: Jedes 69-Cent-Kotelett facht die Feuer an

von Volker Angres
27.08.2019 | 19:47 Uhr
Wenn im Amazonas der Regenwald brennt, zeigen wir mit dem Finger auf die Brasilianer. Aber wir sind genauso daran beteiligt.
In Brasilien brennt der Regenwald. So viel wie nie zuvor und schon ziemlich lange. Hauptgrund: Brandrodung, um Anbauflächen vor allem für Soja zu gewinnen. Geschrotet landet das auch in den Trögen unserer Rinder, Schweine und Hühner. Billig-Futter aus Brasilien für Billigfleisch aus Deutschland. Jedes 69-Cent-Kotelett facht die Feuer an. Flankiert durch eine miserable EU-Agrarpolitik nach dem Motto: Masse statt Qualität. Subventionen gibt es vor allem für die, die im großen Stil produzieren. 
Seit vielen Jahren Gegenstand heftigster Kritik, vor allem aus den Reihen der Umweltverbände. Und es wird schlimmer. Denn wenn noch mehr Soja angebaut wird, fallen die Preise. Und das bedeutet: Der Hunger nach weiteren Agrarflächen steigt. Ein Teufelskreis. Der seit Jahrzehnten hätte durchbrochen werden können. 

Unverbindlich und wirkungslos

1992, Rio de Janeiro: Die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung bringt auch die Erklärung zum internationalen Schutz der Wälder hervor. Viel zu unverbindlich, wirkungslos, ein Polit-Flop. Vor allem, weil die Industrieländer keine wirklichen Angebote gemacht haben, wie denn ein Regenwald in Wert zu setzen ist. Denn wenn es sich in Amazonien um die "grüne Lunge" der Erde handelt, dann müssen deren Leistungen als CO2-Senker und Sauerstofflieferant bezahlt werden - eben auch von uns.
Ausreichende Konzepte dazu sind bisher nicht zustande gekommen. Und deswegen brennt da in Südamerika nicht nur der Regenwald ab. Wenn sich die Rauchschwaden verzogen haben, wird der erschreckende Blick frei auf das jahrzehntelange Versagen internationaler Umwelt- und Klimapolitik.
Volker Angres leitet die ZDF-Redaktion Umwelt.

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