: Kinder gegen Corona impfen?

03.07.2021 | 22:30 Uhr
Die Kinder impfen lassen oder nicht? Das beschäftigt viele Eltern. Eine Stiko-Empfehlung gibt es nicht: Datenlage zu dünn. Experten sind uneins - einige Ärzte impfen dennoch.
In Deutschland wird eine Corona-Impfung für Jugendliche ab zwölf Jahren nur für vorerkrankte Kinder empfohlen. Doch mit der drohenden Delta-Welle wächst bei Eltern die Sorge.
Die Sommerferien nahen in vielen Bundesländern, die Schulöffnungen im Herbst rücken näher. Sollten Kinder also gegen Corona geimpft werden? Unter Experten und Kinderärzten tobt eine heftige Debatte. Das wiederum lässt Mütter und Väter ratlos zurück, denn die Stiko hält sich - trotz des Drucks aus der Politik - mit einer Empfehlung zurück und zunächst eine sichere wissenschaftliche Datenlage, bevor sie etwas ausspricht.
Im Streit um das Für und Wider hat der Biomediziner Gerhard Ehninger nun die Ständige Impfkommission (Stiko) kritisiert. Sie blockiere "unverantwortlich den Einsatz von zugelassenen Medikamenten", schrieb der Hämatologe, Onkologe und Krebsforscher in den "Dresdner Neuesten Nachrichten".
Die Impfungen bei Kindern sind überfällig.
Gerhard Ehninger, Onkologe
Angesichts der Delta-Variante, die in Israel und Großbritannien das Infektionsgeschehen trotz Impfrate über 50 Prozent wieder verstärkt hat, müssten alle vorhandenen Impfdosen rasch verabreicht und eine Quote von über 90 Prozent erreicht werden.

Delta-Variante: Leichtes Spiel bei ungeimpften Schülern?

Ehninger appellierte zudem, den Sommer zu nutzen, um die Sicherheit für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. An Schulen fehle es an Infrastruktur wie Klimageräten und Informationstechnologie, Ausweichräumen und virensicheren Belüftungsanlagen. Er warnte:
Die Delta-Variante hat unter diesen Bedingungen in kleinen Klassenräumen mit 25 ungeimpften Schülerinnen und Schülern leichtes Spiel.
Gerhard Ehninger, Onkologe
Das Schuljahr dürfe nicht "mit der gleichen Blauäugigkeit" beginnen wie im Herbst 2020. Die EU-Kommission hat den Corona-Impfstoff von Biotech/Pfizer für Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen.
Für unter 18-Jährige spricht die Ständige Impfkommission am RKI keine generelle Impfempfehlung aus und auch Ärzte sind sich uneins. Viele Eltern verunsichert das.
Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bekräftigte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" seine Forderung nach schnellen Impfungen auch für Kinder. So könnten sie "in ein weitgehend normales Schuljahr starten".
Wir sollten ihnen anbieten, was wir uns selbst gönnen.
Karl Lauterbach
Der Mediziner Nikolaus Haas wiederum widersprach Lauterbach in dem Doppelinterview. Daten aus Israel und England zeigten, dass Delta für Kinder nichts Schlimmeres bedeute als die vorherigen Varianten oder der "Wildtyp", sagte der Direktor der Abteilung für Kinderkardiologie und Intensivmedizin am Klinikum der Universität München.
Es sei zudem bekannt, "dass Ausbrüche in Schulen gleichzeitig mit Ausbrüchen in den Gemeinden passieren". Das Virus werde durch Erwachsene in die Schulen getragen.
Wann die Impfung für kleinere Kinder kommen soll, lesen Sie hier:
In Deutschland gibt es bisher noch keine allgemeine Impfempfehlung der Stiko für diese Altersgruppe, aber Überlegungen hinsichtlich vorerkrankter Kinder. Die Bundesregierung will für Kinder und Jugendliche bis Ende August mindestens die erste Impfung ermöglichen.
Quelle: dpa, AFP

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