: Wie Delta sich auf die Corona-Lage auswirkt

04.07.2021 | 18:36 Uhr
Lange sanken die Corona-Zahlen in Deutschland kontinuierlich. Diese Entwicklung ist erstmal gestoppt. Daran dürfte auch die Delta-Variante Schuld haben.
Die Inzidenzwerte in Deutschland sind weiterhin sehr niedrig, für die vergangene Woche lagen sie bei fünf. Doch die Zahlen sinken nicht mehr weiter. Kann die neue Delta-Variante auch in Deutschland wieder zu vermehrten Infektionen führen?
Es ist eingetreten, was Expertinnen und Experten befürchtet hatten: Während der Anteil der ansteckenderen Delta-Variante wächst, hat sich der Sinkflug der Corona-Zahlen abgebremst. 
Erstmals seit Anfang Juni ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Vergleich zum Vortag gestiegen - wenn auch nur gering. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntagmorgen mit 5,0 an. Am Vortag hatte der Wert noch bei 4,9 gelegen.

Auch Neuinfektionen und R-Wert steigen

Die Corona-Zahlen sind insgesamt nach wie vor sehr niedrig und schwanken zuweilen, doch zwei weitere Werte deuten auf ein Ende des starken Rückgangs hin: Am zweiten Tag in Folge lag die Zahl der Neuinfektionen höher als am gleichen Tag der Vorwoche. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 559 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es noch 538.
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Auch der R-Wert, der zeigt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, war zuletzt gestiegen und hatte nach RKI-Angaben vom Freitagabend 1 erreicht - so hoch lag er mehr als zwei Monate lang nicht mehr.

Delta breitet sich weiter aus

Eine Pandemiekurve flacht zwar gewöhnlich bei stark gesunkenen Zahlen ab. Dennoch könnte die zuerst in Indien registrierte Delta-Variante nun dabei mitgewirkt haben. So hatten Modellierer und Virologen davor gewarnt, dass die Delta-Variante die recht entspannte Corona-Lage wieder verschärfen könnte.
Sie gilt als infektiöser, ein Infizierter steckt im Schnitt mehr weitere Menschen an als bei früheren Varianten.Vor allem seit Ende Mai war der Anteil von Delta an den Neuinfektionen in Deutschland deutlich gestiegen.
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Mittlerweile geht nach RKI-Schätzung mindestens die Hälfte der Neuinfektionen auf die Mutante zurück, wie es in seinem aktuellen Variantenbericht schreibt. Die jüngsten bisher verfügbaren Daten belegen für die Woche vom 14. bis 20. Juni einen Anteil von 37 Prozent an den untersuchten Proben. In der Woche zuvor waren es laut RKI erst 17 Prozent.

Corona-Zahlen könnten weiter steigen

Auch wenn es sich bei dem am Sonntag gemeldeten Wert um eine gewöhnliche Schwankung oder den bei niedriger Inzidenz größeren Einfluss einzelner, größerer Ausbrüche handeln könnte: Eine genauere Betrachtung der Entwicklung der Delta-Fälle deutet durchaus darauf hin, dass die Zahlen nun tatsächlich weiter steigen könnten.
Das sagt der Impfstoff-Forscher Leif Erik Sander im ZDFheutejournal. Zwar haben Kinder selten einen schweren Krankheitsverlauf, doch wenn das Virus sich ungehemmt unter Kindern ausbreiten könne, dann werde dies schwere Verläufe nach sich ziehen.
Denn während sich immer weniger Menschen mit der zuletzt vorherrschenden Alpha-Variante anstecken, steigt die absolute Zahl der nachgewiesenen Delta-Infektionen laut RKI in den vergangenen Wochen an: Nachdem in der Woche vom 31. Mai bis zum 6. Juni noch 410 solche Ansteckungen erfasst wurden, bekam das RKI nach jüngsten Daten vom 14. bis 20.Juni 724 gemeldet. Dabei wird nur ein Teil der Corona-Proben auf die Varianten getestet.
Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen überraschen die jüngsten Zahlen nicht. "Das ist aus meiner Sicht der erwartete Verlauf, sobald Delta überwiegt.
Wir hatten jetzt extrem niedrige Zahlen, jetzt geht es etwas hinauf", folgerte er. "Da aber die Ferien beginnen, sollte es erstmal allenfalls langsam hochgehen." Wichtig sei jetzt auch, was in Krankenhäusern passiere. In dem Punkt seien die Erfahrungen aus anderen Ländern bisher insofern positiv, "als dass es dort sehr überschaubare Anstiege und keine wesentlichen Probleme bisher gab".
Quelle: Gisela Gross und Valentin Frimmer, dpa

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