: Beschwerden über Werbeanrufe auf Höchststand

14.01.2022 | 13:59 Uhr
Interesse an einem Zeitschriftenabo? Suchen Sie einen billigeren Stromvertrag? Werbeanrufe nerven - 2021 gab es so viele Beschwerden über Telefonwerbung wie nie zuvor.
Bei Werbeanrufen muss die Telefonnummer übermittelt werden.Quelle: reuters
Wegen unerlaubter Telefonwerbung sind im vergangenen Jahr 79.702 Beschwerden bei der Bundesnetzagentur eingegangen. Das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr, teilte die Bonner Behörde mit.
Der bisherige Höchstwert von 63.273 Beschwerden war im Jahr 2020 verzeichnet worden. Bei den unerwünschten Anrufen ging es um Versicherungen, Finanzprodukte und Energieverträge. Auch Werbung für Gewinnspiele und Zeitschriftenabos nervten die Verbraucher.
Telefonwerbung ist nur erlaubt, wenn die Verbraucher vorher eingewilligt haben. Die Nummer muss dabei übermittelt werden. Die Bundesnetzagentur geht den Beschwerden nach und verhängt gegebenenfalls Bußgelder. Im vergangenen Jahr wurden Firmen zu insgesamt 1,435 Millionen Euro verdonnert. Das waren 84.000 Euro mehr als 2020.

Höhere Bußgelder gegen Werbefirmen möglich

Künftig können Werbefirmen noch stärker als bisher zur Kasse gebeten werden, da sich der Bußgeldrahmen im Dezember 2021 im Falle unterdrückter Rufnummern von zuvor maximal 10.000 Euro auf 300.000 Euro erhöht hat.
Anrufe ohne Nummer im Display kamen im vergangenen Jahr besonders häufig vor. Hierbei wird nun mit den drohenden Geldbußen stärker gegengesteuert. Auffällig war zudem, dass manche Werbetreibenden wechselnde Rufnummern verwendet haben.
Trickdiebe am Telefon und an der Haustür. Sie nutzen die Corona-Pandemie für ihre Zwecke aus.

Bundesnetzagentur: Täter mit allen Mitteln verfolgen

Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, betonte, dass die Täter auch dieses Jahr mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgt würden. Werbeanrufe mit unterdrückter Rufnummer seien "inakzeptabel".
Schon im vergangenen Jahr hatte die Behörde deutlich mehr Beschwerden registriert. Davor allerdings hatte es einen Rückgang der kritischen Wortmeldungen gegeben - ganz eindeutig ist der Trend also nicht.
Ohnehin sind die Beschwerdezahlen nur ein Hinweis auf Probleme. Denn möglicherweise liegt der Anstieg zumindest teilweise auch daran, dass die Möglichkeit zur Beschwerde bei der Bundesnetzagentur bekannter geworden ist. Viele Verbraucher wurden vermutlich schon früher genervt und melden sich erst jetzt.

Betroffene oft älter und im Telefonbuch

In der Politik wurden die Beschwerdezahlen mit Sorge zur Kenntnis genommen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben wies darauf hin, dass die unrechtmäßigen Werbeanrufe häufig auf Festnetznummern erfolgten, die im Telefonbuch stehen. "Das ist ein großes Problem für ältere Menschen, die ihr Festnetztelefon noch viel nutzen."
Houben appellierte an die Netzagentur, mit aller Härte gegen die Firmen vorzugehen und die Möglichkeiten, die das verschärfte Gesetz bietet, zu nutzen.
Quelle: von Wolf von Dewitz und Luise Evers, dpa

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