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: EU-Behörde zweifelt am Nutzen von FFP2-Masken

von Jan Schneider
04.02.2021 | 16:02 Uhr
FFP2-Masken wurden zum Goldstandard der Pandemiebekämpfung erklärt. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC sieht jedoch keinen Mehrwert in der universellen Verwendung im Alltag.
Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Viel wurde schon über den Nutzen von Masken in der Corona-Krise geschrieben und diskutiert. Am Anfang waren selbstgenähte Mund-Nasen-Bedeckungen der Renner, im zweiten Shutdown kamen medizinische Masken in Mode und mittlerweile ist die FFP2-Maske zum Goldstandard der Pandemiebekämpfung geworden.
Die besonders dichten, aber teureren Masken sollen vor Schadstoffpartikeln wie Staub oder auch Aerosolen schützen. Sie werden inzwischen vielerorts anstelle normaler Alltagsmasken verlangt. Mitte Januar hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten vereinbart, in Öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften FFP2-Masken, OP-Masken oder Mund-Nase-Bedeckungen der Standards KN95/N95 zu fordern.

EU-Gesundheitsbehörde hat Zweifel am Nutzen der Masken

Doch es gibt auch Zweifel am Nutzen der FFP2-Masken: Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC steht dem zusätzlichen Nutzen von FFP2-Masken im Alltag skeptisch gegenüber. So teilte die in Stockholm ansässige Behörde auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit:
Der erwartete Mehrwert der universellen Verwendung von FFP2-Atemschutzmasken in der Gemeinschaft ist sehr gering.
Darüber hinaus rechtfertigten die möglichen Kosten und Schäden keine Empfehlung dafür, FFP2-Masken anstelle von anderen Masken in der Öffentlichkeit zu tragen. Welche potentiellen Schäden dabei genau gemeint waren, beantwortete die Behörde bisher nicht. Nach eigenen Angaben werde ein Dokument mit Einschätzungen zum Maskengebrauch im sozialen Umfeld zur Verringerung der Coronavirus-Übertragung gerade aktualisiert.
EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides bestätigte in Brüssel die Einschätzung der EU-Behörde:
Die ECDC sagt, die Beweislage sei im Moment nicht stark genug für eine Notwendigkeit, dies im Alltag zu empfehlen.
Stella Kyriakides

Welche Schutzwirkung haben FFP2-Masken?

Wie auch Medizinische Gesichtsmasken müssen FFP-Masken klare Anforderungen von Gesetzen und technischen Normen einhalten. Dabei wird insbesondere die Filterleistung des Maskenmaterials mit Aerosolen getestet. FFP2-Masken müssen mindestens 94 Prozent der Aerosole filtern.
Diese 94 Prozent sind jedoch nur ein theoretischer Wert aus dem Labor. Das gelingt aber nur, wenn die Maske an den Seiten dicht anliegt. Ist zum Beispiel ein Bart im Weg, ist die Filterwirkung eingeschränkt.

Und wie wirken die FFP2-Masken im Alltag?

Die tatsächliche Schutzwirkung der FFP2-Masken im Alltag ist schwer nachzuvollziehen. Um sie zu überprüfen, hätte man eine Studie durchführen müssen, bei der ein Teil der Bevölkerung FFP2-Masken trägt und der andere Teil einen herkömmlichen Mund-Nasen-Schutz, meint Prof. Dr. Andreas Podbielski vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie & Hygiene in Rostock. Eine solche Studie sei ihm jedoch nicht bekannt.
Die politische Entscheidung, diese Masken zu nutzen, basiert allein auf technischen Messwerten. Und diese Messwerte korrelieren im Bereich der Hygiene häufig nicht mit dem, was im Alltag passiert.
Andreas Podbielski

Welche Kritikpunkte gibt es an den FFP2-Masken?

Da das Gewebe der FFP2-Masken enger ist, haben Sie einen höheren Atemwegswiderstand. Das Atmen fällt dem Träger also schwerer. Außerdem müssen Sie sehr eng am Gesicht anliegen, sind also auch unangenehmer zu tragen. Darunter kann die "Tragedisziplin" leiden. So berichtet die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) das aus Stoff gefertigte Mund-Nasen-Bedeckungen überwiegend sehr korrekt getragen werden, beim Tragen von medizinischen Masken - chirurgischem Mund-Nasenschutz und FFP-Atemschutzmasken mit und ohne Ventil - gebe es aber häufig Defizite.
Die medizinischen Masken würden häufig nicht korrekt an die Gesichtskonturen und die Nase anmodelliert, so dass sowohl der mögliche Schutz des Maskenträgers, als auch der Schutz von Kontaktpersonen reduziert oder auch aufgehoben werden kann.

Anwendungsfehler verringern die Schutzwirkung

Auch andere Anwendungsfehler durch den Träger können die Schutzwirkung einschränken: Einerseits kann es durch Unachtsamkeit zu einem Kontakt der möglicherweise kontaminierten Außenseite mit der Mund- oder Nasenschleimhaut kommen. Außerdem komme es vor, dass sich die Träger von FFP2-Masken ein falsches Gefühl von Sicherheit entwickelten und sich weniger konsequent an die Abstandsgebote halten.
Für Podbielski gehören die FFP-Masken eher in den professionellen Bereich, etwa Krankenhäuser. Im Alltag fände er es besser, die Norm etwas tiefer aber dafür besser einhaltbar für die Normalbürger anzusetzen und dann auf dieser Basis darauf hinzuwirken, dass sie flächendeckend konsequent eingehalten wird.

Und was ist mit den Kosten?

Der Preisunterschied zwischen den unterschiedlichen Masken ist erheblich. In größeren Packungen gibt es OP-Masken zum Stückpreis von 50 Cent und weniger. Dagegen kosten FFP2-Masken nur in den günstigsten Varianten etwas unter einem Euro pro Stück, viele Händler verlangen zwei Euro oder oft auch deutlich mehr für eine einzelne Maske.
Damit der Schutz der Bevölkerung nicht am Geldbeutel scheitert, sollen in Deutschland 34 Millionen Bürger Gutscheine für zwölf FFP2-Masken bekommen, die in der Apotheke eingelöst werden können. Dazu zählen Über-60-Jährige und Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen. In der Apotheke zahlen die Anspruchsberechtigten pro eingelöstem Coupon (gilt für sechs Masken) einen Eigenanteil von zwei Euro. Eine Maske kostet dort 6 Euro.
Gedruckt werden die fälschungssicheren Gutscheine in der Bundesdruckerei, danach werden Sie an die Krankenkassen geschickt und von dort an die Empfänger versendet. Das logistisch herausfordernde Unterfangen ist auch ein teures für den Bund: die Verteilung der Masken soll rund 2,5 Milliarden Euro kosten.
Quelle: Mit Material von dpa und AFP

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