: Institut meldet 42 Thrombose-Verdachtsfälle

10.04.2021 | 07:39 Uhr
Im Zusammenhang mit Astrazeneca wurden in Deutschland 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose gemeldet. Vor allem Frauen sind betroffen. Die Impfung wird dennoch empfohlen.
Trotz aller Kritik wird die Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin weiter empfohlen.Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
In Deutschland sind bislang 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca bekannt. Das berichtete das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Die 42 Fälle der speziellen Form sehr seltener Hirnvenenthrombosen seien bis zum 2. April gemeldet worden, in 23 Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) gemeldet worden.

Acht Betroffene gestorben

Mit Ausnahme von sieben Fällen seien Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen gewesen. Allerdings seien Frauen nach den Angaben des Robert Koch-Instituts auch häufiger als Männer mit dem Produkt geimpft worden. Die Männer seien 24 bis 58 Jahre alt gewesen.
Acht Betroffene starben, fünf Frauen und drei Männer, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut in Langen berichtete. Bei Frauen zwischen 20 und 59 Jahren seien deutlich mehr Fälle beobachtet worden, als erwartbar gewesen sei. Inzwischen wird der Impfstoff in Deutschland in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren verwendet.
Die Europäische Arzneimittelbehörde empfiehlt weiter den Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die EMA.
Sieben Fälle einer Sinusvenenthrombose wurden den Angaben zufolge nach Impfung mit dem Biontech-Impfstoff gemeldet, drei Frauen im Alter von 34 bis 81 Jahren und vier Männer im Alter von 81 bis 86 Jahren seien betroffen gewesen. In keinem Fall wurde eine Thrombozytopenie berichtet. Die Zahl der gemeldeten Fälle sei jedoch unter Berücksichtigung der verimpften Dosen im Vergleich zur gewöhnlich erwarteten Zahl dieser Thrombosen nicht erhöht.

Forscher: Zusammenhang zwischen Astrazeneca-Impfstoff und Thrombosen

Der Greifswalder Forscher Andreas Greinacher geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Astrazeneca-Impfstoff und den Thrombosen bei den mit damit geimpften Menschen gibt. Seiner Meinung nach gebe es derzeit klare Belege, dass bei einigen Menschen eine enge Verbindung zwischen dem Impfstoff und diesen Thrombosen bestehe, sagte er am Freitagabend bei einem virtuellen Pressegespräch. Dafür sprächen die Zahl der Fälle und das immer gleiche Muster. Er warb trotz der seltenen Komplikationen für Impfungen:
Sie nicht zu impfen wird für viel, viel mehr Menschen das Risiko ernster Komplikationen mit sich bringen, als sie zu impfen.
Andreas Greinacher, Greifswalder Forscher
Er verwies in dem Zusammenhang auf seine Kollegen der Intensivstation der Greifswalder Universitätsmedizin, wo rund um die Uhr Patienten mit schweren Covid-19-Erkrankungen behandelt würden.
2,7 Millionen Mal wurde das Astrazeneca-Vakzin verimpft. 31 Menschen wiesen danach eine Sinusvenenthrombose auf, neun starben daran. Der Zusammenhang ist jedoch noch nicht belegt.
Greinacher macht das Auftreten bestimmter Antikörper für die Thrombosen verantwortlich.
Es ist meiner Meinung nach absolut klar, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen Antikörpern und diesen thrombotischen Komplikationen gibt.
Andreas Greinacher, Greifswalder Forscher
Es müsse aber noch etwas anderes geben, dass zum Auftreten dieser Antikörper beitrage. Wenn es das Vakzin allein wäre, müsse es viel mehr Fälle geben. Angesichts der geringen Fallzahlen könne es sein, dass die Betroffenen etwas in ihrem Körper hätten, was sie dafür anfällig mache, die bestimmten Antikörper zu produzieren. Was das sei, sei noch unklar.
Mehr
Mehr
Mehr
Greinacher hat zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Blutproben Betroffener untersucht. Die Ergebnisse wurden am Freitag online vom "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.
Quelle: dpa

Hintergründe zu Covid-19

Mehr

Die wichtigsten Daten zum Coronavirus

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise