: Regelmäßiger Impf-Booster? Oder neue Vakzine?

05.02.2022 | 13:10 Uhr
Covid-19 wird bleiben. Wie wir uns dauerhaft schützen, darüber scheiden sich die Geister. Die einen befürworten regelmäßiges Impfen. Andere arbeiten an ganz neuen Impfstoffen.
In welche Richtung geht die Impfstoff-Forschung? Regelmäßige Anpassung an Virusvarianten? Oder ganz neue Wege?Quelle: Reuters
Impfstoffe gegen das Coronavirus retten Leben. Doch mit dem Auftreten immer neuer Virusvarianten fragen sich viele, ob sie regelmäßig eine Auffrischung brauchen. Oder, ob ein neues Vakzin nötig sein wird?
Solange die Immunisierungen noch ihre wichtigste Funktion erfüllen, solle die Messlatte nicht zu hoch gelegt werden, warnen Experten.
Es ist unrealistisch zu glauben, dass irgendeine Art von Impfung Menschen für immer vor Infektionen und Erkrankungen mit milden Symptomen schützen wird.
Daniel Kuritzkes, Infektiologe am Brigham & Women's Hospital, Boston
Wenn das Ziel die Verhinderung schwerer Verläufe sei, genüge es möglicherweise, die vorhandenen Impfstoffe an jede neue Variante anzupassen.
Forscherinnen und Forscher arbeiten zwar bereits an Impfstoffen der nächsten Generation, die einen breiteren Schutz vor künftigen Mutanten bieten könnten - sie werden aber nicht so bald zur Verfügung stehen. Daher lautet die Devise: Die bestehenden Vakzine an so viele Menschen wie möglich zu verimpfen.

Warum die Immunabwehr nicht perfekt ist

Antikörper, die sich nach einer Impfung oder einem direkten Kontakt mit Covid-19, also einer Erkrankung, bilden, blockieren Infektionen. Ein Problem ist, dass Mutationen die Gestalt des Spike-Proteins ändern, das das Coronavirus umgibt. Daher war Omikron für vorhandene Antikörper schwerer zu erkennen und konnte diese erste Abwehr leichter überwinden.
Zudem ist das Immunsystem nicht dafür gemacht, dauerhaft im Alarmzustand zu sein. Daher nimmt die Zahl der Antikörper mit der Zeit wieder ab. Mehrere Monate nach zwei Impfungen mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer oder Moderna hatten die Menschen nur einen geringen Schutz - ein Ergebnis sowohl schwindender Antikörper als auch der Virus-Mutation.
Glücklicherweise gibt es andere Faktoren im Immunsystems, die sogenannten T-Zellen, die schwere Krankheitsverläufe verhindern können. Und dieser Schutz hält länger an, da die T-Zellen andere Teile des Virus erkennen, die nicht so leicht mutieren.

Christine Falk: "Abnehmender Immunschutz nicht ungewöhnlich"

04.11.2021 | 02:15 min

Warum die dritte Dosis zählt

Nach einer Boosterimpfung beträgt der Schutz gegen eine symptomatische Erkrankung durch Omikron etwa 70 Prozent. Das ist immer noch hochwirksam. Noch wichtiger: Der Booster verstärkt auch den Schutz gegen schwere Verläufe zusätzlich.
Auch nach einer dritten Impfung werden Antikörper wieder abnehmen. Sogenannte Gedächtniszellen können aber bei einem erneuten Kontakt mit dem Virus eine schnelle Immunantwort auslösen.
Ob wiederholtes Boostern wirklich der beste Weg ist, ist unklar. Endloses Auffrischen, nur um die Antikörper-Level dauerhaft hoch zu halten, sei "keine funktionierende Gesundheitsstrategie", sagt der Impfexperte Paul Offit von der Kinderklinik in Philadelphia.

Mögliche neue Ansätze

Dass das Coronavirus nicht verschwinden wird, ist klar. Die Wissenschaft arbeitet zwar an umfassenden Impfstoffen, die vor mehr als einem Virustyp schützen sollen. Doch das wird Jahre dauern, wie der oberste US-Virologe Anthony Fauci betont.
Eine direktere Herangehensweise könnte in der Entwicklung von Covid-19-Vakzinen liegen, die direkt in die Nase gespritzt werden. So könnten Antikörper dort gebildet werden, wo der Mensch zuerst mit dem Virus in Berührung kommt. Solche Vakzine sind schwerer zu entwickeln als Injektionsimpfstoffe, aber Studien dazu laufen, unter anderem in Indien.

Weltweit unterschiedlicher Schutz

Was mögliche Änderungen in der Impfstrategie erschwert, ist die Tatsache, dass in armen Ländern erst zehn Prozent der Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten haben. Jüngere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass manche der weltweit eingesetzten Impfstoffe weniger zur Abwehr von Omikron taugen. Booster-Strategien müssten daher maßgeschneidert werden.
ZDFheute Infografik
Mehr
Mehr
Mehr
Quelle: AP

Hintergründe zu Covid-19

Mehr

Die wichtigsten Daten zum Coronavirus

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise