Demokratie nicht schlechtredenSteinmeier mahnt Klimaschützer

08.11.2019 09:25 Uhr

Die jungen Klimaschützer von "Fridays for Future" haben Politik und viele Menschen wach gerüttelt. Das findet auch das Lob des Bundespräsidenten. Doch er sieht auch eine Gefahr.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat "Fridays for Future" davor gewarnt, die Demokratie schlechtzureden. Das Staatsoberhaupt lobte die jungen Klimaschützer zwar für ihre Verdienste, warnte jedoch davor, die Menschen mit Untergangsszenarien zu ängstigen.

"Wir kommen nicht weiter, wenn wir jede Woche apokalyptische Bedrohungen beschreiben, die kaum zu bewältigen scheinen. Denn Apokalypse lähmt!", sagte er dem "Tagesspiegel". Dadurch würden die Möglichkeiten der Demokratie immer kleiner geredet.

"Fridays-for-Future"-Demonstration in Hamburg.
Quelle: Georg Wendt/dpa/Archivbild

"Wer meint, dass irgendeine autoritäre Ordnung besser mit den Herausforderungen der Gegenwart umgehen kann, der irrt", sagte er in dem Interview. "Ich sage das nicht als Großvater mit den weißen Haaren, sondern aus innerer Überzeugung:

Ich kenne keine andere politische Ordnung weltweit, die die Möglichkeit zur Umkehr, die Möglichkeit zur Selbstkorrektur so in sich trägt wie die Demokratie.

Wenn in der Vergangenheit Weichen falsch gestellt wurden, dann biete die Demokratie die Möglichkeit, diese falschen Weichenstellungen zu korrigieren, betonte Steinmeier weiter.

Steinmeier lobt das Engagement der Jugend

Zugleich lobte der Bundespräsident das Engagement vieler junger Menschen für den Klimaschutz: "Es hat wahrscheinlich keine gesellschaftliche Bewegung der vergangenen 20 Jahre so viel Aufmerksamkeit und Debatte erreicht wie Fridays for Future. Das ist ein großer Verdienst der engagierten jungen Leute und hilft, notwendige Maßnahmen auch tatsächlich anzuschieben."

Es hat wahrscheinlich keine gesellschaftliche Bewegung der vergangenen 20 Jahre so viel Aufmerksamkeit und Debatte erreicht wie Fridays for Future.

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

Steinmeier warnte außerdem vor einer DDR-Nostalgie bei jungen Menschen, in deren Altersgruppe die AfD bei den jüngsten Landtagswahlen in Ostdeutschland besonders stark punkten konnte: "Mit zeitlichem Abstand verliert eine SED-Diktatur für diejenigen, die sie nicht erlebt haben, an Schrecken." Deshalb sei es gut und wichtig, dass frühere Bürgerrechtler in Schulen gingen und erzählten, "wie sie mutig für das gekämpft haben, was ihnen verwehrt war und was für uns heute selbstverständlich geworden ist: Reisefreiheit, Meinungsfreiheit und Demonstrationsfreiheit und vieles mehr, das sich mit Freiheit und Wohlstand umschreiben lässt".

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Quelle: dpa