Kommentar zur Affäre um StracheIn Wodka veritas

von Wulf Schmiese

18.05.2019 21:50 Uhr

"Es gab etliche Vorwarnungen", kommentiert Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des heute journals, die Regierungskrise in Österreich. Mit Leuten wie Strache sei kein Staat zu machen.

Nachrichten | heute journal

"In Wodka veritas"

Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des heute journals, kommentiert die Situation um den österreichischen Bundeskanzler und dessen bisherigen Vize Strache auch mit den Worten: Mit Leuten wie Strache sei kein Staat zu machen, "es gab etliche Vorwarnungen".

01:50 min | 18.05.2019

Das war heute ein Tag der Parallel-Welten: In Mailand warben die Rechtspopulisten Matteo Salvini aus Italien, Marine Le Pen aus Frankreich und auch der Deutsche Jörg Meuthen für eine neue, rechte Allianz. Für ein, wie sie es nennen, "Europa des gesunden Menschenverstands".

Strache wollte die Demokratie verkaufen

Doch am selben Tag musste in Wien einer der bislang Erfolgreichsten dieser Rechtsnationalen sein Amt als Vizekanzler Österreichs räumen. Weil alle Welt zu sehen bekommen hat, dass er eben keinen "gesunden Menschenverstand" besitzt. Nicht als Patriot, nicht als Europäer und nicht als Demokrat.

Heinz-Christian Strache hatte die Demokratie verkaufen wollen - für ein paar Prozentpunkte mehr bei der letzten Nationalratswahl. An eine Frau mit russischem Akzent. Weil er sie hübsch fand. Und weil er besoffen gewesen sei, wie er heute, zwei Jahre später, erklärt. Seine fesche Maske ist verrutscht. In Wodka veritas.

Seine fesche Maske ist verrutscht. In Wodka veritas.

Kurz' Blauäugigkeit

Strache gibt sich zwar reumütig, scheint sich in Wirklichkeit jedoch vor allem darüber zu ärgern, dass er aufgeflogen ist, dass er plump in eine Falle getappt ist. Tatsächlich aber waren es die FPÖ-Wähler, die arglosen zumindest, die 2017 in SEINE Falle tappten. Und es war Bundeskanzler Kurz, der vom eigenen Vize und Koalitionspartner zwei Jahre nicht dessen wahres Gesicht kannte – oder wohl eher: nicht kennen wollte.

"Genug ist genug" – diese Worte, mit denen Kanzler Kurz soeben die Koalition beendet und Neuwahlen ausgerufen hat, sie sagen in Wirklichkeit doch aus: Es gab etliche Vorwarnungen, dass mit solchen Leuten wie Strache kein Staat zu machen ist. Und das gilt nicht nur für Österreich.

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