Hitze in der Stadt: Was hilft und was nicht?

26.07.2019 | 14:01 Uhr
Städte sind bei Hitze wahre Glutöfen: Zu viel Beton, zu wenige Pflanzen. Doch es gibt viele Konzepte, die Abhilfe schaffen könnten. Klimaanlagen zählen nicht dazu.
Städte heizen sich wesentlich schneller auf als das Umland. Denn Beton und Asphalt speichern die Hitze. Grüne Hochhäuser, wie in Singapur, schaffen Abhilfe. Quelle: dpa

Können Pflanzen Städte kühlen?

Vor dem Hintergrund zunehmender Hitze setzen viele Städte auf eine Begrünung. Sie wollen nicht nur Schattenplätze schaffen, sondern auch die sogenannte Evapotranspiration fördern - die Verdunstung von Wasser durch Pflanzen, die die Atmosphäre kühlt.

Singapur ist international eine der Vorreiterstädte: Sie hat seit den 60er Jahren nicht nur Bäume gepflanzt und Parks angelegt, sondern begrünt auch die Fassaden und Dächer vieler Hochhäuser. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist der Botaniker Patrick Blanc.
Riesige Kletterpflanzen ranken an Hochhausfassaden empor - alles andere als botanische Spinnerei. Das Konzept von vertikalen Gärten kann nicht nur für Abkühlung sorgen, sondern auch den Feinstaubgehalt in Städten senken, sagt Botaniker Patrick Blanc.

Geothermie: Wie soll man mit Erdwärme kühlen?

Sie gelten als teuer und benötigen große Flächen - doch einige Städte setzen auf Geothermie-Anlagen: Sie erzeugen Kühlung durch Erdwärme. Dazu sind spezielle Pumpen nötig, welche die in der Erdkruste gespeicherte Energie umwandeln.

Eine solche Anlage, die teils auf Geothermie setzt, gibt es etwa im Westen von Paris. Auf dem Gelände des früheren Renault-Werks werden damit mehr als 350.000 Quadratmeter Bürofläche gekühlt. Der deutsche Bundesverband Geothermie drängt die Politik zu einem Ausbau der erneuerbaren Energieform.

Was nutzen weißer Asphalt und Schienen?

Auch Straßen und Dächer können zur Kühlung beitragen, wie Versuche in den USA gezeigt haben. Die Stadt New York etwa hat in einer "Cool Roofs"-Initiative mehr als 500.000 Quadratmeter Dachflächen weiß streichen lassen, damit sie das Sonnenlicht reflektieren. In Los Angeles wurden ganze Fahrbahnen weiß gestrichen.
Bei einer Temperatur von rund 26 Grad Celsius kann "ein dunkles Dach bis zu 80 Grad Celsius heiß werden", sagt Städtebau-Ingenieurin Amandine Crambes von der französischen Umwelt- und Energiebehörde Ademe. "Das gleiche Dach in heller Farbe kommt auf 45 Grad, ein begrüntes Dach sogar nur auf 29 Grad."
Ähnliches gilt auch für Schienen - mit der besonderen Herausforderung, dass sie sich bei großer Hitze sogar verbiegen können. Deswegen setzt unter anderen auch die Österreichische Bundesbahn auf weiße Farbe.
Große Hitze kann Bahnschienen verbiegen. Österreich testet nun, ob das durch weiße Farbe verhindert werden kann.Quelle: ÖBB/dpa

Klimaanlagen - Fluch oder Segen?

Künstlich gekühlte Räume sind keine Lösung, denn Klimaanlagen erzeugen einen Teufelskreis. "Je mehr man die Gebäude klimatisiert, desto mehr heiße Luft wird in die Umgebung abgegeben", sagt Aude Lemonsu vom französischen Wetterdienst Météo France.

Die Internationale Energieagentur warnt bereits vor einer "Kühlkrise": Sie schätzt, dass sich der Energieverbrauch durch Klimaanlagen bis 2050 verdreifachen wird - das Wachstum entspricht dem derzeitigen Verbrauch Deutschlands und der USA zusammen.
Klimaanlagen verbrauchen sehr viel Strom. "Wenn jeder in Deutschland so ein Gerät zu Hause hätte, bräuchten wir einige neue Kraftwerke", erklärte ein Sprecher der Verbraucherstiftung Düsseldorf in der "Rheinischen Post".Quelle: Dirk Waem/BELGA/dpa

Wieso fahren in Holland Streufahrzeuge im Sommer?

Experten raten Städten auch, offene Wasserflächen anzulegen. Denn Wasser erhitzt sich langsamer als Luft. Auch aus Kostengründen abgestellte Springbrunnen könnten wieder in Gebrauch genommen werden. In Holland wird sogar Salzwasser von den Straßenmeisterein versprüht - im Sommer. Das soll den Asphalt besser abkühlen.
Quelle: Amélie Bottollier-Depois, AFP

Städte kämpfen gegen Hitze