Patientenschutz dämpft ErwartungPhase zwei bei neuem Pflege-TÜV beginnt

01.11.2019 12:39 Uhr

Die Suche nach einem guten Pflegeheim in Deutschland soll einfacher werden. Am Freitag startet die Phase zwei des neuen Pflege-TÜVs. Die Heime bekommen Besuch vom Prüfdienst.

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Pflege-TÜV: Phase zwei gestartet

Für pflegende Angehörende ist die Wahl eines Heims häufig eine schwere Entscheidung. Ein externes Bewertungssystem für Pflegeheime soll nun Transparenz schaffen – und die Wahl erleichtern.

01:52 min | 01.11.2019

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen es künftig leichter haben, ein gutes Pflegeheim zu finden. Das Anfang Oktober gestartete neue Qualitätsprüfsystem für die mehr als 13.000 stationären Einrichtungen in Deutschland tritt am Freitag in die Phase zwei ein.

Vor vier Wochen hatten die Heime selber mit den internen Prüfungen nach dem neuen Qualitätssystem begonnen. Ab jetzt prüft auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) extern sämtliche Einrichtungen nach dem neuen Verfahren.

Eine ältere Frau auf dem Flur eines Pflegeheims. Symbolbild
Quelle: Jens Büttner/zb/dpa

Heime müssen Qualitätsdaten erheben und melden

Künftig greifen internes Qualitätsmanagement und externe Prüfung ineinander: Dazu müssen die Pflegeeinrichtungen halbjährlich interne Qualitätsdaten erheben und an eine Datenauswertungsstelle (DAS) melden. Dabei wird etwa erfasst, wie mobil und selbstständig alle Bewohner sind, wie viele von ihnen an Druckgeschwüren oder an den Folgen von Stürzen leiden oder ob ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust eingetreten ist. Die DAS vergleicht die Ergebnisse bundesweit und meldet den Pflegeheimen zurück, ob sie besser oder schlechter als der Durchschnitt sind.

Daneben muss sich jedes Heim einer jährlichen externen Bewertung durch den MDK stellen. Dessen Qualitätsprüfer untersuchen anhand einer Stichprobe von neun Bewohnern, wie die Versorgung ist - etwa bei Essen, Trinken, Waschen oder Toilettengang. Überprüft wird auch, wie weit soziale Kontakte gefördert werden und was das Heim bei Medikamentenversorgung und Therapie leistet. Die MDK-Ergebnisse werden in vier Kategorien erfasst: Sie reichen von "Keine Auffälligkeiten oder Defizite" bis zu "Defizit mit eingetretenen negativen Folgen". Bei Mängeln kann die Pflegekasse Auflagen erteilen, die Vergütung mindern oder sogar den Versorgungsvertrag kündigen. Außerdem sollen die Prüfer den Pflegekräften Empfehlungen geben, wie die Qualität verbessert werden kann.

Patientenschützer warnen vor zu hohen Erwartungen

Patientenschützer warnen indes vor zu hohen Erwartungen an die neuen Qualitätsbewertungen für Pflegeheime. "Zweifellos war der alte Pflege-Tüv ein Desaster", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. Ob das neue Prüfsystem der angekündigte Riesenschritt in Richtung Vertrauen sei, stehe aber in den Sternen. Weiterhin sollten allein die Träger der Heime die Versorgungsqualität der Bewohner messen. Eine externe Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erfolge nur bei einer kleinen Stichprobe.

Patientenschützer Brysch verwies darauf, dass dafür sechs Bewohner vom Heim bestimmt und drei weitere vom Prüfer zufällig ausgewählt würden. Doch knapp die Hälfte aller Einrichtungen habe mehr als 60 Bewohner. "Es ist fraglich, ob auf dieser kleinen Basis tatsächlich die Realität erfasst werden kann." Brysch meldete auch Zweifel an der neuen Darstellung der Ergebnisse mit Kreisen, Punkten und Quadraten an. "Da wird sowohl eine Orientierung als auch ein Vergleich mit anderen Pflegeheimen schwierig."

Die Ergebnisse sollen wie bisher im Internet veröffentlicht werden und auch in den Heimen einsehbar sein. Bis Ende 2020 sollen alle Heime nach dem neuen Verfahren geprüft sein. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte von einem "Riesenschritt für mehr Vertrauen ins System" gesprochen.

Quelle: dpa, KNA