Gut für die UmweltBienen-Boom beflügelt Artenschützer

06.03.2019 09:11 Uhr

An Bienen führt derzeit kaum ein Weg vorbei. Nachdem sie Umweltpolitik und Medien bevölkert haben, erobern sie nun auch Heim und Garten. Artenschützer freut's.

Biene im Sonnenschein.
Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Die Biene befindet sich auf einem Höhenflug. Als sympathische Botschafterin für mehr Artenvielfalt hat sie gerade erst bayerischen Umweltschützern zum Erfolg verholfen. Gartenbesitzer greifen zu ihrem Wohle immer häufiger zu bienenfreundlichen Blühpflanzen. Und bundesweit wächst die Zahl der Imker, gerade in den Städten. Die Popularität der fleißigen Pollensammlerin ist nicht völlig neu, bekommt aber durch den Nachhaltigkeitstrend Aufwind - und durch aufrüttelnde Nachrichten über das Insektensterben.

So schwirrt die Biene derzeit auf Titelseiten durch die Presse. In den sozialen Medien führen diverse Hashtags zu ihr, Initiativen fördern das Imkern in der Stadt, der Roman "Die Geschichte der Bienen" von Maja Lunde avancierte zum Bestseller und in mancher Wohnung werden Bienen zur Deko - passend zum Trend, sich die Natur in die eigenen vier Wände zu holen.

Potential zum Trendtier

Seien es Grünpflanzen oder ein Geschirrtuch mit Bienenaufdruck: "Es ist auch ein Ausdruck dessen, dass wir erkennen: Natur ist wichtig für mich", meint Erdmann Kilian, der Sprecher der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt. Die Biene eignet sich aus seiner Sicht durchaus zu einem Art Trendtier: "Sie ist ein schönes, ikonographisches Tier, das wir aus der Kindheit - siehe Biene Maja - oder morgens in Form eines Honigbrotes auf dem Frühstückstisch wiedererkennen."

Eine Biene läuft über die mit Honig gefüllten Waben.
Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa

Auch die Gärtner bemerken eine wachsende Nachfrage nach bienenfreundlichen Angeboten und Informationen. "Die Menschen sind bei dem Thema sehr aufmerksam", erzählt Olaf Beier, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Einzelhandelsgärtner. Er geht davon aus, dass die Nachfrage in diesem Jahr weiter steigen wird.

Zuwachs beim Deutschen Imkerbund

Den Bienen-Boom merken insbesondere die Imker: Noch vor zehn Jahren hatte der Deutsche Imkerbund (DIB) nach einem Rückgang nur noch etwa 80.000 Mitglieder. Seitdem steigt die Zahl der Imker - und insbesondere der Imkerinnen - an. 2018 gab es einen Zuwachs von 5,4 Prozent auf jetzt über 120.000 Mitglieder. Der Trend zur Bienenhaltung in den Städten lockt gerade junge Leute, die der Imkerei ein hippes Image verleihen. Diese Entwicklung tut auch den Honigbienenvölkern gut: Der DIB schätzt ihre Zahl bundesweit auf mittlerweile rund 900.000 - vor zehn Jahren waren es noch 694.000.

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Die Imker sehen, neben Werbe- und Nachwuchskampagnen, mehrere Gründe dafür: Meldungen über das Bienensterben bewegten die Menschen dazu, selbst aktiv zu werden, sagt DIB-Sprecherin Petra Friedrich. Zudem sei das allgemeine Interesse an der Natur gestiegen. Eine Umfrage unter Neu-Imkern zu deren Motiven ergab demnach: "Fast immer ist der Grund, dass sie etwas für die Natur und die Bestäubung tun möchten."

Vor allem Wildbienen sind gefährdet

Was Experten schon länger wissen, rückt durch zahlreiche Medienberichte mehr und mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Die Zahl der Insekten schrumpft dramatisch. Bei den Bienen sind weniger die als Nutztiere gehaltenen Honigbienen betroffen als vielmehr ihre wilden Verwandten: Rund die Hälfte der Wildbienen-Arten gilt als gefährdet.

Das ist nicht nur fatal für die Artenvielfalt, sondern eine Bedrohung für uns Menschen: Für den Anbau zahlreicher Obst- oder Gemüsearten sind wir auf die Bestäubungsleistung von Insekten angewiesen. Was passiert, wenn die Biene fehlt, zeigt sich bereits in manchen Regionen Chinas: Dort muss der Mensch Obstbäume von Hand bestäuben.

