: Tipps für schnelleres Internet

von Jochen Klug
07.05.2021 | 20:26 Uhr
In Pandemie-Zeiten wird das Zuhause zur Schaltzentrale für Homeschooling und Homeoffice. Was aber tun, wenn die Internetverbindung langsam ist?
Im Home Office hängt alles davon ab, wie leistungsstark das Internet ist. Was kann man tun, um den Datenfluss zu erhöhen?
In einer Befragung des Onlineportals Check24 gaben 61 Prozent der Teilnehmenden an, während ihrer Arbeit im Homeoffice oder beim Homeschooling schon einmal durch Internetabbrüche oder langsame Geschwindigkeit beeinträchtigt worden zu sein. Die meisten nutzen die Flexibilität des WLAN. Damit lässt sich überall im Haus ins Netz gehen - theoretisch.
Denn der Datentransport vom Netz bis zum Computer oder Tablet erfordert ein äußerst komplexes Zusammenspiel. "Um Störungen zu erkennen, muss man sich jedes Teilstück genau anschauen", empfiehlt Dušan Živadinović von der Computerfachzeitschrift C't.

Speedtest am Rechner durchführen

Das erste, was man tun sollte: Kontrollieren, ob beim heimischen Router auch die vereinbarte Datenmenge ankommt. Dazu gibt es online zahlreiche Speedtests. Der Vorteil des Tests vom hauseigenen Provider: Er misst zumeist die Geschwindigkeit vom nächsten Server bis zum Endgerät. Beim Test verbindet man das Notebook per Ethernet-Kabel mit dem Router und schließt alle anderen Anwendungen um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten.
Die Bundesnetzagentur, die sich ebenfalls einen Überblick über das Netzgeschehen macht, bietet zum Breitbandtest eine Software an, die auf dem Rechner installiert wird. Damit lassen sich Zeitreihen protokollieren. Wichtig, wenn man beim Provider nachweisen möchte, dass er seine vertragliche Leistung dauerhaft nicht einhält. Kurzfristige Schwankungen, darauf weisen die Provider oft hin, sind immer wieder möglich.
Welche Folgen haben Schulschließungen und Distanzunterricht auf die Schüler*innen? Das Münchner Ifo Institut hat in einer Studie 2.100 Eltern zu den Auswirkungen befragt.

WLAN-Router am besten mittig in der Wohnung platzieren

Jedoch: "Die versprochene Leistung muss nicht als Ausnahme erreicht werden", stellt Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale NRW fest, "sondern als Regel". Sollte das nicht der Fall sein, dann können Verbraucher den Vertrag auch kündigen. Oder man dringt auf eine Zurückstufung, die dem tatsächlichen Datenvolumen entspricht.
Ist die Leistung allerdings vorhanden, dann liegt es am WLAN-Signal. Deshalb ist es gerade in größeren Wohnungen sinnvoll, den WLAN-Router möglichst in die Mitte der Wohnung zu stellen - möglichst hoch und frei.

Signalstärke messen unter Windows und OS

Wer die Chance hat, seinen Arbeitsplatz ein wenig zu verlegen, der sollte einmal die Signalstärke in der Wohnung messen. Entweder mit dem Handy - dazu gibt es etwa die kostenlose App "Speedcheck" - oder mit dem Notebook bei Windows unter "Netzwerkeinstellungen": Verbindungsgeschwindigkeit.
Bei Macs mit aktuellem OS hilft ein Trick: Auf der Taskleiste die Gerätesteuerung anwählen. Dann mit gedrückter ALT-Taste neben das WLAN-Zeichen klicken. Es erscheint ein Menu mit verschiedenen Parametern. RSSI (Received Signal Strength Indicator) zeigt die Stärke des empfangenen WLAN an: Nähe Null steht für exzellenten Empfang, Nähe minus 100 - der Empfang ist miserabel.
Gerade in der Stadt funken auch die Nachbarn ins gleiche Funknetz. Zwar wechseln die moderneren Router automatisch Frequenz und Kanal, um einen besseren Empfang zu gewährleisten. Aber auch das "Tänzeln" kommt bei heavy traffic an seine Grenzen.
Achtung, falsch verbunden: Manchmal verbindet sich der Router auch mit einem offenen WLAN. So bieten Telekom und Vodafone Hotspots für ihre Kunden an, die eventuell im Wohnbereich liegen.

Repeater, Powerline-Adapter oder neuer Router

Wenn alles nichts hilft, dann heißt es aufrüsten: Das fängt beim Router an. Die neusten beherrschen das bereits erwähnte automatische Ausweichen auf freie Kanäle. Daneben gibt es Repeater. Wie der Namen schon sagt, verstärken sie das WLAN-Signal noch einmal:
Am besten aufgestellt sind sie auf halber Strecke.
Dušan Živadinović, Fachzeitschrift C't
Allerdings erhöht sich die Übertragungsrate nur leicht.
Powerline-Adapter verbinden sich über das gemeinsame Stromnetz: Der Sender ist direkt am Router mit einem Ethernetkabel verbunden und schickt die Daten über das Stromnetz an den Empfänger. Der strahlt die Daten per WLAN ab und hat auch einen Ethernet-Anschluss - per Kabel also dann noch einmal empfangssicherer.
Arbeitende und Schüler sind ins Home-Office verbannt – Das Arbeiten, Lernen und Leben geht jetzt online weiter. Was bedeutet diese Datenlast für unsere Breitbandverbindungen?

Teuer aber sichere Lösung: Meshnetze

Sogenannte Meshnetze sind die sicherste Variante: Mehrere Boxen nehmen das Router-Signal auf, kommunizieren untereinander und geben dabei das beste Signal weiter an das Endgerät. Eine Lösung für große Häuser und Etagen, aber auch die kostspieligste. Wer oft Videokonferenzen abhält, der sollte beachten: Hier ist die Senderichtung das Nadelöhr:
Die meisten Leute wissen nicht, dass der Internetzugang asymetrisch ist. Das heißt, es werden sehr viele Daten beim Download angeliefert. Der Upload, also die ins Internet gesendeten Daten, sind wesentlich geringer.
Dušan Živadinović, Fachzeitschrift C't

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