Eurovision Song ContestAngeberwissen zum ESC

von Dominik Rzepka, Tel Aviv

18.05.2019 17:18 Uhr

Millionen Menschen sehen heute Abend den ESC aus Tel Aviv. Sie wollen bei Ihrer ESC-Party mit Expertenwissen punkten? Dann sagen Sie folgende Sätze - und setzen auf diesen Sieger.

Nachrichten | heute

Partystimmung in Tel Aviv

Am Abend findet in Tel Aviv der 64. Eurovision Song Contest statt. Musiker aus 26 Ländern treten bei dem Wettbewerb gegeneinander an.

01:35 min | 18.05.2019

Wer gewinnt?

Bei diesem ESC gibt es einen ganz klaren Favoriten: Duncan Laurence aus den Niederlanden. Seine anmutige Ballade "Arcade" liegt bei den Wettanbietern, die den Sieger immer recht zuverlässig voraussagen, mit Abstand an der Spitze. Lange hat es am Tag des ESC nicht mehr so einen großen Abstand in den Wetten gegeben. Seit alle Songs feststehen (seit zwei Monaten) verfolgen Fans die Internetseite eurovisionworld.com/odds/eurovision. Duncan Laurence ist seit zwei Monaten in den Wetten auf Platz 1 und hat die Spitzenposition nie wieder abgegeben. Ungewöhnlich.

Duncane Laurence Niederlande - Proben zum Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv
Quelle: epa

Bemerkenswert: Australien hatte am Anfang kaum jemand wirklich auf dem Zettel. Doch der Opern-Pop der australischen Sängerin Kate Miller-Heidke kommt in Tel Aviv sehr gut an und ist inzwischen auf Platz 2 in den Wetten vorgerückt - dafür sind Vorfeldfavoriten wie Russland oder Italien weiter nach hinten gerutscht. Wenn jemand den ersten Sieg der Niederlande seit 44 Jahren verhindern kann, dann Australien. Die Show stimmt einfach. Miller-Heidke ist auf einer Art Stock aufgespießt und schwebt über die Bühne.

Eurovision Song Contest 2019: Kate Miller-Heidke (Australien)
Quelle: AP

Seit 2015 wird Australien von den ESC-Veranstaltern zur Teilnahme eingeladen, weil der Wettbewerb dort sehr populär ist. Der Deal: Sollte Australien gewinnen, würde der ESC im Folgejahr nicht in Sydney oder Melbourne stattfinden, sondern in einem europäischen Gastland. Vielleicht ja sogar in Deutschland? Ausgeschlossen ist das nicht.

Unser Tipp: Sagen Sie so etwas wie "Zwischen Holland und Australien wird sich das Ding entscheiden." Und sagen Sie: "Nein, wenn Australien gewinnt, wird der ESC nicht in Australien stattfinden, sondern in einem europäischen Gastland." Und hier sehen Sie Bilder von Deutschland sowie den ESC-Favoriten:

Die Startreihenfolge verrät eine Menge

Es gibt noch etwas, das verrät, dass sich der ESC 2019 wahrscheinlich zwischen den Niederlanden und Australien entscheidet: Die Startreihenfolge. Die wird nämlich von den Produzenten der Show nach dramaturgischen Kriterien bestimmt. Die Kandidaten ziehen lediglich ein Los, ob sie in der ersten oder zweiten Hälfte der Show auftreten - also Startnummer 1 bis 13 oder 14 bis 26. Die zweite Hälfte ist die bessere, weil spätere. Duncan Laurence hat das schlechtere Los "Erste Hälfte" gezogen, wurde von den Produzenten aber auf Startnummer 12 platziert - also fast so spät in der ersten Hälfte wie möglich. Das macht man eigentlich nur mit Favoriten.

