: ADAC rückt von Tempolimit-Blockade ab

24.01.2020 | 08:53 Uhr
Es kommt Bewegung in die Debatte um ein Tempolimit: Der ADAC erklärt, "nicht mehr grundsätzlich" gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen zu sein. Das lässt aufhorchen.
Lange galt der ADAC als Gegner eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen.Quelle: dpa
Es ist eines der größten Reizthemen in der Verkehrspolitik: ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Nun könnte eine der Bastionen gegen eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung ins Wanken geraten: der einflussreiche ADAC, mit gut 21 Millionen Mitgliedern der größte Automobilclub Deutschlands.
Der ADAC sei "nicht mehr grundsätzlich" gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung, sagte der Vizepräsident Verkehr, Gerhard Hillebrand, vor dem 58. Verkehrsgerichtstag in Goslar in der kommenden Woche.

ADAC jahrzehntelang Tempolimit-Gegner

Der Satz von Hillebrand lässt aufhorchen. Denn jahrzehntelang war der ADAC als klarer Gegner eines Tempolimits bekannt. Nun rückt er von seinem strikten Nein ab - ein Ja bedeutet das aber auch nicht. Die Diskussion werde emotional geführt und polarisiere bei den Mitgliedern, erläutert Hillebrand. "Deshalb legt sich der ADAC in der Frage aktuell nicht fest."

Umstrittenes Tempolimit

Ein Fahrtest auf der Strecke Mannheim-München zeigt: Wer die 350 Kilometer lange Strecke mit maximal 130 km/h fährt, ist nur 20 Minuten später am Ziel im Vergleich zu einem Autofahrer, der auf den erlaubten Streckenabschnitten Vollgas gibt.

Laut einer Forsa-Umfrage sprechen sich derzeit 52 Prozent der Deutschen für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen aus. Dabei ist die Zustimmung in den Bevölkerungsgruppen unterschiedlich: Frauen befürworten es zu 70 Prozent, Männer unter 30 Jahren nur zu 35 Prozent.

In einer Umfrage unter Mitgliedern hatten 50 Prozent gegen ein Tempolimit votiert und 45 Prozent dafür. Eine Versachlichung sei dringend erforderlich.

Umfassende Studie gefordert

Beim Klimaschutz werde bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern eine Einsparung von bis zu zwei Millionen Tonnen CO2 erwartet, sagte Hillebrand. Aber auch das sei vage. "Wir brauchen eine umfassende Studie über die Wirkungen eines Tempolimits. Diese würde eine belastbare Entscheidungsgrundlage liefern."

In einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins spricht sich die Mehrheit für ein Tempolimit aus. 56 Prozent der 1.000 befragten Führerscheinbesitzer sehen in einer generellen Geschwindigkeitsbeschränkung eine wirkungsvolle Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit.
Quelle: dpa

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