: Darum geht's beim Warntag

von Christian Thomann-Busse
09.09.2020 | 19:04 Uhr
Sirenen, Lautsprecherwagen, Warnungen in Radio und Fernsehen: Am Donnerstag um elf Uhr wird es in vielen Teilen Deutschlands laut. Wie der Warntag abläuft und was dahintersteckt.
Sirenen, wie diese in Düsseldorf, sollen auf Gefahren aufmerksam machen.Quelle: Sphinx
Egal ob Terroranschläge oder Naturkatastrophen wie Hochwasser, Hitzewellen und Erdbeben: Wenn Gefahr droht, soll die Bevölkerung so schnell wie möglich informiert werden.
Dabei setzen die Behörden auf ein ganzes Arsenal von Warnmitteln. An diesem Donnerstag sollte erstmals alles deutschlandweit erprobt werden. Die wichtigsten Antworten zu dem Warntag.

Warum gibt es diesen bundesweiten Warntag?

Der bundesweite Warntag soll Funktion und Ablauf der Warnung besser verständlich machen. Man muss kein Dauer-Schwarzseher sein, um anzuerkennen: Ja, da draußen lauern Gefahren.
Natürlich passt auch die Corona-Pandemie in das Schema der unvorhersehbaren Ereignisse. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) "den Stellenwert des Warnsystems erhöht".
Und weil Übung nun mal das halbe Leben ist, gibt es nun - nach Beschluss der Innenministerkonferenz- künftig an jedem zweiten Donnerstag im September den bundesweiten Warntag. Denn, so das Bundesamt:
Damit Warnungen effektiv sind, ist es notwendig, Wissen zu vermitteln und Strukturen zu erklären. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass Warnungen umso eher akzeptiert werden, je besser der betroffenen Bevölkerung das System und dessen Akteure bekannt sind.
Bundesamt für Katastrophenhilfe

Warum hatten wir 30 Jahre keine flächendeckenden Probealarme?

Seit der Wiedervereinigung gab es in Deutschland keine Aktionen mehr mit Probealarm. Der Kalte Krieg war zu Ende und das Zivilschutz-Sirenennetz wurde 1989 nach und nach abgebaut. Seitdem stand laut BBK kein bundesweites Warnsystem mit Weckeffekt zur Verfügung.
Der Reset kam 2001: Um auf Gefährdungslagen besser reagieren zu können, wurde zunächst das bundeseigene Satellitengestützte Warnsystem (SatWaS) entwickelt.
Warnmeldungen sollten auf möglichst vielen Wegen verbreitet werden, um einen möglichst großen Teil der Bevölkerung zu erreichen.
BBK
SatWaS wurde schließlich zu MoWaS. Die Entwicklung des heutigen Modularen Warnsystems war 2013 abgeschlossen.

Hören wir nun am Donnerstag in ganz Deutschland auch Sirenen?

Sirenen gehören zum bundesweiten Warntag natürlich dazu. Aber sie werden nicht an allen Orten zu hören sein. Vorgeschrieben sind Sirenen in der Nähe von Atomkraftwerken und großen Chemiebetrieben. Der Rest liegt in der Verantwortung der Länder beziehungsweise der Kommunen.
Und einige Orte haben schlicht und einfach keine Sirenen, mancherorts ist das angestrebte Sirenen-Netz noch nicht komplett ausgebaut.
Die Länder und meist auch Kommunen können selbst entscheiden, auf welchen Wegen sie ihre Bevölkerung vor Gefahren warnen wollen.
BBK
Laut Sprecherin des BBK dürfen die Gemeinden auch darüber entscheiden, welche Mittel dafür geeignet sind. "Aus diesem Grund entscheiden sich einige Gemeinden bewusst für eines der vielen anderen Warnmitteln neben den Sirenen."
Bundesweit einheitlich sind nun folgende Sirenensignale:
  • Der auf- und abschwellende Ton warnt vor Gefahren. Er signalisiert: Radio einschalten und auf Durchsagen achten.
  • Der Dauerton, der zweimal unterbrochen wird, ist ein Alarmsignal für die Feuerwehr.
  • Der lange Dauerton signalisiert Entwarnung.
  • Die Kombination aus einem langen Dauerton, einem auf- und abschwellenden Ton sowie einem folgenden Dauerton signalisiert einen Probealarm.

Welche Wege werden zur Warnung der Bevölkerung eingesetzt?

Die Warnmöglichkeiten, die an diesem ersten bundesweiten Warntag eingesetzt werden, sind vielfältig. Über das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes können Bund, Länder und Kommunen eine Vielzahl von Warnmitteln ansteuern.
Hier eine Übersicht:
  • Sirenen
  • Warn-Apps (mehr dazu im nächsten Punkt).
  • Radio
  • Fernsehen
  • Online, hier beim BBK
  • Stadtwerbetafeln
  • Fahrgastinformationssysteme

Welche Warn-Apps gibt es?

Anlässlich des Warntags rief das BBK dazu auf, die Warnapp Nina auf dem Smartphone herunterzuladen, die aktuell etwa 7,6 Millionen Menschen nutzen. NINA wurde vom BBK entwickelt und ist mit dem sogenannten Modularen Warnsystem verknüpft. Andere Warn-Apps sind BIWAPP (Bürger Info und Warn App), KATWARN sowie diverse regionale. Wir stellen sie vor:

NINA

NINA ist die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kurz Warn-App. Sie versendet Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes für unterschiedliche Gefahrenlagen: vom Großbrand über Gefahrstoffausbreitung bis zu Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen.

Der Anwender kann Warnungen für Landkreise, Gemeinden oder Umkreise frei wählen und abonnieren. Außerdem ist es möglich, dass NINA auch für den aktuellen Standort Warnungen versendet. Die App ist an das Modulare Warnsystem des Bundes angeschlossen und empfängt alle Warnmeldungen, die Bund, Länder und Gemeinden über das Modulare Warnsystem herausgeben. Ebenso erhalten Sie Bevölkerungsschutz-Warnungen der Behörden aus den Warnsystemen BIWAPP und KATWARN. Mehr Informationen finden Sie hier auf der Seite des BBK.

BIWAPP

BIWAPP (die Bürger Info- und Warn-App) ist ein privatwirtschaftliches Angebot der Marktplatz GmbH (Lüneburg). Zahlreiche Katastrophenschutzbehörden und Kommunen sind bereits an das System angeschlossen. Der Nutzer kann festlegen, welche Meldungen er erhalten möchte - von Katastrophen und Großschadenslagen bis zu Straßensperrungen oder Schulausfall. Ob die eigene Kommune bereits angeschlossen ist, lässt sich am einfachsten nach Installation der App herausfinden: einfach unter "Meine Orte" nachschauen.

KATWARN

KATWARN ist eine App vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS - entwickelt im Auftrag der öffentlichen Versicherer. Auch KATWARN informiert ortsbasiert: Bis zu sieben Orte können hinterlegt werden, außerdem gibt es die Möglichkeit, dass Nutzer sich vor Gefahren an ihrem aktuellen Standort warnen lassen können. Angeschlossen sind das Warnsystem des Bundes (MoWaS), KATWARN Österreich, Sicherheitsbehörden in Deutschland sowie verschiedene Sicherheitszentren (zum Beispiel von Flughäfen oder von Großveranstaltungen.
Diese digitalen Warnmittel sind vorteilhaft, weil Sirenen nur kundtun können, dass Gefahr im Verzug ist, aber nicht welche. Über solche Apps kann man die Bevölkerung viel konkreter warnen.