: "Kinder bekommen im Herbst richtig Probleme"

von Julia Klaus
24.06.2021 | 16:28 Uhr
Der Anteil der Delta-Variante wächst und könnte bald dominieren - wie bereits in Großbritannien. SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach bringt daher wieder Kinder-Impfungen ins Spiel.
Bisher gibt es erst für Kinder ab zwölf einen Corona-Impfstoff.Quelle: picture alliance / SvenSimon
Die Delta-Variante breitet sich auch in Deutschland weiter aus. Innerhalb von nur einer Woche hat sich ihr Anteil verdoppelt - von knapp acht auf jetzt mehr als 15 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf die Woche vom 7. bis 13. Juni und stammen vom Robert-Koch-Institut (RKI). Gleichzeitig sinken die Infektionszahlen, die Inzidenz geht zurück.
Ganz anders sieht es in Großbritannien aus. Obwohl die Impfquote auf der Insel viel höher als in Deutschland ist, gehen die Infektionszahlen nach oben. Die Inzidenz in Großbritannien liegt bei 97,5 - in Deutschland bei 6,6.
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Delta könnte auch in Deutschland Dominanz-Variante werden

Ein Grund für die steigenden Infektionszahlen dürfte die Delta-Variante sein, die ansteckender als etwa die in Deutschland vorherrschende Alpha-Virusvariante ist. Delta hat sich in Großbritannien durchgesetzt. Blüht uns das auch in Deutschland?
Ja - davon geht das RKI aus. Die Forschenden prognostizieren, dass sich Delta "gegenüber den anderen Varianten" durchsetzen werde. Der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin glaubt zumindest, dass in Deutschland die Delta-Quote steigen wird:
Christian Drosten auf Twitter
Aber wäre das so schlimm, wenn Delta auch bei uns zur Dominanz-Variante wird? Schließlich dürften bis dahin die meisten Risikogruppen geimpft und damit geschützt sein - denn die Vakzine bringen auch bei Delta-Infektionen einen hohen Schutz gegen schwere Verläufe, so das RKI.

Lauterbach: Kinder und Ungeimpfte bekommen im Herbst Probleme

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagt zu ZDFheute: "In vier bis sechs Wochen könnten die Infektionszahlen wahrscheinlich wieder minimal steigen - verbunden mit einem wachsenden Delta-Anteil. Es kommt auf das Verhalten der Bürger an."
Richtig Probleme bekommen Ungeimpfte und Kinder im Herbst - denn die Gruppen sind dann ungeschützt.
Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitspolitiker
Zwar können sich Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren mit Biontech/Pfizer impfen lassen, die Stiko spricht aber keine generelle Empfehlung aus. Ein Grund: Der Verlauf ist in dieser Altersgruppe meist milder. Man wolle Ergebnisse abwarten - die Datenlage sei derzeit zu dünn. Auch der Virologe Christian Drosten sagte im Podcast "Coronavirus Update", es habe den Anschein, dass Langzeitfolgen (Long Covid) bei Kindern eher aufträten als die akute Erkrankung.
Lauterbach dagegen hält die Stiko-Entscheidung für einen Fehler. "Ohne Empfehlung impfen die meisten Ärzte Kinder nicht. Die Stiko sollte ihre Entscheidung überdenken", so Lauterbach.
Auch für Kinder ist eine Corona-Erkrankung keine Kleinigkeit. Zum einen bekommen auch Kinder Long Covid. Zum anderen fällt für sie dann die Schule aus, und auch Klassen müssen wieder in Quarantäne.
Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitspolitiker
Lauterbach verweist auf eine aktuelle Untersuchung der US-Gesundheitsbehörde CDC mit mRNA-Impfstoffen bei Kindern. Demnach sind Myocarditis oder Pericarditis - zwei der gefürchteten Komplikationen - bei 12- bis 17-Jährigen selten. Bei jeweils über zwei Millionen verimpften Dosen traten nach der Zweitimpfung bei 128 Jungen und bei 19 Mädchen die Komplikationen auf.

Impfstoff für kleinere Kinder in Arbeit

Auch an Vakzinen für Kinder, die jünger als zwölf Jahre sind, arbeiten die Pharmaunternehmen.

Das US-Unternehmen Pfizer hat bereits eine kleinere Studie mit Minderjährigen durchgeführt. Dessen Partner Biontech teilte ZDFheute auf Anfrage mit, dass eine pädiatrische Studie zur Bewertung der Sicherheit und Wirksamkeit des Covid-19-Impfstoffs bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis elf Jahren gerade läuft. Pfizer und Biontech erwarten, dass die endgültigen Ergebnisse bis September vorliegen werden und abhängig von den erhobenen Daten noch im September eine Notfallzulassung in den USA bzw. eine Änderung der bedingten Marktzulassung in der EU für jüngere Altersgruppen beantragt werden kann.

Der Antrag soll für Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren sowie Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren eingereicht werden. Die Datenauswertung und die Einreichung für die Altersgruppe der Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren werde im vierten Quartal des Jahres erwartet.

Auch Moderna hat eine Studie mit Kindern im Alter von sechs Monaten gestartet.

Derzeit scheint das Thema Kinder-Impfungen erst einmal vom Tisch. Die Stiko bleibt bislang bei ihrer Entscheidung, keine generelle Empfehlung auszusprechen, sondern nur für Kinder mit Vorerkrankungen wie etwa Asthma. Lauterbach dazu: "Die Folgen der Erkrankung, die nach Covid entstehen können, überwiegen die Risiken der Impfungen bei Weitem."

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