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Positiv-Ergebnis kommt nicht in der App an

von Julia Klaus
19.10.2020 | 18:40 Uhr
Eine Frau ist positiv und kann ihr Ergebnis nicht in der App vermerken. Der Fall zeigt, dass das Tracing noch nicht reibungslos verläuft - Grund ist nicht nur die Technik.
Quelle: Oliver Berg/dpaDie Corona-Warn-App. Archivbild
Ende September war Anna Müller auf einer Veranstaltung, die sich später als Superspreader-Treffen herausstellen sollte. Vier Tage danach entwickelte sie Symptome, ließ sich testen und erhielt vom Gesundheitsamt den positiven Befund.
Anna Müller* wollte das Ergebnis, das ihr schriftlich vorlag, auch in ihrer Corona-Warn-App hinterlegen. Denn erst dann werden Menschen informiert, die die App ebenfalls installiert haben und mit ihr engeren Kontakt hatten. Doch das Verfahren funktionierte nicht. Müllers Testergebnis ist mittlerweile zweieinhalb Wochen alt - zu alt, um akute Infektionsketten zu unterbrechen. Und noch immer heißt es in ihrer App: Auf das Ergebnis werde gewartet:
Quelle: privatAnna Müllers in Englisch eingestellte Corona-Tracing-App: Sie wartet seit über zwei Wochen darauf, dass das Ergebnis dort eingetragen wird.

In der App gibt es zwei Möglichkeiten, ein Testergebnis einzutragen:

  1. Mithilfe eines QR-Codes: Man scannt das Test-Dokument, das man beim PCR-Abstrich erhält, und registriert so den Test. Wenn das Ergebnis vorliegt, soll es automatisch in der App erscheinen - bei Müller ist das nicht passiert.
  2. Mithilfe einer Tan - einer zehnstelliger Nummer: Wird man positiv getestet und hat keinen QR-Code, ruft man bei einer Telekom-Hotline an und erhält nach einer Verifizierung eine Tan, die man in der App einträgt.
Anna Müller hätte theoretisch also auch bei der Hotline anrufen können, da das QR-Code-Verfahren bei ihr nicht funktioniert. Das muss man aber wissen - in der deutschen Corona-Warn-App wird das nicht sehr deutlich kommuniziert.
Aber woran liegt es, dass der QR-Code nicht funktioniert? Dafür kann es zwei Gründe geben:
  1. Entweder hat Müller beim Test nicht ihre Einwilligung zur Datenübertragung gegeben.
  2. Oder das Labor, das den Test durchführt, kann die QR-Codes nicht verarbeiten. Dann kann das Ergebnis auch nicht an die App übermittelt werden.
Anna Müller ist sich sicher, dass sie der Datenübermittlung zugestimmt hat. Nachprüfen lässt sich das aber nicht.

500 App-Nutzer informieren täglich über Infektion

Fast 500 Nutzer der Corona-Warn-App, die sich infiziert haben, informieren pro Tag andere über den eigenen Positiv-Befund. "Die App wird gut angenommen", sagte der Leiter der Digital-Abteilung im Bundesgesundheitsministerium, Gottfried Ludewig, dem Nachrichtenportal "ThePioneer" am Montag.

Nach aktuellen Regierungsangaben ist die Corona-Warn-App inzwischen 19,6 Millionen Mal heruntergeladen worden, wie es in dem Bericht weiter hieß. In 1,8 Millionen Fällen sind Testergebnisse über die App übermittelt worden. Die 500 Positiv-Befunde pro Tag entsprechen deutlich mehr als zehn Prozent aller entsprechenden Resultate. Die Nutzung der Corona-Warn-App ist ebenso freiwillig wie die Information über einen positiven Befund.

Quelle: AFP

Interessenverband: Meiste Labore sind digital angebunden

"Etwa 90 Prozent der Labore in Deutschland können die Ergebnisse der PCR-Tests theoretisch digital übermitteln - wenn die Menschen der Datenübertragung denn zugestimmt haben", sagt Axel Oppold-Soda, der für den Interessenverband der Akkreditierten Labore in der Medizin für die Corona-App zuständig ist.

Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM)

ALM ist ein Verein und Interessenverband, der laut eigenen Angaben über 200 medizinische Labore mit 900 Fachärzten, rund 500 Naturwissenschaftlern und etwa 25.000 qualifizierten Mitarbeitern vertritt. Pro Tag untersuchen sie hunderttausende Proben aus ganz Deutschland. Der Verband will eine hochwertige labormedizinische Patientenversorgung in Deuschland fördern und sicherzustellen.
Ein Labor darf ein Testergebnis aber nur an den Server des Robert-Koch-Institut (RKI) übermitteln, wenn der Getestete dies erlaubt hat. Oppold-Soda hält das für das Hauptproblem:
Etwa Zweidrittel aller Menschen, die sich testen lassen, haben auf dem Formular nicht die Datenübermittlung erlaubt.
Axel Oppold-Soda, Referent ALM
An den Teststellen - also beim Arzt oder an der Teststation - müsse deshalb unbedingt mehr darauf hingewiesen werden. Denn sonst kann ein Ergebnis auch nicht automatisiert in der Corona-Warn-App landen, sondern muss komplizierter per Tan-Verfahren und Hotline eingetragen werden.

Reibungsloser Ablauf funktioniert nicht immer

Auch angesichts steigender Fallzahlen empfiehlt das Robert-Koch-Institut weiterhin dringend die Nutzung der Corona-Warn-App. Sie sei umso wichtiger, weil einige Gesundheitsämter die Kontrolle über die Ausbrüche verloren hätten, so RKI-Präsident Wieler.
Doch dafür müssen - insbesondere nach einem Superspreader-Event wie dem von Anna Müller - auch alle Teile der Informationskette funktionieren. Ihr Fall zeigt dagegen: Reibungslos läuft der Ablauf vom Test zum Ergebnis noch immer nicht.
*Name von der Redaktion geändert

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