Warum es unterschiedliche Fallzahlen gibt

von Julia Klaus
18.03.2020 | 18:04 Uhr
Verschiedene Stellen geben Fallzahlen heraus. Dass sie nicht einheitlich sind, hängt auch mit der zeitlichen Verzögerung zusammen. Wir erklären, wie die Zahlen zustande kommen.
Quelle: picture alliance/ZUMA PressDas Coronavirus breitet sich weltweit aus. Doch die Fallzahlen sind nicht immer einheitlich.
In der Corona-Pandemie geben verschiedene Quellen Fallzahlen heraus. Zum einen liefert das Robert Koch Institut (RKI) Daten, zum anderen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Johns Hopkins Universität mit Sitz in Baltimore.

Die Zahlen unterscheiden sich, weil das RKI und die WHO einmal täglich Zahlen herausgeben. Die Johns Hopkins Universität zeigt auf einer Karte dagegen nahezu live und in Echtzeit die Veränderung der Fallzahlen, wie die Uni erläutert. Deshalb kann es sein, dass unterschiedliche Zahlen im Umlauf sind.

So kommen die Zahlen beim RKI zustande:

In Deutschland übermitteln die rund 400 Gesundheitsämter mindestens einmal täglich Zahlen zu bestätigten Covid-19-Fällen an die Bundesländer. Die wiederum schicken die Daten an das RKI, das sie veröffentlicht.
Das RKI listet die Fallzahlen zum einen in einer Übersicht auf seiner Webseite auf. Zum anderen veröffentlicht das Institut tägliche Situationsberichte zu Covid-19, in denen ebenfalls Fallzahlen enthalten sind.
In den vergangenen Tagen gab es Unterschiede seitens des RKI: Während sich die Lageberichte auf den Vortag bezogen, waren die Zahlen in der Übersicht vom Tag selbst.

Mehr Übersichtlichkeit angepeilt

Künftig verspricht das RKI mehr Einheitlichkeit: Die Zahlen auf der Übersichtsseite werden nun täglich um 10 Uhr veröffentlicht und beziehen sich auf den Datenstand von Mitternacht.
Die Situationsberichte werden noch an dem Tag, auf den sich der Bericht bezieht, am frühen Nachmittag veröffentlicht und beziehen sich ebenfalls auf den Datenstand von Mitternacht. Das sagte eine RKI-Sprecherin gegenüber heute.de.

Wie lange dauert es, bis ein Fall vom RKI gezählt wird?

Ein Grund für unterschiedliche Zahlen ist auch die Zeitspanne zwischen dem Bekanntwerden eines Falls vor Ort, der Meldung an das Gesundheitsamt, der Eingabe der Daten in die Software, der Übermittlung an die zuständige Landesbehörde und von dort an das RKI.
Im Regelbetrieb könne das zwei bis drei Arbeitstage dauern, sagt eine RKI-Sprecherin. In der aktuellen Lage erfolge die Übermittlung aber deutlich schneller, weil die Daten auf allen Ebenen schneller verarbeitet werden.

So kommen die Zahlen bei der Johns Hopkins Universität zustande:

Die Karte der Johns Hopkins Universität zeigt die weltweiten Zahlen an Erkrankten, Verstorbenen und Gesundeten - und das nahezu in Echtzeit (wie die Forscher das machen, erklären sie hier und hier). Sie greifen auf verschiedene Quellen zurück und arbeiten sowohl mit automatischen als auch mit manuellen Updates.
Ihre Daten beziehen die Forscher von der Weltgesundheitsorganisation, den US-amerikanischen Zentren für Seuchen und Prävention, dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, der Nationalen Gesundheitskommission der Volksrepublik China sowie von DXY, einem Netzwerk von Personen aus dem Gesundheitswesen.
Die Forscher gehen aber auch lokale Medienberichte durch, suchen auf Twitter nach Meldungen und bekommen selbst Hinweise geschickt. Diese verifizieren sie nach eigenen Angaben bei den Behörden und speisen sie dann in die Karte ein.
Pro Tag werden die Daten dort bis zu 1,2 Milliarden Mal abgerufen. Gegründet von einem Team um die Gesundheitsexpertin und Professorin Lauren Gardner, betreibt die Universität seit dem 22. Januar die Plattform.

So kommen die Zahlen bei der WHO zustande:

Auch die WHO gibt auf einer Karte eine Übersicht über die weltweiten Fälle. Die Daten werden täglich aktualisiert und finden sich auch in den täglichen Lageberichten der WHO wieder. Die Zahlen stammen von den nationalen Behörden und geben den Datenstand von 10 Uhr Mitteleuropäischer Zeit wieder.

So geht das ZDF mit den Zahlen um

Das ZDF möchte transparent mit den Covid-19-Fallzahlen umgehen und verweist daher, wann immer möglich, auf die Quelle und die Uhrzeit. Auf nationaler und internationaler Ebene verwendet das ZDF primär die Zahlen der Johns Hopkins Universität. Für einzelne deutsche Bundesländer greift das ZDF auf die Zahlen des RKI zurück.
Update vom 11.4.2020: Recherchen des Magazins Zapp zeigen, dass sich die Johns Hopkins Universität zum Teil ungefragt bei von Tagezeitungen bedient hat. Bei den deutschen Fallzahlen greift die JHU auf den Datendienst Worldometer sowie auf automatisierte Erfassungen von der Berliner Morgenpost, Zeit Online und dem Tagesspiegel zurück. Die Tageszeitungen wurden von der JHU nicht kontaktiert.
Weitere Entwicklungen zur Coronakrise können Sie auch in unserem Liveblog verfolgen:

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