Wie Cyberkriminelle die Corona-Krise nutzen

von Julia Klaus
01.04.2020 | 16:31 Uhr
Nazi-Propaganda und Pornos in Videoschalten, gespiegelte Coronavirus-Karten und Phishing-Mails. Wie sich Internetkriminelle und Trolle auf die Corona-Krise einstellen.
Quelle: dpaCyberkriminelle und Trolle nutzen die Corona-Krise, um mit Phishing-Mails und Zoombombing anderen zu schaden oder sie zu ärgern.
In der Corona-Pandemie wird Online-Kommunikation immer wichtiger. Menschen arbeiten zu Hause, treffen ihre Freunde online und auch der Schulunterricht läuft teilweise über das Internet. Die Plattform Zoom ist besonders beliebt, mit ihr lassen sich Videoschalten abhalten. Doch nun leitete New Yorks Generalstaatsanwältin eine Untersuchung gegen das kalifornische Unternehmen ein. Der Grund: Zoom-Nutzer hatten sich bei der Bundespolizei FBI beschwert, dass bei Videoschalten pornografische Inhalte, Nazi-Propaganda und Hass-Nachrichten aufgetaucht seien.
So musste eine Universitäts-Professorin ihren Online-Unterricht abbrechen, nachdem Teilnehmer pornografische Inhalte auf den Bildschirmen der Mit-Studenten ausspielten. Auch antisemitische Online-Übergriffe auf Jüdinnen und Juden gab es über Zoombombing. Zoombombing, so nennt man das Trollen von Videoschalten durch ungewünschte Inhalte. Allerdings lässt sich das durch einige Klicks unterbinden. So kann man Meetings mit einem Passwort vor ungebetenen Gästen schützen, es nur dem Gastgeber erlauben, einen Bildschirminhalt zu teilen, oder eine Art Warteraum definieren, aus dem der Gastgeber die Teilnehmer zur Konferenz hinzufügen muss.
Vielen Leuten fehlt in der Isolation der Kontakt zu Freunden und Kollegen. Doch dank Internet und Social Media leisten sich immer mehr Menschen zumindest digital Gesellschaft.

Innenminister Herrmann belauscht

Das Arbeiten in Zeiten der Corona-Pandemie stellt auch Politiker und deren Haus-IT vor Herausforderungen. Dem Technik-Magazin c't ist es gelungen, sich in eine interne Schalte des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann einzuklinken und mitzuhören. Das System der US-Firma Cisco hatte eine leicht zu erratende Adresse, wodurch Redakteure der Computerzeitschrift c't mithören konnten, was der Minister mit seinem Krisenstab besprach.
Der Cyberexperte Christian Dörr vom Hasso-Plattner-Institut gibt zu Bedenken: "Wer vertrauliche Daten auszutauschen hat, sollte dafür verschlüsselte E-Mails, oder spezielle Applikationen verwenden, die Telefonate und andere Dateien sicher austauschen können." Für Audio- und Video-Anrufe empfiehlt er die kostenlose App Signal.

Für die Krise präparierte Mails

Internetkriminelle schneiden ihre Inhalte auf die spezielle Corona-Situation zu. So wurde die bekannte Karte der Johns Hopkins Universität mit den weltweiten Infektions- und Todeszahlen gespiegelt. Die Karte werde von Kriminellen als Lockmittel benutzt, warnt das Bundeskriminalamt. Wer sie öffnet, lädt im Hintergrund eine Schadsoftware herunter. Passwörter und Zugangsdaten werden dann ausgelesen.
Auch auf das Coronavirus spezifizierte Phishing-Mails machen die Runde, bei denen sich Kriminelle als offizielle Stellen ausgeben, darunter wird auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) simuliert.

Drei Tipps gegen Cyberkriminalität in der Corona-Pandemie


  1. Prüfen Sie den Mail-Absender und öffnen Sie keine Dateien, Anhänge oder Links von unbekannten Adressaten.
  2. Prüfen Sie bei Video- und Telefonkonferenzen die Einstellungen: Nur Befugte sollten das System nutzen können, das ist beispielsweise mit einem Passwort möglich.
  3. Nutzen Sie offizielle Webseiten von Ministerien, Ämtern und Behörden.

Datenschutzbeauftragter: "Kühlen Kopf bewahren"

Die Corona-Krise sei eine Situation, in der "teilweise unter Zeitdruck neue Lösungen ausprobiert werden müssen", sagt der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber gegenüber ZDFheute. Dies führe "zu einer erhöhten Verwundbarkeit", was Cyberkriminelle ausnutzen würden. "Hier hilft nur, so weit wie möglich einen kühlen Kopf zu bewahren und im Zweifelsfall einen Moment innezuhalten und zu überlegen, welche Folgen eine bestimmte Aktion haben könnte", so Kelber.
Für den Wirtschaftsinformatiker Ulrich Eisenecker von der Universität Leipzig offenbart die Corona-Krise eine mangelhafte Digitalisierung:
Im Hinblick auf die IT ist Deutschland katastrophal schlecht vorbereitet. In erster Linie fehlen Experten.
Er hofft, dass durch die Corona-Krise mehr Technik-Wissen in den Alltag der breiten Masse einfließt: "Die Welt wird danach hoffentlich ein bisschen digitaler sein." Dazu müsse die Politik aber auch Prioritäten setzen: "Wir brauchen schnelleres Internet."

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