Protest der "Gelbwesten"Krawalle in Paris: "Beleidigung für die Republik"

01.12.2018 16:24 Uhr

Mehr als 100 Festnahmen und viele Verletzte: Bei einer Demonstration der "Gelbwesten" in Paris hat es Ausschreitungen gegeben. Die Regierung findet die Vorfälle "schockierend".

Nachrichten | heute 19:00 Uhr

65 Verletzte bei Protesten in Paris

Die sogenannten Gelbwesten protestieren gegen steigende Benzinpreise und zu hohe Lebenshaltungskosten. Es sind die heftigsten Proteste seit Beginn der Amtszeit von Präsident Macron.

von Daniela Bach

  • In Frankreich haben die "Gelben Westen" wieder zu Großdemons aufgerufen.
  • Auf den Pariser Champs-Elysées demonstrieren einige Tausend
  • Es kommt zu Ausschreitungen und Festnahmen, die Polizei setzt Tränengas ein, es gibt Verletzte auf beiden Seiten.

Bauzäune werden zu Barrikaden umfunktioniert, Autos mit Eisenstangen demoliert, die Randalierer liefern sich ein Katz- und Mausspiel mit der Polizei: In Paris ist es bei einer Demonstration der "Gelbwesten" rund um die Prachtstraße Champs-Élysées wieder zu Krawallen gekommen. Der französische Premierminister Edouard Philippe sagte, mindestens 107 Menschen seien festgenommen worden. An den Protesten beteiligten sich nach Angaben der Regierung auch rund 1.500 gewaltbereite "Unruhestifter".

"Diese Zahl können wir schwer überprüfen, aber was man sieht, ist, dass die Randalierer zum Teil gut vorbereitet und gut ausgerüstet sind", berichtet ZDF-Korrespondentin Daniela Bach aus Paris. "Viele sind vermummt, tragen Helme und Gasmasken. Auffällig auch, dass sehr viele junge Leute dabei sind. Unter die Tränengasgranaten der Polizei mischen sich auch immer wieder Rauchgasbomben und Bengalos, die die Randalierer zünden."

Was man sieht, ist, dass die Randalierer zum Teil gut vorbereitet und gut ausgerüstet sind.

ZDF-Korrespondentin Daniela Bach

Zehntausende protestieren im ganzen Land

Es ist das dritte Wochenende in Folge, an dem Tausende Menschen der Protestbewegung "Gelbe Westen" in Frankreich demonstrierten. Bis Samstagmittag gingen rund 36.000 Menschen im ganzen Land auf die Straße, in der französischen Hauptstadt waren es nach Angaben von Philippe etwa 5.500. Bereits am vergangenen Wochenende war es zu schweren Ausschreitungen auf den Champs-Élysées gekommen.

Demonstranten in gelben Westen bei heftigen Protesten in Paris
Quelle: reuters

Die "Gelbwesten" gehen aus Protest gegen steigende Spritkosten und die Reformpolitik der Regierung auf die Straße. Der Ärger richtet sich auch direkt gegen Präsident Emmanuel Macron, dessen Politik sie als abgehoben empfinden. Seit Mitte November errichten die "Gelben Westen" Straßenblockaden im ganzen Land.

Die Champs-Élysées waren am Samstag zwar für Fußgänger geöffnet, an den Zugängen zu dem Boulevard wurden aber Identitäts- und Sicherheitskontrollen eingerichtet. So sollte eine Eskalation wie in der vergangenen Woche verhindert werden. Damals wurden Stadtmöbel in Brand gesetzt, Pflastersteine ausgegraben und viele Ladengeschäfte beschädigt.

Heftige Ausschreitungen am Triumphbogen

Besonders heftig waren die Ausschreitungen an diesem Samstag am Triumphbogen an der Spitze der Champs-Élysées. Hier hatten die Sicherheitskräfte Absperrungen aufgebaut. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, in gelbe Warnwesten gekleidete Demonstranten versuchten immer wieder, Absperrungen zu durchbrechen. Auch dieses Mal brannten Stadtmöbel.

Einsatzkräfte der Polizei sind am 1. Dezember 2018 nach Zusammenstößen mit Demonstranten in Paris mit Farbe beschmiert
Quelle: reuters

Premier Philippe sprach davon, dass einige der Demonstranten mit großer Gewalt gegen die Polizei vorgehen würden. "Es ist nicht zu entschuldigen, wenn die Ordnungskräfte angegriffen und provoziert werden." Die Demonstranten hätten "Symbole Frankreichs in Frage gestellt", den "Arc de Triomphe mit Graffiti besprüht" und "rund um das Grab des unbekannten Soldaten eine gewalttätige Demonstration" organisiert, sagte Philippe. Dies sei "schockierend". Vermummte und behelmte Demonstranten hatten am Arc de Triomphe unter anderem die Nationalhymne angestimmt. Innenminister Christophe Castaner nannte die Vorfälle "nicht tolerierbar" und eine "Beleidigung für die Republik". Bei den Krawallen sollen Dutzende Menschen verletzt worden sein.

Protest in anderen Städten friedlich

Auf den Champs-Élysées selbst demonstrierten nach offiziellen Angaben rund 200 "Gelbwesten" friedlich. "Macron hör auf, uns für Idioten zu halten", stand auf einem Transparent. In anderen Vierteln der Hauptstadt und in anderen Städten verliefen die Proteste weitgehend ohne Zwischenfälle.

Die Bewegung, benannt nach den Warnwesten im Auto, ist breit und diffus. Hinter ihr steht keine Gewerkschaft und keine Partei. Präsident Macron hatte in der vergangenen Woche einen Kurswechsel in der Energiepolitik angekündigt. Die Kraftstoffsteuern sollten künftig an die Entwicklung des Weltmarktpreises für Öl gekoppelt werden, damit die Kosten für die Bürger nicht zu hoch steigen. Umfragen zufolge werten die Franzosen die Maßnahmen als unzureichend - die Unterstützung in der Bevölkerung für die "Gelbwesten" ist sogar noch gewachsen.

Schaden die Randalierer der "Gelbwesten"-Bewegung? "Darauf gab es unterschiedliche Antworten", berichtet Bach. "'Die gehören auch dazu', aber auch: 'Natürlich schaden die Randalierer, aber was sollen wir gegen sie tun?'"

Warum die Menschen in Frankreich protestieren und warum Marcon nicht nachgeben will, berichtet ZDF-Reporterin Verena von Derschau aus Paris. Hier zum Beitrag:

Mehr zum Thema

Nachrichten | heute 19:00 Uhr

Macron reagiert auf Proteste

von Christel Haas
Quelle: dpa, AP, AFP, ZDF