Das gewohnte Ende

von Frank Hellmann

19.05.2019 10:12 Uhr

Endlich einmal wieder ein spannendes Finale, aber dann doch derselbe Meister: Die Bundesliga-Spielzeit 2018/2019 hatte einiges zu bieten. Erstaunliche Entwicklungen und herbe Enttäuschungen. Eine Bilanz zu den 18 Vereinen.

Am Ende war es sogar rührig: Der FC Bayern hat zum 29. Mal die Schale bekommen und auf der Tribüne weinte Uli Hoeneß. So sehr hatte den Münchner Macher mitgenommen, dass die Ikonen Franck Ribéry und Arjen Robben zum Abschied bei der Meisterschaftsentscheidung trafen. Die 56. Bundesliga-Saison hat mit dem 5:1-Sieg der Bayern gegen Eintracht Frankfurt das gewohnte Ende genommen.

Feier des siebten Titelsiegs in Folge.
Quelle: ap

Mit einem Meister, der zeitweise fast hoffnungslos im Hintertreffen lag, sich unter dem kritisierten Trainer Niko Kovac zurückkämpfte. Und einem ehrbaren Verfolger Borussia Dortmund, der in der Hinrunde fast alles richtig machte, aber in der Rückrunde vom meisterlichen Weg abkam. Was bleibt ansonsten in Erinnerung? Wie fällt die Bilanz der 18 Klubs aus?

Das Saisonfazit 2018/2019

1.FC Bayern

1.FC Bayern

Ende gut, aber nicht alles: Trotz des Gewinns der 29. Meisterschaft und einem "Jahr des Umbruchs" (Uli Hoeneß) bleiben einige Irritationen hängen. Die Sinnkrise im Herbst, die Beschimpfungspressekonferenz der Bosse, aber auch der unwürdige Umgang mit Trainer Niko Kovac auf der Zielgeraden. Noch immer ist nicht ganz klar, ob der Kroate wirklich bleiben darf. Das Pokalfinale gegen RB Leipzig am 25. Mai verspricht auch deshalb reichlich Spannung. Immerhin: Die Gier nach Titeln hat sich der FCB erhalten. Kein gutes Zeichen für die Konkurrenz. Und die Zukunft der Liga.

2. Borussia Dortmund

2. Borussia Dortmund

Wer sich noch einmal an den Sommer erinnert, die großen Umwälzungen im Kader, aber auch an einen neuen Trainer (Lucien Favre), einen neuen Lizenzspielerchef (Sebastian Kehl) und einen neuen Berater (Matthias Sammer), der stellt fest: So viel ist nicht schiefgelaufen in Dortmund. Nur haben sie beim BVB mit einer furiosen Hinrunde selbst Erwartungen geweckt, die sie nicht halten konnten. Die Fehler der Rückrunde müssen Ansporn sein, es in Zukunft noch besser zu machen.

3. RB Leipzig

3. RB Leipzig

Alles richtig gemacht, Ralf Rangnick: Nochmal eine Übergangssaison in einer Doppelrolle zu gestalten und als Cheftrainer die Strippen wieder selbst in die Hand zu nehmen, hat dem Brauseklub geholfen. Die Königsklasse ist seit Wochen klar, jetzt kann RB zum zehnjährigen Bestehen auch noch den DFB-Pokal gewinnen. In der Rückrunde riefen die Roten Bullen eine starke Leistung nach der anderen ab. Und jetzt haben sie sich noch für das Endspiel am nächsten Samstag geschont. Achtung, FC Bayern!

4. Bayer Leverkusen

4. Bayer Leverkusen

Das nennt man Punktlandung: Erst am letzten Spieltag sprang die Werkself in die Champions-League-Ränge. Für einen Kader mit Julian Brandt, Kai Havertz oder Kevin Volland sollte das allerdings auch der Anspruch sein. Der in der Rückrunde verpflichtete Trainer Peter Bosz ließ diese Mannschaft das tun, was sie am besten kann: nach vorne spielen. Spannend wird, wie lange Brandt und Havertz noch unter dem Bayer-Kreuz wirbeln.

