Ladestationen für E-AutosTanken beim Shoppen

von Nils Metzger und Oliver Klein

04.11.2019 21:20 Uhr

Eine Million Ladepunkte will die Regierung bis 2030 schaffen - eines der zentralen Themen beim Autogipfel im Kanzleramt. Wie kann das gehen? Vor allem der Einzelhandel ist gefragt.

Stromtankstelle auf dem Parkplatz eines Metro-Großmarkts in Düsseldorf
Quelle: imago/Norbert Schmidt

Im Supermarkt einkaufen, während draußen auf dem Parkplatz das E-Auto lädt - das soll zukünftig fast überall möglich sein. Eine Million öffentlich zugänglicher Ladepunkte sieht der "Masterplan Ladeinfrastruktur" der Bundesregierung vor. Von diesem Wert ist Deutschland noch weit entfernt: Je nach Erhebungsmethode gibt es aktuell nur zwischen 17.400 und 21.000 Ladepunkte im Bundesgebiet.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will 2020 bis zu 50 Millionen Euro Fördermittel bereit stellen, um Privatpersonen und Unternehmen den Bau von Ladestationen zu vereinfachen. Das wird aber nur einen kleinen Teil der nötigen Investitionen decken. Langsam kommt der Ausbau der Ladeinfrastruktur auch in Deutschland aus den Startlöchern - aber noch sind die Hindernisse vielfältig.

Neue Ladestationen können weniger Parkplätze bedeuten

Bislang steht ein Großteil der öffentlich zugänglichen Ladestationen auf Privatgrundstücken und nicht direkt im öffentlichen Raum: etwa auf Parkplätzen vor Einkaufszentren, Hotels und Firmen - und nur viel seltener einfach am Straßenrand. Das liegt auch daran, dass auf öffentlich zugänglichem Privatgelände die Kommunen kaum einschränkende Auflagen machen. Die Ladestation muss dann nur vom örtlichen Stromnetzbetreiber genehmigt werden. Seit 2016 ist zusätzlich eine Anmeldung bei der Bundesnetzagentur nötig: Das soll sicherstellen, dass das lokale Stromnetz nicht durch eine zu hohe Dichte an Ladestationen überlastet werden kann. Wird der Strom für die Kunden nicht kostenlos abgegeben, sondern verkauft, muss auch noch ein Zähler her und die Software geeicht sein.

Der Bau von Ladestationen im öffentlichen Raum am Straßenrand ist für Städte und Gemeinden eine praktische Herausforderung: "Wir fangen nicht auf der grünen Wiese an. Der Verkehrsraum ist begrenzt und vorhandenen Parkraum umzuwidmen, ist nicht immer leicht", so Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. "Städte und Gemeinden müssen alle ihren Beitrag leisten, aber es ist keine Aufgabe, die nur von den Kommunen geleistet werden kann. Es gibt ja auch keine öffentlichen Tankstellen."

Wir fangen nicht auf der grünen Wiese an. Der Verkehrsraum ist begrenzt und vorhandenen Parkraum umzuwidmen, ist nicht immer leicht.

Alexander Handschuh, Städte- und Gemeindebund

Schnelllader bislang selten

Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen gewöhnlichen Ladestationen und den noch deutlich selteneren Schnellladestationen, die laut Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft bislang etwa zwölf Prozent aller Ladestationen ausmachen. Schnellladestation funktionieren typischerweise mit Gleichspannung und liefern eine deutlich höhere Leistung.

"In Zukunft werden Ladegeschwindigkeiten deutlich zunehmen. Gerade kommen die ersten Stationen mit 150 Kilowatt Leistung, viele Autos können das aber noch gar nicht nutzen. Die verbaute Batterietechnik gibt die maximale Geschwindigkeit vor", so eine Sprecherin von der Eon-Tochter Innogy, die bundesweit mehrere tausend Ladestationen betreibt. "Normale Ladestationen mit Wechselstrom können schnell und unkompliziert eingerichtet werden. Schnellladestationen sind aufwendiger, da eine Mittelspannungsleitung vorhanden sein muss."

Nachrichten | heute - in Deutschland

Regierung will mehr Ladestationen schaffen

Bundesregierung und Vertreter der Autobranche wollen über die Zukunft der E-Mobilität beraten. Großes Thema ist der Ausbau von Ladesäulen für E-Autos, besonders an strategisch wichtigen Standorten. Auch die Wirtschaft soll in die Pflicht genommen werden.

01:32 min | 04.11.2019

Unterschiedliche Steckertypen

Für Kopfzerbrechen sorgt bei Autofahrern auch, dass es unterschiedliche Steckertypen zum Laden von E-Autos gibt. So kann es zu Problemen bei der Kompatibilität von Auto und Ladestation kommen. Praktisch hat die Europäische Union aber 2013 den sogenannten Typ-2-Stecker für alle Autos und Ladestationen innerhalb der EU festgeschrieben - auch für Hersteller wie Tesla, die in anderen Ländern auf ein eigenes, proprietäres Ladesystem setzen.

Schnellladestationen bieten meist Kabel mit CCS-Stecker an, vereinzelt ist aber auch der unter japanischen Herstellern verbreitete CHAdeMO-Anschluss verfügbar. Die Ladesäulen-Karte der Bundesnetzagentur informiert Autofahrer über den Steckertyp jeder verzeichneten Station.

30.000 Euro Kosten für eine Ladestation

Druck, beim Ausbau der E-Mobilität voranzukommen, macht auch die Europäische Union: Eine EU-Richtlinie schreibt für Geschäftsgebäude mit mehr als 20 Parkplätzen zukünftig mindestens eine Ladestation vor. Das trifft insbesondere den deutschen Einzelhandel, der so notgedrungen zu einer der treibenden Kräfte beim Ausbau der Ladeinfrastruktur wird.

Eine Ladestation pro Standort würde Kosten von über einer Milliarde Euro verursachen.

Lars Reimann, Handelsverband Deutschland

"Die Bereitstellung einer einzelnen Ladesäule kostet im Schnitt rund 30.000 Euro", rechnet Lars Reimann vor. Er ist Abteilungsleiter für Energie- und Umweltpolitik beim Handelsverband Deutschland (HDE). "Allein der Lebensmittelhandel hat in Deutschland 38.000 Standorte. Eine Ladestation pro Standort würde Kosten von über einer Milliarde Euro verursachen. Das geplante Fördervolumen erscheint zu knapp bemessen", so Reimann.

Wissen | nano

Batterien der Zukunft

02:40 min | 09.10.2019
Quelle: Mit Material von dpa und Reuters