Polizeiliche KriminalstatistikZahl der Straftaten sinkt weiter

02.04.2019 13:48 Uhr

Laut Kriminalstatistik ist die Zahl erfasster Straftaten 2018 erneut zurückgegangen. Für Minister Seehofer kein Grund zur Entwarnung. Er will nun die Polizei besser ausstatten.

Nachrichten | heute journal

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von David Gebhard

"Die Zahlen sind erfreulich, aber es ist noch kein nachhaltiger Erfolg", sagte Seehofer am Dienstag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2018. Das Gefühl der Verunsicherung habe bei vielen Bürgern zugenommen. Das müsse sich ändern und könne "nur gelingen, wenn wir die personelle und sachliche Ausstattung der Sicherheitsbehörden weiter verbessern", so der Minister.

Insgesamt zeigte sich Seehofer zufrieden mit der Bilanz. "Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt", sagte er. Die Zahl der Straftaten gehe zurück, und die Aufklärungsquote sei mit 56,5 Prozent "auf einen neuen Höchststand" gestiegen. Dem Bundesinnenministerium zufolge registrierte die Polizei im abgelaufenen Jahr genau 5.555.520 Straftaten. Werden die rein ausländerrechtlichen Verstöße herausgerechnet (zum Beispiel unerlaubte Einreise und unerlaubter Aufenthalt) , liegt die Zahl bei knapp 5,4 Millionen Taten - ein Rückgang um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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"Wir sprechen über Vergangenheitsbewältigung"

Die Zahl der von der Polizei erfassten Straftaten ist laut Kriminalstatistik 2018 zurückgegangen. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, kritisiert die Statistik: "Wir sprechen über Vergangenheitsbewältigung."

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Seehofer sieht weiter politischen Handlungsbedarf

Trotz des Rückgangs sah Seehofer politischen Handlungsbedarf. Die personelle und sachliche Ausstattung der Polizei sei "unzureichend", klagte er. Zudem müssten die rechtlichen Grundlagen der Polizeiarbeit zum Teil verbessert werden - etwa um zu verhindern, dass Ermittlungen "aus falsch verstandenem Schutz der Daten" behindert würden.

"Der größte Schutz ist immer noch der Schutz vor Kriminalität", sagte Seehofer. Die Polizeiarbeit müsse modernisiert werden. "Ich hoffe, dass ich auch die Zustimmung des Koalitionspartners bekommen werde."

Überdurchschnittlich gingen die erfassten Straftaten im Bereich Diebstahl zurück: Ihre Zahl sank um 7,5 Prozent auf rund 1,94 Millionen Fälle. Zu dieser Entwicklung trug dem Ministerium zufolge der besonders starke Rückgang bei Wohnungseinbrüchen um 16,3 Prozent auf rund 97.500 Fälle und beim Taschendiebstahl um 18,2 Prozent auf etwa 104.000 Fälle bei.

Deutlich mehr Straftaten im Bereich Kinderpornografie

In anderen Bereichen registrierte die Polizei allerdings deutlich mehr Straftaten - etwa bei der Verbreitung pornografischer Schriften, wo 13,6 Prozent mehr Fälle registriert wurden. Hier geht es hauptsächlich um Kinderpornografie. Deutlich mehr Straftaten gab es auch in der Rauschgiftkriminalität (plus 6,1 Prozent) und bei Straftaten gegen das Waffengesetz (plus 5,5 Prozent). Seehofer verwies darauf, dass in diesen Bereichen vor allem das Internet die Straftaten erleichtere.

Wenig Änderungen gab es beim Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen. Er betrug im vergangenen Jahr der Statistik zufolge etwa 30 Prozent. Seehofer sprach von einer "Stabilisierung des Anteils" und warnte davor, diese Zahlen zum "Instrument der politischen Auseinandersetzung" zu machen.

Die Jahresstatistik der Polizei beinhaltet bekannt gewordene Straftaten einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche, die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen und eine Reihe weiterer Angaben. Staatsschutz- und Verkehrsdelikte, Steuerstraftaten sowie Ordnungswidrigkeiten sind in der Statistik nicht enthalten.

Wo die Kriminalstatistik an ihre Grenzen stößt

Städtevergleich

Städtevergleich

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) bietet alljährlich Raum für viele Interpretationen. Doch lange nicht alle Vergleiche und Rückschlüsse lassen sich mit der PKS wirklich belegen. Einzelne Städte lassen sich mit den Zahlen der PKS nur schwer vergleichen. Das liegt unter anderem an der Infrastruktur einer Stadt: In Frankfurt am Main etwa werden sämtliche Vergehen am größten deutschen Flughafen der Stadt zugeordnet. Auf die Zahl der Einwohner gerechnet kommt es daher in Frankfurt zu verhältnismäßig vielen Straftaten. Ob die Stadt unsicherer ist als andere, belegen diese Zahlen aber nicht.

Fehlende Verstöße

Fehlende Verstöße

In der PKS werden nicht alle Verstöße aufgelistet, die die Polizei innerhalb eines Jahres dokumentiert hat. So fehlen im zugehörigen Straftatenkatalog etwa einige Verkehrsdelikte. Auch Ordnungswidrigkeiten, Finanz- und Steuerdelikte sowie Straftaten, die unmittelbar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden, sind in dem Jahrbuch nicht enthalten. Politisch motivierte Straftaten - und damit auch Terrorismus - werden gesondert erfasst.

Dunkelziffer

Dunkelziffer

Die Polizei gibt in der PKS nur Straftaten an, die angezeigt wurden. Damit gibt sie kein genaues Bild über die tatsächliche Kriminalität in Deutschland - und auch nicht über ihre genaue Entwicklung. Beispiel: Gehen die angezeigten Fälle zurück, kann das an weniger Kriminalität liegen, aber auch an einer geringeren Verfolgungsintensität der Polizei oder einfach an weniger Anzeigen. Letzteres ist vor allem beim Diebstahl wichtig, da diese Fälle meist erst durch eine Anzeige bekannt werden.

Nationalität

Nationalität

Rückschlüsse auf die Herkunft der Täter sind nur begrenzt möglich. Die PKS differenziert zwischen deutschen und nichtdeutschen Tatverdächtigen. Ein eventueller Migrationshintergrund bei deutschen Tatverdächtigen wird nicht berücksichtigt.

Quelle: dpa

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