5. Borussia Mönchengladbach

5. Borussia Mönchengladbach

Die Elf von Niederrhein spielt wieder europäisch. Das ist die wichtigste Botschaft nach einer Saison "mit vielen Höhen und einigen Tiefen" (Trainer Dieter Hecking). Zeitweise galoppierten die Fohlen auf Platz zwei durch die Liga und Hecking musste Fragen nach der Meisterschaft beantworten. Dann das jähe Erwachen, weshalb der Fußballlehrer nicht bleiben darf. In Mönchengladbach liegt die Messlatte inzwischen höher.

6. VfL Wolfsburg

6. VfL Wolfsburg

Am Ende lagen sich alle in den Armen: Mannschaft und Zuschauer, Trainer und Geschäftsführer. Dabei ist es schon kurios: Erst rettete Bruno Labbadia den VfL in der Relegation, dann führte er das Team in den Europapokal - und trotzdem blieb das Verhältnis zu Jörg Schmadtke so unterkühlt, dass die Zusammenarbeit endet. Mit dem versöhnlichen Abgang wahren alle Seiten das Gesicht.

7. Eintracht Frankfurt

7. Eintracht Frankfurt

Die Hessen schicken wohl mehr als nur ein Stoßgebet und ein Dankesschreiben in die Nachbarstadt Mainz. Eine furiose Bundesliga-Saison und eine fantastische Europapokal-Spielzeit wäre fast tragisch auf Platz acht geendet, wenn nicht die Nullfünfer noch Schützenhilfe geleistet hätte. Mit Rang sieben kann die Eintracht gut leben, auch wenn die erneute Qualifikation für die Europa League mühselig und aufwändig wird. Aber Frankfurter Fans ist eigentlich egal, wann und wo gespielt wird. Hauptsache Europapokal.

8. Werder Bremen

8. Werder Bremen

Werder Bremen ist wieder wer: Mit dem Bessermacher Florian Kohfeldt, ausgezeichnet mit dem Trainerpreis des Jahres, haben die Grün-Weißen nicht nur mutige Ziele proklamiert, sondern teilweise mutig gespielt und nach Europa geschielt. Letztlich waren 53 Punkte das Optimum.  Ohne Max Kruse, der ablösefrei weiterzieht, wird es künftig nicht einfacher, sich die Sehnsucht nach internationalen Spielen zu erfüllen.

9. TSG Hoffenheim

9. TSG Hoffenheim

Was schmerzt eigentlich mehr? Der verpasste Europapokalplatz oder der Abgang von Julian Nagelsmann? Sportlich verwunderte der Leistungseinbruch auf der Zielgeraden, der die Kraichgauer noch auf Platz neun stürzen ließ. Nur wirtschaftlich wird die TSG Hoffenheim diese Saison als Erfolg verbuchen. Die nächsten Verkäufe von Kerem Demirbay (Leverkusen) und Nico Schulz (Dortmund) spülen fast 50 Millionen Euro in die Kasse.

10. Hertha BSC

10. Hertha BSC

Die alte Dame war wieder das, was sie eigentlich in der Hauptstadt nicht sein darf: unsexy und fast ein bisschen langweilig. Eine erneut irritierend schwache Rückrunde kostet Pal Dardai die Weiterbeschäftigung übers Saisonende hinaus. Damit verliert Hertha eine Identifikationsfigur. Mit Ante Covic, dasselbe Alter, ähnliche Vita wie der Ungar, übernimmt der nächste U23-Coach.

 11. Fortuna Düsseldorf

 11. Fortuna Düsseldorf

Friedhelm Funkel spricht von seiner "schönsten Saison" als Trainer. Und der Mann muss es wissen: Mit 65 Jahren kommt der eigentlich schon fast überall tätige Trainer-Routinier als Gegenentwurf der Laptop-Lehrer daher. Er braucht keine Codewörter von abkippenden Sechsern, um seine Taktik zu erklären. Funkel  macht einfach authentisch seine Arbeit. Klasse, Friedhelm, klasse Fortuna!

