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: Wie Maurers Leben auf der ISS aussieht

von Michaela Schmehl
11.11.2021 | 05:27 Uhr
Nach etlichen Verzögerungen war es so weit: Die Astronauten-Crew mit dem Deutschen Matthias Maurer ist auf dem Weg zur ISS. Was sie im All erwartet.
Erstmals seit drei Jahren ist mit Matthias Maurer wieder ein deutscher Astronaut im All. Der 51-Jährige befindet sich zusammen mit drei Nasa-Kollegen auf dem Weg zur ISS.
Für den Deutschen Matthias Maurer erfüllt sich ein Traum: Von Cape Canaveral in Florida aus ist erstmals seit drei Jahren wieder ein deutscher Astronaut zur Internationalen Raumstation ISS aufgebrochen. Der 51-jährige Saarländer startete am Donnerstag um 21:00 Uhr (Ortszeit) gemeinsam mit drei Nasa-Kollegen mithilfe einer "Falcon 9"-Rakete an Bord eines "Crew Dragon" ins All.
Nach rund 22 Stunden sollen sie an der Internationalen Raumstation ISS andocken. Für seine erste Mission "Cosmic Kiss" wird Maurer ein halbes Jahr lang auf der ISS leben und arbeiten.
Sehen Sie hier den kompletten Start des SpaceX-Raumschiffs:
Erstmals seit drei Jahren ist mit Matthias Maurer wieder ein deutscher Astronaut im All. Sehen Sie hier den kompletten Start der Rakete im Video.

Was passiert auf der ISS ?

Die Internationale Raumstation dient zur Erforschung lebenswichtiger wissenschaftlicher Experimente, die nur unter diesen speziellen Bedingungen gelingen können. Das fliegende Labor steht in rund 400 Kilometern Höhe.

Was kostet die ISS?

Die ISS ist wohl das wohl teuerste bisher von Menschenhand geschaffene Objekt - genaue Zahlen gibt es nicht. Schätzungen belaufen sich über 100 Milliarden oder gar 150 Milliarden Dollar, die US-Raumfahrtagentur Nasa schweigt dazu. Deutschland kostet der Unterhalt der ISS derzeit etwa 160 Millionen Euro jährlich. Die geschätzten Gesamtkosten der Station liegen bei bis zu sechs Milliarden Dollar pro Jahr.
Maurers Ziel im All: die Internationale Raumstation ISS. (Archivbild)Quelle: NASA/dpa

Wer organisiert den Flug?

Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und die private Raumfahrtfirma SpaceX von Elon Musk kooperieren bei dem Flug zur ISS. Es ist der vierte SpaceX-Flug mit Nasa-Astronauten und der insgesamt fünfte Flug mit Passagieren an Bord. Das "Crew Dragon"-Raumschiff bringt die Forscher zur ISS.

Wer sind die Crewmitglieder?

Vier Astronauten sind an Bord der Raumkapsel. Neben dem Deutschen Matthias Maurer fliegen seine drei Nasa-Kollegen Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron zur ISS.

Wie viele Deutsche waren schon im All?

Elf deutsche Raumfahrer waren bereits im Weltall. Den Anfang machte Raumfahrtpionier Sigmund Jähn. Der DDR-Kosmonaut flog 1978 mit dem Raumschiff "Sojus 31" zur sowjetischen Orbitalstation "Saljut 6". Zuletzt startete Alexander Gerst 2018 zur ISS und war dort auch erster deutscher Kommandant.

Was geschieht auf der Mission?

Während der Mission "Cosmic Kiss" werden Maurer und die Crew mehr als 100 Experimente durchführen, davon 36 mit deutscher Beteiligung. Eins davon ist der Test eines Fitnessanzugs mit eingebauten Elektroden, der mit leichten elektrischen Impulsen den Muskelaufbau unterstützen soll. Der Tagesablauf gleicht einem Stundenplan, die ISS-Besatzung hat eine 5,5-Tage-Woche. Samstagmittags wird die Station gereinigt. Sonntags ist Freizeit: "Die verbringen wir mit Fotografieren, Videoaufnahmen und mit Telefonaten mit Freunden und der Familie am Boden", sagt Maurer.
"Ich werde im Weltall circa 35 europäische und 100 bis 150 internationale Experimente durchführen", so Matthias Maurer, ESA-Astronaut zu seiner ISS-Mission.

Wer ist Matthias Maurer?

Matthias Maurer ist 51 Jahre alt und stammt aus Oberthal im Saarland. Er studierte Materialwissenschaft und Werkstofftechnik, absolvierte Studien- und Forschungsaufenthalte unter anderem in Nancy, Barcelona, Argentinien und Südkorea. 2004 promovierte er in Aachen, danach ging er auf Weltreise. Seine Hobbys sind nach eigener Aussage: "Reisen, fremde Kulturen, Fotografieren, Wandern, Sport und Sprachen."
Matthias Maurers Heimatort Oberthal ist begeistert von seinem Astronauten.
Maurer spricht Englisch, Französisch und Spanisch und "ein bisschen Italienisch". Für den Job als Astronaut hat er noch Russisch und Chinesisch gelernt. Maurer hatte sich 2008 mit mehr als 8.000 anderen Kandidaten beim Esa-Astronautenprogramm beworben - zunächst wurde er "Astronauten-Support-Ingenieur", seit 2018 ist er offiziell Esa-Astronaut.

Wie hat sich Maurer auf den Weltraum vorbereitet?

Für die ISS-Expedition absolvierte Maurer ein kräftezehrendes Programm, darunter Überlebenstrainings in der Kälte und auf dem Wasser. Um Außenbordeinsätze zu simulieren, trainierte er mit einem 200 Kilogramm schweren Raumanzug unter Wasser - mit Halteseilen gesichert. "Wenn man den Kontakt zur Station verliert, dann ist man Weltraumschrott", sagte er im ZDF. Außerdem lernte der 51-Jährige medizinische Versorgung für den Notfall: Wunden nähen, Katheter legen, Zähne ziehen.
Wie sich der Astronaut vorbereitet hat, sehen Sie hier:
Der Astronaut Matthias Maurer startet Ende Oktober zur Internationalen Raumstation. Im Training hat er sogar gelernt, Zähne zu ziehen. Ein halbes Jahr wird er im Weltraum bleiben.

Was gibt's im All zu essen?

Maurer und seine Crew-Mitglieder durften sich ihr Essen zusammenstellen. Was an Weihnachten und bei Maurers 52. Geburtstag am 18. März auf dem Tisch kommt, steht bereits fest. Den Astronauten erwartet ein Stück saarländischer Traditionsküche: ein Rehragout an Speckrahmwirsing und "Hoorische", längliche Klöße - alles schon in Dosen verpackt. Und zum Nachtisch könnte es Joghurt geben - den will Maurer nämlich gerne selbst im Weltraum herstellen.
Quelle: dpa, AFP, ZDF