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: Inzidenz bei Kindern vielerorts über 200

von Julia Klaus, Kathrin Wolff und Moritz Zajonz (Grafik)
16.04.2021 | 13:59 Uhr
Ab einer Inzidenz von 200 sollen nach der geplanten Notbremse Schulen und Kitas schließen. Doch der Wert bezieht sich auf die Gesamtbevölkerung - bei Kindern liegt er oft höher.
Die geplante Notbremse sieht Schulschließungen ab einer Inzidenz von 200 vor. Was sie nicht berücksichtigt: Die Inzidenz bei Kindern liegt oft viel höher.
Für die Politik bleibt die Inzidenz eine der Kerngrößen in der Pandemie. Überschreitet sie in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei Tagen hintereinander die Grenze von 100, soll künftig automatisch eine Notbremse mit Ladenschließungen und Ausgangssperren greifen. So sieht es der Entwurf für ein ergänztes Infektionsschutzgesetz vor. Bei Überschreitung der 200 müssten die Schulen und Kitas schließen.
Die Sieben-Tages-Inzidenz zeigt, wie viele Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen dazugekommen sind. Schaut man aber tiefer in die Daten und betrachtet die Inzidenz nach Altersklassen, ergibt sich ein differenzierteres Bild. So gibt es Landkreise, in denen die Inzidenz für alle Altersklassen unter 200 liegt, die für Kinder aber darüber - die Schulen dürften dann laut dem neuen Gesetz offen bleiben. Die Länder können allerdings strengere Regeln erlassen.
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Schaut man auf die Inzidenz der Gesamtbevölkerung, liegen aktuell etwa 100 der 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland über 200. Bei den 5- bis 14-Jährigen sind es rund 170.
In diesen drei Städten und Kreisen sind die Unterschiede am deutlichsten:
  • Schwerin: Die Inzidenz über alle Altersklassen liegt in der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern bei 177. Bei den 5- bis 14-Jährigen beträgt sie 527.
  • Birkenfeld: In dem rheinland-pfälzischen Kreis liegt die Gesamtinzidenz bei 127, die der Kinder bei 381.
  • Würzburg: In der Stadt in Bayern beträgt die Inzidenz für alle 197 - bei den Kindern 440.
In 240 Kreisen ist die Inzidenz der Kinder aktuell mindestens 10 Punkte höher als die der Gesamtbevölkerung, in 54 beträgt der Unterschied sogar 100 oder mehr. Diese Differenz dürfte weiter zunehmen: Je mehr Ältere geimpft sind, desto weniger Neuinfektionen gibt es in den höheren Altersgruppen.

"Es sterben auch viele Eltern"

Viele Experten und Politiker halten die 200er-Schwelle für Schulschließungen für zu hoch. "Da Kinder und Eltern auf absehbare Zeit keine Impfung erwarten können, ist die geplante Strategie, die Schulen bis zu einer Inzidenz von 200 offen zu halten, zu riskant", twitterte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Wenn im Bundesdurchschnitt die Inzidenz bei 200 liegt, ist sie bei Kindern und Eltern schon viel höher."
Ohne Homeschooling werde die dritte Welle Familien anteilig stärker treffen als jede andere Bevölkerungsgruppe, schreibt Lauterbach. "Es sterben jetzt eher die Menschen in der Mitte ihres Lebens. Auch viele Eltern."
Lauterbach auf Twitter
Aufbereitet und geteilt hat die Daten zur Inzidenz nach Altersgruppen der Analyst Sebastian Mohr vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. In seiner Visualisierung können Sie auch die Inzidenz in Ihrem Landkreis nach weiteren Altersgruppen filtern. Ursprünglich stammen die Daten vom Robert-Koch-Institut.

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