Wie Soziale Netzwerke gegen Fake News kämpfen

von Oliver Klein
27.05.2020 | 19:14 Uhr
Trump-Tweets bekamen bei Twitter erstmals einen Faktencheck. Wie die Checks in Sozialen Netzwerken funktionieren - und warum Facebook gegen Lügen von Politikern nichts tut.
Der Kurznachrichtendienst Twitter hat erstmals einen Tweet von US-Präsident Donald Trump widerlegt: Eine seiner Botschaft wurde mit einem Link versehen, der Trumps Behauptung Fakten gegenüberstellt. Trump reagiert empört und droht mit Konsequenzen.
Für US-Präsident Donald Trump war es vermutlich ein kurzer Schockmoment: Zum ersten mal hat Twitter zwei seiner Kurznachrichten mit Warnhinweisen versehen. Trump twitterte über eine angebliche große Betrugsgefahr bei Briefwahlen. Darunter blendet Twitter nun ein: "Hier bekommen Sie Fakten über Briefwahl".
Der Hinweis führt zu einer Twitter-Seite, auf der es heißt, "Experten sagen, dass Briefwahl nur selten mit Wahlbetrug in Verbindung steht". Darunter finden sich zahlreiche verlinkte Artikel und Stimmen von Experten aus mehr als zehn verschiedenen US-Medienhäusern.
Dass Facebook, Twitter und Youtube manche Inhalte mit Hinweisen versehen oder gleich ganz löschen, wenn sie gegen die Nutzerrichtlinien verstoßen, ist nicht neu. Doch ihre Regeln im Kampf gegen Falschinformationen sind komplett unterschiedlich.
Quelle: TwitterScreenshot: Donald Trumps Behauptung, es gäbe massenhaft Betrug bei Briewahlen - als Fake gekennzeichnet.

Twitter kontert Fake News mit Information

Wie im Falle von Trump, blendet Twitter bei Falschinformationen häufig einen Link zu einem kurzen, englischsprachigen Faktencheck ein. Diese Einblendung wird offenbar auch durch bestimmte Schlagworte hervorgerufen:
Sind in einem Tweet beispielsweise die Worte "Corona" und "5G" enthalten, erscheint automatisch der Hinweis mit dem Link "zu den Fakten über COVID-19". Dort wird die weitverbreitete Theorie widerlegt, dass der Mobilfunkstandard 5G Covid-19 auslöst.

Youtube löscht Fake-News-Videos

Youtube hat zuletzt am 20. Mai seine Community-Richtlinien in Bezug auf die Corona-Pandemie überarbeitet. Zahlreiche in Videos aufgestellte Behauptungen sind nun bei Youtube nicht mehr erlaubt: Wer beispielsweise ein Video postet, in dem die Existenz von Covid-19 geleugnet wird oder wer behauptet, dass ein bestimmtes Medikament garantiert wirkt, muss damit rechnen, dass es gelöscht wird.
Daneben gelten natürlich weiterhin die allgemeinen Nutzerrichtlinien, die beispielsweise Pornografie oder Gewaltvideos verbieten. Zusätzlich kennzeichnet Youtube inzwischen Videos und Kanäle, die von staatlichen Regierungen oder der öffentlichen Hand mitfinanziert werden.

Facebook bezahlt Faktencheck-Organisationen

Facebook arbeitet weltweit mit mehr als 50 unabhängigen Faktencheck-Organisationen zusammen, hierzulande mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und dem Recherchezentrum Correctiv. Beide Redaktionen werden dafür von Facebook bezahlt.

Die Faktenchecker überprüfen Beiträge nach bestimmten, von Facebook vorgegeben Kriterien. Solche Beiträge werden mit einem entsprechenden Hinweis markiert. Ist die Kernaussage nachweislich falsch, wird der Beitrag den Nutzern außerdem weniger häufig angezeigt.

Bei Facebook dürfen Politiker lügen

Doch Facebook lässt Beiträge und Werbeanzeigen von Politikern generell nicht prüfen. In den Richtlinien heißt es, Facebook setze sich ein für freie Meinungsäußerung. Außerdem würden gerade in reifen Demokratien mit Pressefreiheit "keine Äußerungen so sehr unter die Lupe genommen werden wie politische Äußerungen."

Donald Trump hatte am Dienstag auch bei Facebook einen Beitrag zu angeblich unsicheren Briefwahlen gepostet, mit dem gleichen Text wie bei Twitter. Facebook lässt Trump gewähren. Ohne Hinweise oder Einschränkungen.