: "Neil Armstrong war nicht die Nummer eins!"

19.07.2019 | 05:51 Uhr
1971 startete er selbst zum Mond. Im Interview spricht Astronaut Alfred Worden über seinen Freund Armstrong und warum kaum einer wettete, dass er als erster auf dem Mond landet.
heute.de: Wie haben Sie als späterer "Apollo 15"-Astronaut die erste Mondlandung am 20. Juli 1969 erlebt? Hätten Sie gedacht, dass Ihr Freund Neil es schafft?
Alfred Worden: Wir hatten eine kleine Wettgemeinschaft in der Astronautenabteilung, wer der erste Mann sein würde, der auf dem Mond landet. Neil Armstrong war da nicht die Nummer eins. Er war nicht derjenige, auf den alle gesetzt haben.

Aus vielen Gründen: Die meisten von uns haben ihr Geld auf Pete Conrad gesetzt, der der Kommandeur von Apollo 12 war, dem nächsten Flug. Der Grund dahinter war folgender: Immer, wenn du versuchst, etwas zum ersten Mal zu machen, vor allem etwas so Kritisches wie einen Mann auf den Mond zu bringen, passiert etwas und du schaffst es nicht. Du wirst also ein Problem haben, du wirst das Problem lösen, dann wird der nächste Flug die Sache zu Ende bringen. Darum dachten wir nie wirklich, dass Neil es schaffen würde. Aber das hat er!
Alfred Worden startete am 26. Juli 1971 mit der Apollo-15-Mission zum Mond. Während seine Kollegen David Scott und James Irwin mit einem Mondauto auf dem Mond waren, blieb Worden an Bord des Raumschiffs. Auf dem Rückflug unternahm er den ersten Weltraumausstieg außerhalb der Erdumlaufbahn, um Filmkassetten zu bergen.Quelle: picture alliance/dpa
heute.de: Was war für Sie das Beeindruckendste an der ersten Mondlandung?
Worden: Es ist das Beste, was auf dieser Welt jemals passiert ist. Es haben mehr Menschen die Apollo 11 landen sehen, als irgendetwas anderes, das jemals in der Geschichte der Menschheit getan wurde. Es waren Milliarden Menschen, die die Apollo-11-Landung verfolgt haben. Und als ich mir all die Menschenmassen ansah, habe ich keinerlei Ärger oder irgendetwas Negatives bemerkt. Ich habe nichts Negatives gesehen. Egal, wer sie waren: Chinesen, Japaner, Russen, wer auch immer.

Sie haben allesamt gefesselt die Landung geschaut. Das ist der eine Moment in unserer Geschichte, in dem die ganze Welt zusammen kam. Und ich denke, das ist wahrscheinlich das Allerwichtigste an der Apollo 11.

Mondlandung am 20./21. Juli 1969

Am 20. Juli 1969 um 21.17 Uhr mitteleuropäischer Zeit, knapp 103 Stunden und mehr als 360.000 Kilometer nach dem Start, landete der "Adler" auf der Mondoberfläche. Stunden vergingen für die letzten Vorbereitungen. Um 3.56 Uhr mitteleuropäischer Zeit am 21. Juli stand erstmals ein Mensch auf einem anderen Himmelskörper. In den USA war es noch der 20. Juli.
heute.de: Warum waren die beiden Astronauten Neil Armstrong und "Buzz" Aldrin nur wenige Stunden auf dem Mond?

Worden: Ich denke, sie waren weniger als drei Stunden auf der Oberfläche. Die Idee war: Ihr landet auf dem Mond, ihr steigt die Leiter runter, ihr lauft ein bisschen herum, ihr steigt die Leiter wieder rauf und macht euch auf den Rückweg. Ihr hängt da nicht rum. Ihr habt euren Beweis erbracht.

heute.de: Welchen Effekt hatte der Blick von oben auf unseren blauen Planeten?
Worden: Es zeigt uns, dass dies ein ziemlich kleines Objekt ist, auf dem wir leben, und wir haben eine Menge selbstgemachter Probleme hier auf der Erde, die wir nicht haben sollten. Wir alle leben gemeinsam auf einem begrenzten Raum, auch wenn wir alle verschieden sind, unterschiedlichen Völkern, Rassen und Religionen angehören. Ausgenommen verschiedene Teile der Menschheit, die sich anfeinden und anfangen, sich zu bekämpfen. Warum?! Wenn wir das machen, zerstören wir die Dinge hier auf der Erde, die es uns ermöglichen, hier zu leben.
Ich denke, das ist tragisch. Die Erde könnte nochmal fünf Milliarden Jahre halten, bis die Sonne ihr Helium und ihren Wasserstoff verbraucht hat. Aber ich fürchte, solange wird es uns nicht geben, weil wir an einen Punkt kommen werden, an dem wir uns gegenseitig vernichten. Ich bin nicht sehr optimistisch, was die Zukunft betrifft. Darum denke ich, dass das Raumfahrt-Programm so wichtig ist. Wir werden irgendwann ein System entwickeln, das uns erlauben wird, zu einem anderen erdgleichen Planeten zu gelangen, wo wir leben und nochmal neu anfangen können.

heute.de: Wie geht es mit der Raumfahrt weiter?
Worden: Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt. Wir haben diesen einen Schritt zum Mond gemacht. Wir werden weitere Schritte machen da draußen. Und irgendwann werden wir einen Riesenschritt bis zum Mars machen.

Das wird uns noch nicht viel bringen. Der Mars ist nur ein Anlass, die Technologie zu entwickeln, um dorthin und wieder zurückzukommen. Und diese Technologie werden wir weiter entwickeln müssen, bis wir zu einem Ort gelangen, der gut für uns ist. Dieser Ort wird nicht in unserem Sonnensystem sein. Das liegt noch weit entfernt in der Zukunft. Aber du musst mit einem Schritt anfangen. Und der Mond war dieser Schritt.
Das Interview führte Andrea Budke, Redakteurin im ZDF-Studio Düsseldorf.

Armstrong, Collins, Aldrin: Drei Männer und der Mond

Sie gingen in die Geschichte ein: Nach US-Zeit am 20. Juli 1969 landeten zwei der "Apollo 11"-Astronauten als erste Menschen auf dem Mond. Einer musste an Bord die Stellung halten.

Quelle: dpa

Mehr zur Mondlandung