Biene mobilisiert für den Artenschutz

Die Nachrichten über das Bienen- und Insektensterben sieht Soziologe Lorenz auch als einen Auslöser für den gegenwärtigen Trend, sich verstärkt den Bienen zuzuwenden: "Das Schicksal der Menschheit wird an das Schicksal der Bienen geknüpft." Und das mobilisiert die Menschen, wie das Beispiel Bayern zeigt: Unter dem Motto "Rettet die Bienen" beteiligten sich vor kurzem 18,4 Prozent der Wahlberechtigten an einem Volksbegehren zum Schutz der Artenvielfalt - ein Rekord. In Bienenkostümen und mit niedlichen Bienenfiguren gingen dafür Aktivisten auf die Straße.

"Die Biene ist ein Sympathieträger und ein Door Opener (Türöffner), um auf den Artenschutz aufmerksam zu machen", sagt die Biologin und Bienenexpertin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Melanie von Orlow. "Wir können über jeden Menschen froh sein, der sich für das Thema interessiert." Viele Experten hätten bereits seit Jahren vor dem Artenschwund gewarnt - seien aber lange Zeit nicht gehört worden.

Welche Voraussetzungen muss ich zum Imkern haben?

Welche Voraussetzungen muss ich zum Imkern haben?

Wer sich für die Imkerei interessiert, sollte am Anfang ein paar grundsätzliche Fragen klären. Imker sollten Spaß an der Arbeit in der Natur haben und Grundkenntnisse über Pflanzenkunde besitzen. Ein Imker muss die Entwicklung der Natur beobachten und darauf eingestellt sein, dass kein Jahr in der Bienenhaltung wie das andere ist. Wer Bienenvölker im eigenen Garten aufstellen möchte, sollte dies vorher unbedingt mit seinen Nachbarn absprechen. Außerdem müssen Interessierte sichergehen, dass sie keine Allergie gegen Bienengift haben. Grundsätzlich sollten Bienen dort aufgestellt werden, wo sie Nahrung finden. Sie brauchen ein Stück Natur in ihrer Nähe.

Wo kann ich mich zum Imker ausbilden lassen?

Wo kann ich mich zum Imker ausbilden lassen?

Imkervereine und Bieneninstitute bieten Anfängerkurse an, die circa ein halbes Jahr dauern. In dieser Zeit können Teilnehmer alle Arbeiten, die in einem Bienenjahr anfallen, einmal praktisch und an der Seite eines erfahrenen Imkers verrichten. Viele Vereine vermitteln Jungimker auch an einen Imkerpaten. An diesen können sich die Jungimker wenden, wenn sie nach der Ausbildung noch weitere Frage haben oder Hilfe brauchen. Wer für eine praktische Ausbildung keine Zeit hat, kann sich die Theorie auch über Onlineangebote aneignen. Diese werden zum Beispiel auf der Seite die-honigmacher.de bereitgestellt.

Wie viel kostet der Einstieg in die Imkerei?

Wie viel kostet der Einstieg in die Imkerei?

Der Deutsche Imkerbund hat berechnet, dass für einen Einstieg mit fünf Völkern 2.500 Euro Startkapital anfallen. In dieses Startkapital sind allerdings schon hohe Kosten für Equipment, wie etwa eine Honigschleuder, eingerechnet. Diese Geräte brauchen viele Imker am Anfang aber gar nicht. Wer doch seinen eigenen Honig schleudern will, kann bei Imkervereinen und Bieneninstituten nachfragen. Dort wird oft Equipment verliehen. Außerdem starten die wenigsten Imker mit fünf Völkern, sondern mit nur einem sehr kleinen Volk. Imkervereine oder Bieneninsitute verschenken oft diese kleinen Völker, die Jungvölker oder Ablegervölker genannt werden.

Wo kann ich Bienenvölker kaufen?

Wo kann ich Bienenvölker kaufen?

Bei Bieneninsituten und Imkervereinen. Bei manchen Vereinen oder Insituten können Bienen auch gemietet werden. Für ein halbes Jahr können Interessierte dann ihr Volk an der Seite eines erfahrenen Imkers betreuen. Wer sich nach dieser Zeit entscheidet, mit der Imkerei weiterzumachen, kriegt sein gemietetes Volk oft geschenkt.

Ist eine Prüfung oder Mitgliedschaft im Verein nötig?

Ist eine Prüfung oder Mitgliedschaft im Verein nötig?

Im Gegensatz zu Fischern oder Jägern müssen Imker keine Prüfung ablegen oder einen Schein machen. Tatsächlich ist nicht einmal ein Ausbildungsnachweis nötig. Für die artgerechte Haltung der Tiere ist es aber ratsam, sich das nötige Wissen über Bienen im Voraus anzueigenen. In einem Verein müssen Imker ebenfalls nicht gezwungenermaßen Mitglied sein. Allerdings können Interessierte hier Kontakte knüpfen und Hilfe erhalten. (Quelle: ZDF)

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