12. FSV Mainz 05

12. FSV Mainz 05

"Unser Traum lebt", lautete der Slogan der Nullfünfer. Ein Jahrzehnt Bundesliga sind an einem solchen Standort keine Selbstverständlichkeit. Sportvorstand Rouven Schröder und Cheftrainer Sandro Schwarz haben einen vielversprechenden Kader gebaut, der nie in Abstiegsgefahr kam und mehr Zuspruch verdient gehabt hätte. Die Zuschauerzahlen allerdings sind ein Problem in Mainz.

 13. SC Freiburg

 13. SC Freiburg

Kein Hoffen, kein Bangen, kein Zittern: Wenn beim Sportclub die Saison fröhlich ausklingt und sich die Studenten im Breisgau auf den Sommer freuen, hat Freiburg alles richtig gemacht. Nebenbei setzt Christian Streich längst die meisten deutschen Spieler ein. Als nächstes muss man sich die Brüder  Kevin und Niels Schlotterbeck merken.

14. FC Augsburg

14. FC Augsburg

Oh weia, FCA: Das wäre fast schiefgegangen. Anfangs im Abstiegsstrudel griffen die Protagonisten zu immer denselben Ausreden. Mangelnde Effektivität, fehlende Torgefahr und einige Ausfälle. Dann aber dämmerte auch Manager Stefan Reuter, dass Trainer Manuel Baum die Mannschaft verloren hatte. Martin Schmidt kam, sah und siegte. Interessant, ob der neue Trainer seine Emotionen dauerhaft transportiert.

 15. FC Schalke

 15. FC Schalke

Oh Gott, Schalke 04: Eine Saison zum Vergessen. Die Königsblauen bezahlen einen Kader, der eigentlich Champions-League-Niveau haben sollte. Stattdessen spielte dieses Team einen gruseligen Fußball. Die Hauptschuldigen - Trainer Domenico Tedesco und Manager Christian Heidel - verloren ihren Job. Jahrhunderttrainer Huub Stevens knurrte das Team zum Klassenerhalt. Das Großreinemachen auf Schalke sollte gründlich erfolgen.

16. VfB Stuttgart

16. VfB Stuttgart

Die Schwaben bekommen das, was sie nach den vielen Irrungen und Wirrungen verdient haben: die Zusatzschicht in der Relegation. Zu viel ging in dem Verein mit dem roten Brustring schief, der zwei Trainer und den Manager verschlissen hat. Hochtrabende Pläne durch den Anteilseigner Daimler sind Makulatur. Es geht nur ums Überleben. Sollte das klappen, wäre mehr Bescheidenheit mal ein Ratschlag. 

17. Hannover 96

17. Hannover 96

Martin Kind versicherte noch am zweiten Spieltag - einem vorzeigenswerten 0:0 gegen Borussia Dortmund - dass Hannover 96 nichts mit dem Abstieg zu tun haben werde. Ein Irrglaube. Wie seine Annahme, den Verein unter Aushebelung der 50+1-Regel wie ein Patriarch zu führen. Die Opposition war mächtiger. Und die mal für Kontinuität gedachte Konstellation aus Trainer (Andre Breitenreiter)  und Manager (Horst Heldt) ist längst Geschichte. Der Neuaufbau an der Leine erfolgt wohl ohne Thomas Doll. 

18. 1. FC Nürnberg

18. 1. FC Nürnberg

Es ehrt die Franken, dass sie ihrem treuen Anhang von Anfang an reinen Wein eingeschenkt hatten: Unter den (finanziellen) Voraussetzungen wäre der Liga-Verbleib eine faustdicke Überraschung gewesen. Fußballerisch zu limitiert, hatte der "Club" letztlich keine Chance. Wer nur drei Spiele gewinnt, hat kein Bundesliga-Niveau erreicht. Immerhin: Den Abstieg nahmen die Fans friedlich hin.