5G-Schutz für 380 Euro nur billiger USB-Stick

von Nils Metzger
28.05.2020 | 21:03 Uhr
Britische IT-Analysten haben eine angebliche Wunderwaffe gegen die Gefahren von 5G-Strahlung untersucht: Das Hunderte Euro teure Produkt war lediglich ein gewöhnlicher USB-Stick.
Quelle: picture alliance/APA/picturedesk.comEin USB-Stick ähnlich diesem soll soll angeblich vor gefährlicher 5G-Strahlung schützen (Symbolbild)
Es ist eine der liebsten Tätigkeiten von Hackern und IT-Analysten: Technische Produkte auseinanderbauen und nachsehen, wie Hard- und Software genau funktionieren und ob sie tatsächlich das halten, was in der Werbung versprochen wird.
Mitarbeiter der IT-Sicherheitsfirma PenTestPartners in Großbritannien haben genau das mit vermeintlicher Hochtechnologie gemacht, die Menschen gegen die angeblichen Gefahren von 5G-Funkstrahlung schützen soll. Zuerst hatte die britische BBC über diese Untersuchung berichtet.

"Quanten-Hologram-Katalysator-Technologie": Mit Kauderwelsch gegen die 5G-Bedrohung?

339 Pfund, rund 380 Euro, verlangt der Hersteller laut dem Medienbericht für dieses Produkt, das, so PenTestPartners, nicht mehr sei als ein handelsüblicher USB-Stick mit 128 Megabyte Speicherplatz. Kostenpunkt: weniger als 5 Euro.
"Durch einen Prozess der Quanten-Oszillation reharmonisiert der 5GBioShield USB-Stick die störenden Frequenzen von Elektrosmog auslösenden Geräten wie Laptops, kabellosen Telefonen, WLAN, Tablets, etc.", beschreibt der Hersteller die Wirkung des Produktes.
Wissenschaftlich belegbar ist nichts davon. Anzeichen für eine "Quanten-Hologram-Katalysator-Technologie", die im Gerät verbaut sein soll, konnten die Experten nicht finden. Alle Bauteile entsprachen einem regulären USB-Stick.

Hersteller will für sich behalten, wie das Gerät funktionieren soll

Über die Wahl dieses Sticks zeigten sich die Forscher zudem verwundert: Ein Speicher von 128 Megabyte ist sehr wenig und seit vielen Jahren bereits technisch überholt. Sie seien sich "nicht einmal sicher, dass 128er überhaupt noch produziert werden".
Auf dem Stick hätte sich zudem eine 25-seitige Broschüre des Herstellers mit den gleichen Inhalten wie auf der Unternehmens-Webseite befunden. Gegenüber der BBC wies der Hersteller Vorwürfe von sich, Verbraucher bewusst zu täuschen. "Wir befinden uns im Besitz einer großen Menge an technischen Informationen und haben eine viele historische Forschungsergebnisse in Reserve", so eine Vertreterin.
Diese Details könne man "aus offensichtlichen Gründen aber nicht an Dritte weitergeben". Der Preis von rund 380 Euro sei mit Blick auf "Ausgaben, Herstellungskosten, geistiges Eigentum, etc." angemessen, sagte sie der BBC.

Britische Marktaufsicht hat Ermittlungen wegen Betrugs aufgenommen

Auf den Stick aufmerksam geworden war PenTestPartners, weil ein Mitglied einer offiziellen Untersuchungskommission zu den Gefahren von 5G-Strahlung in der Stadt Glastonbury das Produkt empfohlen hatte.
Ein Sprecher der britischen Marktaufsicht Trading Standards sagte der BBC, dass es sich bei dem Produkt um "Betrug" handle. Eine Untersuchung soll jetzt prüfen, ob die Webseite des Herstellers vom Netz genommen werden müsse.
Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass von 5G-Strahlung langfristige Gefahren ausgehen könnten. Dennoch warnen 5G-Gegner auch in Deutschland immer wieder vor einer angeblichen Bedrohung durch den neuen Mobilfunkstandard. Vereinzelt gab es sogar Angriffe auf Funkmasten. Auch mit Blick auf die Verbreitung der Corona-Pandemie gab es haltlose Gerüchte, 5G könnte eine Rolle spielen.

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