: Winter, Corona, Wiederaufbau im Ahrtal

01.12.2021 | 07:56 Uhr
Es wird kalt im Ahrtal, Fachfirmen sind ausgebucht, freiwillige Helfer werden von steigenden Corona-Zahlen verschreckt. Der Wiederaufbau nach der Flut geht voran - aber schleppend.
Die von der Flut zerstörte Eisenbahnbrücke über die Ahr.Quelle: dpa
Zerstörte Häuser und geräumte Grundstücke: Klaus Kniel stapft durch ein Neubaugebiet im Ahr-Flutgebiet. "Hier ist ein ganzes Haus weggeschwommen", sagt der Ortsvorsteher von Heppingen, einem Ortsbezirk von Bad Neuenahr-Ahrweiler, neben Baustellen-Klos und Baggern. "Und hier musste eins abgerissen werden."
Etliche Meter hatte sich hier am 14. und 15. Juli die braune Sturzflut der Ahr nach extremem Starkregen aufgetürmt. 134 Menschen sind im Flusstal getötet worden - und rund 25.000 betroffen. Viele blicken in der doppelten Katastrophe von Hochwasser und Corona nach häufiger Todesangst im Sommer bange dem Weihnachtsfest und dem neuen Jahr entgegen.

Wie weit ist der Wiederaufbau?

Marc Ulrich, Initiator eines Shuttledienstes für Helfer im Ahrtal, sagt viereinhalb Monate nach den Zerstörungen in dem einstigen Rotweinparadies:
Der größte Teil der Entsorgung von Schutt und des Rückbaus von Häusern ist gelaufen.
Marc Ulrich, Helfer
Flutopfer und Helfer haben Schlamm, Putz und Bodenbeläge entfernt: Tausende durchnässte Gebäude sollen trocknen können. Immer noch werden private Helfer gebraucht, doch ihre Zahl sinkt wegen Corona.
Für die Flutopfer in der Rureifel beginnt die erste Vorweihnachtszeit nach der Hochwasser-Katastrophe.
Ortsvorsteher Kniel erklärt indessen, manche Fertighäuser beispielsweise seien mit ihren vollgesogenen Wänden nicht mehr zu retten: "Den Schimmel kriegt man da nie mehr raus."

Fachleute sind gefragt

Bei den vielen anderen in den Rohbauzustand zurückversetzten Gebäuden sind nach der Solidarität Tausender freiwilliger Helfer inzwischen oft Fachfirmen am Zuge. Der Erste Beigeordnete des Landkreises Ahrweiler, Horst Gies (CDU), betont: "Der Wiederaufbau in unserem Kreis nimmt Fahrt auf." Er nennt das aber auch:
Eine Mammutaufgabe, die viel Zeit in Anspruch nehmen wird.
Horst Gies, CDU-Beigeordneter im Landkreis
Ausgebuchte Fachfirmen und zunehmender Fachkräftemangel, dramatisch hohe Corona-Zahlen und winterliche Temperaturen, all dies macht die Lage nicht leichter.

Wohnraum ist noch immer Mangelware

Tausende Flutopfer pferchen sich noch bei Verwandten, Freunden und in Ferienwohnungen zusammen. Bei einer Wohnraumvermittlung des Kreises Ahrweiler gehen laut dem Ersten Beigeordneten Gies durchschnittlich 70 Anrufe pro Tag ein.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärt: "In vielen Kommunen werden Tiny Houses (Minihäuser) bereitgestellt. Als allerletzte Möglichkeit werden ausreichend Notunterkünfte bereitgehalten." Auch Kinder mancher zerstörter Schulen und Kitas müssen sich in Container zwängen. Dreyer betont:
Aktuell hat natürlich die Winterversorgung weiterhin oberste Priorität.
Malu Dreyer, RLP-Landeschefin
Eine neue Erdgashochdruckleitung beispielsweise sei in einer Rekordzeit von nur 100 Tagen durch das untere Ahrtal gebaut worden. In den Dörfern flussaufwärts wird auch viel auf provisorische Heizlösungen gesetzt. Ein Problem sind teils mehrmonatige Lieferfristen für neue Heizungen wegen des internationalen Chipmangels. Der Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik im Kreis Ahrweiler, Frank Wershofen, hat nach eigenen Worten auch "Kunden, die frieren".
Rund 15 Milliarden Euro sollen von einem Notfonds von Bund und Ländern nach Rheinland-Pfalz fließen. Flutopfer sollen meist maximal 80 Prozent ihrer Kosten für den Wiederaufbau von Häusern bekommen. Regierungschefin Dreyer erklärt: "Unternehmen und Privathaushalte haben bereits über 14.200 Anträge auf Wiederaufbauhilfe gestellt."
Quelle: dpa

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