Australien hat das bessere Los "Zweite Hälfte" gezogen. Und darf als 25. auftreten, also fast zum Schluss der zweiten Hälfte. Besser geht's eigentlich nicht. Denn jetzt wird Australien kurz vor Beginn des Televotings auftreten und damit den Zuschauern noch sehr im Gedächtnis sein. Fazit: Die beiden Topfavoriten haben von den Veranstaltern die maximal besten Startpositionen bekommen: 12 beziehungsweise 25. Spannend!

Unser Tipp: Sagen Sie so etwas wie "Startnummer 12 für Holland - daran erkennt man schon, dass sie Favorit sind."

Die Punktevergabe verstehen

Gegen Mitternacht kommt das Spannendste: Die Moderatoren der Show schalten in 41 Länder, um nach den berühmten "Twelve Points" zu fragen. Die deutschen Punkte wird Moderatorin Barbara Schöneberger vergeben. Wichtig: Sie verkündet nur das Ergebnis der deutschen Jury, bestehend aus fünf Musikexperten wie etwa dem deutschen ESC-Sänger des Vorjahres, Michael Schulte. Jedes Land hat so eine Expertenjury. Oft entscheiden die Jurys sehr anders als die Zuschauer, die am Ende der Show für ihren Favoriten anrufen. Die Experten haben in der Vergangenheit bereits Zuschauerlieblinge durchfallen lassen und so zum Beispiel 2016 den Sieg des russischen Sängers Sergey Lazarev verhindert. Ob das in diesem Jahr auch passiert?

Luca Haenni steht für die Schweiz im ESC-Finale in Tel Aviv
Quelle: dpa

Jedenfalls haben die Jurys bereits gestern Abend ihre Punkte übermittelt. Heißt also: Die Veranstalter wissen schon, wer das Juryvoting gewonnen hat. Wer bei diesem Voting nur auf Platz 6 oder 7 liegt, hat in der Regel keine Chane mehr, den ESC zu gewinnen - egal, wie viele Punkte er oder sie heute Abend noch von den Zuschauern bekommen wird. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Wer nach der etwa vierzigminütigen Punktevergabe ("Twelve points go to") auf Platz 4 oder 3 liegt, hat durchaus noch Chancen auf den Gesamtsieg. Denn die Zuschauerpunkte, die ganz am Schluss vergeben werden, können auch Songs zum Sieg verhelfen, die von den Jurys nicht ganz so stark bewertet worden sind. Sie sehen: Für die Punktevergabe muss man studiert haben.

Dennoch unser Tipp: Lassen Sie sich während der Punktevergabe durch die einzelnen Länder noch nicht verrückt machen. Sagen Sie cool: "Geduld, Geduld, das sind ja nur die Punkte der Jurys, das kann sich gleich durch die Zuschauerpunkte alles noch ändern."

Und wenn mir ein ganz anderer Song am besten gefällt...?

Niederlande? Australien? Das sind gar nicht Ihre persönlichen Favoriten? Gut so! Natürlich wird im Vorfeld sehr viel spekuliert über die Favoriten. Aber erstens gibt es auch noch weitere Länder, denen Chancen auf den ESC-Sieg eingeräumt werden (wie zum Beispiel Schweden, Italien oder dem tanzbaren Pop-Song "She got me" von "Deutschland sucht den Superstar"-Sieger Luca Hänni, der für die Schweiz antritt). Und zweitens macht gerade das den ESC aus: Dass die Geschmäcker verschieden sind.

Vielleicht gefällt Ihnen ja ein locker-flockiger Pop-Song wie der von Dänemark. Oder Rock mit Elektro-Einflüssen, wie der Song der isländischen Band "Hatari". Oder auch Deutschland, in diesem Jahr vertreten von den "Sisters" (Startnummer 4). Ihren Song sehen Experten ganz weit hinten - vielleicht sogar auf dem letzten Platz. Aber ob das wirklich so kommt, steht erst weit nach Mitternacht fest - ungefähr um 1 Uhr morgens.

Unser Tipp: Vor dem ESC-Finale vielleicht nochmal ein Stündchen hinlegen.

Bilder: Deutschland beim ESC

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