: FFP2-Masken: Warum der Vollbart ab muss

14.01.2021 | 15:12 Uhr
Bayern macht FFP2-Masken zur Pflicht. Experten begrüßen das - vorausgesetzt, sie werden auch richtig getragen. Aerosol-Experte Asbach warnt zudem vor trügerischer Sicherheit.
Hier pfeift ungefiltert Luft durch: Maske und BartQuelle: Imago
ZDF: Herr Asbach, was kann die FFP2-Maske, was die Alltagsmaske nicht kann?
Christof Asbach: Eine richtig angelegte FFP2-Maske schließt dicht am Gesicht ab, so dass sie beim Einatmen wie auch beim Ausatmen effektiv die Luft filtert. Ganz im Gegensatz zu den Alltagsmasken, die an der Seite offen sind: Die halten die Partikel zwar beim Ausatmen zurück. Aber beim Einatmen sind sie deutlich weniger effektiv.
ZDF: Ich schütze also nicht nur andere, sondern auch mich?
Asbach: Das stimmt - immer unter der Voraussetzung, dass die Maske auch wirklich dicht sitzt. Das hat damit zu tun, dass beim Ausatmen die flüssigen Partikel deutlich größer sind, dann aber in der Luft schrumpfen und entsprechend kleiner werden. Aber auch diese werden beim Einatmen durch die FFP2-Maske besser wieder herausgefiltert. Entsprechend ist eine FFP2-Maske auch zum eigenen Schutz effektiver.

ZDF: Was ist denn beim Tragen zu beachten?
Asbach: Besonders wichtig ist, dass eine Maske nur dann ihre volle Effektivität erreicht, wenn sie auch dicht am Gesicht abschließt. Ansonsten entstehen Leckagen, durch die die Luft ungefiltert an der Maske vorbeiströmen kann. Und das gilt eben auch für FFP2-Masken.
Christof Asbach ist Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung.Quelle: dpa
ZDF: Sie sagen, die Maske muss dicht anliegen - aber nicht jeder Kopf ist gleich ...
Asbach: FFP2-Masken gibt es in unterschiedlichen Formen - was damit zusammenhängt, dass es sehr unterschiedliche Gesichtsformen gibt. Der entscheidende Punkt ist, dass die Maske dicht am Gesicht abschließt. Dementsprechend ist auch nicht jede FFP2-Maske für jeden Gesichtstyp geeignet. Da kann man nur empfehlen, unterschiedliche Masken anzuprobieren.
Eine klare Einschränkung muss man aber machen - und zwar bei Bartträgern: Wer einen Vollbart hat, bei dem kann die Maske nicht mehr dicht am Gesicht abschließen. Es entstehen Leckagen, bei denen die Luft mehr oder weniger ungefiltert entweichen kann.
Um eine FFP2-Maske sicher tragen zu können, kann man Bartträgern entsprechend nur raten, den Bart abzurasieren.
ZDF: Wie lange und häufig kann eine FFP2-Maske verwendet werden?
Asbach: Auch hier gibt es leider keine pauschale Antwort darauf, wie häufig und lange eine Maske verwendet werden kann. Das Problem ist, dass die Effizienz dieser Maske durch die Luftfeuchtigkeit, die wir ausatmen, mit der Zeit abnimmt. Und das ist von Maske zu Maske und vom Material zum Material unterschiedlich.
Das bedeutet, dass man auch nicht pauschal sagen kann, wie häufig man eine solche Maske verwenden kann. Wenn man sich am Ende anschaut, wo diese Masken herkommen, dann ist es der Arbeitsschutz. FFP2-Masken sind eigentlich für den Schutz vor großen Staubmengen und Staubkonzentrationen gedacht.
An solchen Arbeitsplätzen werden sie über mindestens acht Stunden getragen. Über diese Zeit sollte eine solche Maske auch mindestens halten. Viele werden vermutlich länger halten als acht Stunden im Betrieb. Aber mit acht Stunden ist man definitiv auf der sicheren Seite.
Wie funktionieren diese sogenannten FFP-2-Masken, woran erkennt man sie und wie sollte man sie tragen? Und was bringen die anderen Masken, die im Umlauf sind?
ZDF: Und wenn ich sie immer nur ganz kurz trage?
Asbach: Generell ist es so, dass sich eine Maske nicht von selber regeneriert. Dementsprechend sollte man in der Summe eine solche Maske nicht allzu lange tragen. Wobei die Anzahl der Momente, bei denen man sie trägt, nicht so entscheidend ist, wie die gesamte Dauer.
Ist die Effizienz der Maske verloren, dann ist sie das definitiv und kommt nicht wieder zurück.
ZDF: Kann eine solche Maske nicht auch in trügerischer Sicherheit wiegen?
Asbach: Die Gefahren liegen sicherlich darin, dass darüber aufgeklärt werden muss, wie diese Masken richtig getragen werden - sprich: dass sie dicht anschließen am Gesicht. Und wenn das eben nicht der Fall ist, kann eine trügerische Sicherheit entstehen - wenn man also glaubt, eine FFP2-Maske würde einen sicher schützen vor dem Virus. Und das ist definitiv nicht der Fall. Sondern man muss zum Schutz vor einer Infektion möglichst alle Maßnahmen berücksichtigen. Und eine FFP2-Maske kann nur ein eine Komponente dieser Maßnahmen sein.
ZDF: Wie steht es mit Fälschungen?
Asbach: Es gibt bis heute leider immer wieder gefälschte Masken, die zwar einen Aufdruck haben, der suggeriert, dass diese Masken dem FFP2- oder KN95 Standard entsprechen, was aber tatsächlich in der Realität nicht der Fall ist. Das Problem ist, dass diese Fälschungen für den Verbraucher häufig nicht wirklich erkennbar sind.
Deswegen sollte man nach Möglichkeit darauf achten, sich solche Masken nur von zuverlässigen Quellen zu beschaffen.
ZDF: Sind denn genug FFP2-Masken auf dem Markt, sollte die Tragepflicht ausgeweitet werden?
Asbach: Es sieht derzeit so aus, als ob Masken in großen Mengen verfügbar sind. Inwieweit das noch der Fall sein wird, wenn tatsächlich eine FFP2-Maskenpflicht aufkommt, das wird sicherlich abzuwarten sein. Aber für den aktuellen Bedarf scheint es tatsächlich eher ein Überangebot zu geben.
Das Interview führte Christoph Destairel
Quelle: ZDF

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