: Führt die Delta-Variante zur vierten Welle?

20.06.2021 | 22:26 Uhr
Die Corona-Lage in Deutschland entspannt sich - dennoch warnen Virologen: Denn auch hier breitet sich die hochansteckende Delta-Variante aus.
Im Labor werden positive Proben auf die Virus-Varianten untersucht. Schon im Juli könnte die Delta-Variante in Deutschland dominieren.Quelle: dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sinken weiterhin.
  • Am Sonntag meldete das RKI eine 7-Tage-Inzidenz von 8,8.
  • Dennoch warnen Virologen vor einer vierten Welle.
  • Schon im Juli könnte die hochansteckende Delta-Variante in Deutschland dominieren.
Gerade fühlt sich das Leben in Deutschland schon fast wieder normal an, doch die Delta-Variante stört die sommerliche Euphorie. Die ansteckendere Variante gewinnt auch hierzulande an Bedeutung, eine mögliche vierte Welle wird dadurch wahrscheinlicher.
Ob sie tatsächlich kommt und wie schlimm sie wird, ist allerdings kaum vorherzusagen. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich sage, wir sind hier jetzt im Rennen in Deutschland mit der Delta-Variante. (...) Das müssen wir jetzt ernst nehmen.
Virologe Christian Drosten
Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) für die erste Juniwoche hat sich der Anteil der Delta-Variante (B.1.617.2) in Deutschland innerhalb von nur einer Woche auf sechs Prozent fast verdoppelt. Das RKI geht davon aus, dass Infektionen mit der Delta-Variante zu schwereren Krankheitsverläufen führen könnten.
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Gleichzeitig entspannt sich die Corona-Lage weiter. Die Zahl der Coronapatienten auf Intensivstation fiel am Wochenende erstmals seit Oktober unter 1.000, das RKI gab die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag mit 8,8 an (Vortag: 9,3; Vorwoche: 17,3; Vormonat: 68,0).
Mittlerweile reißt keine Stadt und kein Landkreis mehr die Inzidenzmarke von 50. Die Sorge ist, dass die Zahlen wieder steigen könnten, wenn die ansteckendere Delta-Variante dominierend wird.
In England greift aktuell die besonders ansteckende Delta-Variante des Coronavirus um sich, die Fallzahlen steigen rasant. Bundeskanzlerin Merkel sieht die hohen Zuschauerzahlen bei der EM deshalb kritisch.

Delta-Variante dominiert in mehreren Ländern

In Großbritannien und anderen Ländern grassiert Delta bereits heftiger. Die portugiesische Hauptstadt Lissabon wurde wegen der Mutante am Wochenende abgeriegelt. In Russlands Hauptstadt Moskau wurde ein Rekordwert bei den Neuinfektionen verzeichnet. Bürgermeister Sergej Sobjanin zufolge sind fast 90 Prozent der Covid-Erkrankungen auf Delta zurückzuführen.
Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich weltweit aus. In Moskau wurden deshalb neue Einschränkungen verhängt. Nur wenige Menschen lassen sich dort bisher impfen.
Moskau kämpft - wie ganz Russland - weiter mit einer großen Impfskepsis in der Bevölkerung. Die Situation jetzt in Deutschland sei mit der in England im Mai durchaus ein wenig vergleichbar, sagte Drosten.
In Großbritannien hatte die Delta-Variante innerhalb weniger Wochen trotz fortgeschrittener Impfquoten deutlich die Vorherrschaft im Infektionsgeschehen übernommen. Die Sieben-Tage-Inzidenzen stiegen wieder - von 20 auf zuletzt rund 80. Lockerungen wurden deshalb gestoppt.

Delta-Variante in Deutschland ab Juli dominant?

Angesteckt hätten sich dabei vor allem junge Erwachsene, sagte Drosten. Die Infektionen hätten sich in England vorwiegend in den Impflücken abgespielt.
"Wenn wir jetzt so rechnen würden, wie sich das in England entwickelt hat, also mit einer ungefähren Verdoppelung pro Woche, dann hätten wir dieses spekulative Szenario: Dann lägen wir in dieser Woche schon bei 20 Prozent", sagte Drosten. Anfang Juli würde die Delta-Variante dann auch in Deutschland dominieren.
Vereinzelt ist die Delta-Mutation schon in Deutschland aufgetaucht und das RKI rechnet damit, dass sie irgendwann auch bei uns die führende Infektionsvariante sein wird. Vollständige Impfungen und Masken sollen der Ausdehnung von Delta entgegenwirken.
"Und wir müssten damit rechnen, dass Anfang Juli in Deutschland auch die Meldezahlen wieder hochgehen", folgerte der Wissenschaftler. Das sei aber noch reine Spekulation und eine Hypothese. Deutschland habe noch Chancen, wenn es die Inzidenz in den nächsten Wochen weiter senken könne. "Was auch helfen könnte, sind die Schulferien. In England ging es in den Schulen los. Das ist ein deutlicher Unterschied."
Quelle: dpa

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