FFP2-Masken: Was sie kosten, was sie bringen

von Jan Schneider
12.01.2021 | 16:35 Uhr
In Bayern muss im Nahverkehr und beim Einkaufen künftig eine FFP2-Maske getragen werden. Das soll helfen, die Infektionszahlen zu senken. Was können diese Masken? Ein Überblick.
Quelle: dpaIn Bayern ab Montag Pflicht: FFP2-Maske in Bus und Bahn
Bayern macht mal wieder den Vorreiter: Im Freistaat gilt vom kommenden Montag an eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel. Das hat das Kabinett am Dienstag in München beschlossen.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, die "normalen Community-Masken" seien in der Corona-Pandemie zum Schutz der anderen. FFP2-Masken schützen auch den Träger selbst. Ziel sei, die Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr und im Handel zu verbessern.
Die Verfügbarkeit im Handel ist ausreichend gewährleistet, also - es gibt keine Mangelware FFP2.
Markus Söder

Wie stehen andere Bundesländer zur FFP2-Pflicht?

Mehrere Bundesländer lehnten den bayerischen Vorstoß ab oder sehen ihn skeptisch. "Ich gehe davon aus, dass Niedersachsen eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske nur dann erwägen würde, wenn auch wirklich sichergestellt ist, dass alle Menschen in Niedersachsen kostenlosen Zugang zu einer solchen Maske hätten", sagte etwa die niedersächsische Regierungssprecherin in Hannover.
Auch eine Sprecherin der Staatskanzlei in Mainz sagte, in Rheinland-Pfalz sei ein solcher Schritt aktuell nicht vorgesehen. Der Berliner Senat und das Kabinett in Brandenburg hätten in ihren Sitzungen am Dienstag nicht über das Thema gesprochen, hieß es aus beiden Ländern. "Eine derartige Maskenpflicht ist derzeit auch nicht vorgesehen", sagte Brandenburgs Regierungssprecher. Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) erklärte, dass die Regierung des Freistaats über eine ähnliche FFP2-Maskenpflicht wie jene in Bayern nachdenken werde.

Wer bezahlt die teureren Pflichtmasken?

Bereits Mitte November hatte die Bundesregierung angefangen, besonders gefährdete Gruppen mit diesen Masken auszustatten. Nach dem damaligen Beschluss von Bund und Ländern sollten diese Menschen insgesamt 15 vergünstigte FFP2-Masken pro Person bekommen. Rechnerisch also eine Maske pro Winterwoche. Seit 1. Januar können Menschen über 60 und chronisch Erkrankte in Apotheken zweimal je sechs Masken mit einem Eigenanteil von jeweils 2 Euro bekommen. Diese sollen über Gutscheine der Krankenkassen verteilt werden.
Alle anderen müssen sich dem Anschein nach erstmal selbst mit Masken versorgen: Die SPD in Bayern fordert zwar, der Staat solle FFP2-Masken "allen Menschen möglichst zur Verfügung stellen", vom Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) heißt es aber mit Blick auf die Anschaffungskosten, jeder werde "auch selber einen Beitrag leisten können in diesem Bereich".
FFP2-Masken kosten im Handel zwischen einem und zwei Euro, je nach Anzahl der gekauften Masken, und können auch online gekauft werden. In der Apotheke können sie allerdings auch drei bis fünf Euro kosten.

Welchen Schutz bieten FFP2-Masken?

Anders als einfache Mund-Nasen-Bedeckungen bieten FFP-Masken einen besseren Schutz vor Infektionen. Obwohl sie primär nur für den Eigenschutz ausgelegt sind, sollen sie gleichzeitig auch das Umfeld schützen. Die Leistung der partikelfiltrierenden Halbmasken muss mindestens bei 94 Prozent liegen, also mindestens 94 Prozent der Aerosole aus der Luft abfangen. Bei FFP3-Masken müssen es sogar mindestens 99 Prozent sein.
Aufpassen müssen Nutzer bei Masken mit Atemventil. Diese filtern nur die eingeatmete Luft und bieten daher nur einen begrenzten Schutz für das Umfeld.

Welche Masken sind sicher?

