: Wegen Corona: Stille Nacht in Bethlehem

von Michael Bewerunge
24.12.2020 | 20:46 Uhr
Eine leere Geburtskirche in Bethlehem. Pilger und Einheimische würden hier normalerweise zusammen den Heiligen Abend begehen. Aber Corona verändert Weihnachten auch an diesem Ort.
Geben wir es ruhig zu: Unsere Vorstellung vom Heiligen Abend ist durch und durch kitschig. Das pausbäckige Jesuskind in strahlend weißen Windeln, in der üppig mit Stroh gefüllten Krippe, daneben die stolzen Eltern Maria und Josef - nicht den Hauch genervt von der langen Suche nach einer Herberge oder gar einer anstrengenden Geburt. Der Engel, die Hirten, die Schafe…

Bethlehem nährt die Vorstellungen vom Heiligen Abend

Die meisten Besucher und Pilger werden diese Vorstellung wohl mitgenommen haben, wenn sie den kleinen Ort Bethlehem bei Jerusalem in den letzten Jahren besucht haben. Und sie werden ein für palästinensische Verhältnisse properes Städtchen vorgefunden haben. Auch wenn sie die Anzeichen der israelischen Besetzung irritiert haben werden - die Checkpoints und die Mauer, die Bethlehem teilweise umschließt.
Doch in der Geburtskirche mit der berühmten Geburtsgrotte, auf dem Krippen-Platz davor und in den Gassen der Altstadt, wird ihnen das Herz aufgegangen sein. Und ihre wohlig kitschige Vorstellung von der heilen Nacht wird um viele Details reicher sein.

Weihnachten im engsten Kreis: Ein hoher Preis für den Pilgerort Bethlehem

Doch an diesem Corona-Weihnachten ist alles anders. Nicht nur für die Deutschen, die sozusagen wie die heilige Familie auf den engsten Familienkreis zurückgeworfen sein werden. Und von denen viele meinen, die bestehenden Einschränkungen würden ihnen einen hohen Preis abverlangen. Von denen viele planten, einmal den Heiligabend im Heiligen Land zu erleben - in Bethlehem eben.
Für die Palästinenser in Bethlehem ist dieser Preis ungleich höher. Bethlehem lebt zu 70 Prozent vom Tourismus. Wovon also in den letzten neun Monaten, in denen Israel und die Palästinensergebiete vom Ausland - und damit den Touristen - fast komplett abgeschottet sind?

Mit Mut und Zuversicht ins neue Jahr

Und auch in Bethlehem sind die Infektionsraten extrem hoch, über tausend Palästinenser sind insgesamt an oder mit dem Virus gestorben. Viele sind von der Angst sich anzustecken wie paralysiert. Und doch werden die Einheimischen auch dieses Jahr Weihnachten feiern. Und sie blicken mit Mut und Zuversicht auf das neue Jahr - in einer Stadt, die sie selbst nicht wiedererkennen.
Bethlehem ist nicht nur für Millionen Christen an Weihnachten ein Sehnsuchtsort. ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge zeigt Ihnen eine fast leere Geburtskirche. Das hat es so auch schon lange nicht mehr gegeben.

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