Satz für die (römischen) Götter: Gudrun Penndorf ist Comic-Übersetzerin. Aus ihrer Feder stammt der zum Sprichwort gewordene Satz "Die spinnen, die Römer". Gestern wurde die Romanistin aus Unterföhring bei München mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Penndorf ist die erste Comic-Übersetzerin, die diesen Orden erhielt.

Weitere Schlagzeilen

  • Trump für Friedensnobelpreis 2021 nominiert: Für die Annäherung zwischen den Emiraten und Israel hat US-Präsident Trump den Friedensnobelpreis verdient. Das findet ein norwegischer Abgeordneter - und hat ihn nominiert.
  • Spaniens leidet unter Reisewarnung: Spaniens Wirtschaft leidet unter der Corona-Pandemie. Besonders hart trifft es Gastwirte - nicht zuletzt wegen der deutschen Reisewarnung.
  • AstraZeneca unterbricht Impfstoff-Studie: Der Pharmahersteller AstraZeneca hat nach einer Erkrankung eines Probanden seine Studie zu einem Corona-Impfstoff unterbrochen. Welche Firmen im Rennen um einen Impfstoff vorne liegen, hat mein Kollege Simon Haas für Sie zusammengefasst:

Die Nachrichten im Video

Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden

So wird das Wetter heute

Am Donnerstag halten sich anfangs zwischen Main und Donau dichte Wolken und vereinzelt kann es etwas regnen. Im Tagesverlauf lockert es auf und dann gibt es überall eine Mischung aus Sonne und Wolken. Die Höchstwerte liegen im Norden zwischen 17 und 21 Grad, im Süden zwischen 21 und 27 Grad.
Quelle: ZDF
Zusammengestellt von Katharina Meyer
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