Leider gibt es auch bei den FFP2-Masken Qualitätsunterschiede und nicht jede Maske bietet denselben Schutz. Gerade Masken aus China stellen sich häufig als minderwertig heraus. Ihr Innenfutter hat mitunter Löcher, durch die Viren einfach hindurchschlüpfen können.
Bei der Prüfstelle Dekra geht man davon aus, dass etwa acht Milliarden Masken aus dem Ausland nach Deutschland geliefert wurden.
Davon glauben wir, dass vier Milliarden getestet worden sind, und vier Milliarden eben nicht.
Jörg-Timm Kilisch, DEKRA-Geschäftsführer
Das ZDF-Verbrauchermagazin "WISO" hat FFP-Masken getestet und dabei auch Masken aus der Apotheke entdeckt, die ein gefälschtes Prüfsiegel hatten und im Test zu wenige Aerosole aus der Luft gefiltert haben. Seit dem 1. Oktober dürfen zwar nur noch geprüfte Masken in den Verkauf gegeben, Altbestände aber noch abverkauft werden.
Um sicherzugehen, müssen Verbraucher auf das Zeichen der Prüfstelle achten. Dieses besteht immer aus "CE" und einer vierstelligen Zahlenfolge, die den Prüfstandort bestimmt. Masken, auf denen nur das CE-Zeichen ohne Zahlencode zu finden ist, wurden mit einiger Sicherheit nicht geprüft.
Welche Masken bieten wirklich den versprochenen Schutz?

Kann man FFP2-Masken mehrfach tragen?

An sich sind FFP-Masken Einwegprodukte und sollten besser nicht wiederverwendet werden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) empfiehlt, die Maske nach spätestens acht Stunden oder bei starker Durchfeuchtung zu wechseln. Als Tragedauer am Stück werden maximal 75 Minuten empfohlen, danach solle man eine 30-minütige Pause einlegen. Bei Gesundheitspersonal, das diese Pausen oft nicht einhalten kann, gibt es Berichte über Atembeschwerden oder Hautentzündungen im Gesicht infolge der dicht ansitzenden Maske.
Einige Experten sehen kein Problem darin, die Masken im privaten Gebrauch länger zu nutzen. Es besteht allerdings das Risiko, dass sich in ihnen Bakterien ansiedeln.
Das Robert-Koch-Institut hatte in der ersten Welle der Pandemie mögliche Maßnahmen zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken erarbeitet. Darin wird beschrieben, dass Masken unter Umständen mehrfach benutzt werden können, jedoch nur, wenn besondere Verhaltensregeln beachtet werden. Diese Maßnahmen sollten nur gelten, wenn ein Mangel an Masken besteht. Dies ist aktuell nicht der Fall und das Dokument des RKI ist mit dem Hinweis "Aktuell nicht gültig" gekennzeichnet.

Kann ich meine FFP2-Masken reinigen?

Die FH Münster hat verschiedene Verfahren zur Reinigung von FFP2-Masken getestet: Die Untersuchungen haben gezeigt, dass SARS-CoV-2 erst bei Temperaturen von 80°C und einer Einwirkzeit von einer Stunde sicher auf und im Maskenmaterial inaktiviert werden können. Erreger der Nasen-, Rachen- und Hautflora können aber noch auf der Maske vorhanden sein. Daher darf eine bereits verwendete und erhitzte Maske auch nur von der selben Person getragen werden, die sie auch vorher an hatte. Die Temperatur von 80 °C trockener Hitze soll jedoch nicht weit überschritten werden, da sich manche Masken sonst verformen können.
Eine weitere Möglichkeit ist, FFP2-Masken Sieben Tage zu Trocknen: Damit könne das Infektionsrisiko durch anhaftende SARS-CoV-2-Erreger um mehr als 95 Prozent gesenkt werden. Auch hierbei muss beachtet werden, dass Masken nicht von verschiedenen Personen getragen werden und die Sieben Tage definitiv eingehalten werden.
Vorsicht ist auch bei einer Reinigung in der Mikrowelle geboten: Viele FFP-Masken enthalten Drahtbügel. Damit besteht eine hohe Brandgefahr.
Fazit: Geprüfte FFP2-Masken bieten einen besseren Schutz als herkömmliche Mund-Nasen-Bedeckungen. Gerade für Risikopatienten und ältere Menschen ist das lebenswichtig. Ob der Umstieg von herkömmlichen Masken im Einzelhandel und im Personennahverkehr einen großen Effekt auf die Infektionszahlen haben wird. Für Berufspendler geht die neue Regel vor allem ins Geld: Die Maske kann meist nur für eine Fahrt benutzt werden.
Quelle: Mit Material von dpa

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