Eilmeldung1/18/2021, 2:56:43 PM
Nawalny nach Rückkehr in Russland zu Haft verurteilt

Die Corona-Masche

von Oliver Klein
09.04.2020 | 18:37 Uhr
Eine Packung Toilettenpapier für 20 Euro, Atemschutzmasken, die bezahlt, aber nie geliefert werden: Die Corona-Krise ruft windige Geschäftemacher und Betrüger auf den Plan.
Nordrhein-Westfalen hat die Auszahlung der Soforthilfen jetzt gestoppt, weil Cyber-Kriminelle sie mit gefälschten Antragsseiten offenbar zu sich umleiten konnten.
Irgendwann gingen bei Guido Bauer die Mundschutz-Masken zu Neige. In seiner Praxis in München benötigt der 68-jährige Chirurg bis zu 80 Masken im Monat für sich und seine Angestellten.
Bauer googelte, stieß auf den Shop evenlife.de. "Atemschutzmaske von Evenlife – lieferbar", steht dort bis heute. 10 Stück für 49,99 Euro. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass die sogenannten FFP2-Masken vor der Coronakrise für gut einen Euro pro Stück angeboten wurden.

Shop mit fast ausschließlich Negativ-Bewertungen

Aber egal: "Lieferbar", das überzeugte Bauer, der weiß, wie schwierig es zur Zeit ist, an OP-Masken zu kommen. Die Bestellung hatte Bauer Mitte März aufgegeben, rund 150 Euro mit Kreditkarte im Voraus gezahlt. Masken hat er bis heute nicht bekommen.
Kein Einzelfall: Auf der Bewertungsseite trustpilot.com finden sich für evenlife.de überwiegend negative Bewertungen wütender Kunden, die zwar bezahlt, aber nach eigener Aussage bislang keine Ware erhalten haben.

Betreiber: "unvorhersehbare Lieferschwierigkeiten"

Für evenlife verantwortlich ist ein 31-jähriger Münchner. ZDFheute hat ihn telefonisch gefragt, warum so viele seiner Kunden immer noch auf eine Lieferung warten, obwohl im Shop extra "lieferbar" angegeben ist.

Schriftlich teilt er uns mit, es gäbe bei seinen Geschäftspartnern "unvorhersehbare Lieferschwierigkeiten" und verweist auf die AGBs seiner Website: Dort ist geregelt, dass die Lieferung bis zu sechs Wochen dauern kann. Warum trotzdem extra mit dem Hinweis "lieferbar" geworben wird, dazu schreibt der Betreiber nichts.

Ein zumindest zweifelhaftes Geschäftsgebaren, das Kunden in die Irre führt. Doch auch dreiste Betrüger versuchen, mit der Corona-Krise Geld zu machen:

15 Millionen für Masken, die nicht existieren

Das Land Nordrhein-Westfalen hat fast 15 Millionen Euro investiert, um an 10 Millionen Atemschutzmasken zu kommen. Die Ware sollte aus den Niederlanden abgeholt werden, über 50 Laster standen schon bereit.
Das Problem: Die Masken existieren nicht, hinter dem Angebot steckten Betrüger. Glück im Unglück: NRW hat inzwischen den größten Teil der investierten Summe vom Zwischenhändler zurückbekommen.

Fast 40.000 Euro in wenigen Tagen ergaunert

Auch Verbraucherschützer warnen immer häufiger vor windigen Geschäftemachern, die sich die Corona-Pandemie zunutze machen wollen. Fake-Shops schießen wie Pilze aus dem Boden.
Hacker und andere Betrüger nutzen die Angst der Menschen vor dem Coronavirus aus, indem sie sich etwa in Fake-Shops als Anbieter von Schutzmasken ausgeben.
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat erst diese Woche zwei mutmaßliche Betrüger aus Alsdorf festgenommen, die mit einem Onlinehandel innerhalb weniger Tage fast 40.000 Euro eingenommen haben sollen. Im Angebot ihrer Website: Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel. Die Ware wurde nie verschickt.

Ein Liter Desinfektionsmittel für 199 Euro

Nicht nur Fake-Shops sind ein großes Problem, auch Wucher: Für begehrte Produkte wie Atemschutzmasken wird teilweise der fünfzigfache Preis verlangt. "Ein ambulanter Pflegedienst berichtet uns, dass einfache Masken früher 2,5 Cent pro Stück gekostet haben, jetzt werden sie für 1,29 Euro pro Stück verkauft - aber nur wenn man mindestens 500 Stück nimmt", sagt Kai-Oliver Kruske von der Verbraucherzentrale Hessen.
Auf Online-Plattformen wurde bereits eine Packung Toilettenpapier für 20 Euro oder ein Liter Handdesinfektionsmittel für 199 Euro angeboten, berichtet der Verbraucherzentrale Bundesverband.
So erkennen Sie Fake-Shops im Internet, damit Sie nicht reinfallen
Guido Bauer hat die Hoffnung, noch Masken geschickt zu bekommen, inzwischen aufgegeben. Für ihn steht das Urteil über den Shop evenlife.de fest:
Ob es Vorsatz ist oder Inkompetenz kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur raten Finger weg.
Chirurg Guido Bauer bei trustpilot.com
Inzwischen hat Bauer eine Mail von evenlife.de erhalten. Für die "Unannehmlichkeiten" erstattet das Unternehmen zehn Prozent des Kaufpreises. Ob und wann noch Masken versendet werden, das steht nicht in der Mail.
Schlimmstenfalls kann Bauer bestimmte Behandlungen demnächst nicht mehr durchführen - mittlerweile hat er in seiner Praxis fast gar keine Masken mehr.
Quelle: mit Material von dpa, AFP

Mehr Informationen zu Covid-19

Aktuelles zur Coronavirus-Krise