FAQ

: Johnson & Johnson: Was kann der Impfstoff?

29.05.2021 | 12:34 Uhr
Der Impfstoff von Johnson & Johnson wird in den USA und in Europa verwendet, Großbritannien hat ihn gerade zugelassen. Worin unterscheidet er sich von anderen Vakzinen?
Impfung mit J&J in Neukölln - Wie wirksam ist das Vakzin?Quelle: dpa
Das Vakzin von Johnson & Johnson (J&J) ist - nach Astrazeneca, Biontech/Pfizer und Moderna - der vierte freigegebene Corona-Impfstoff der in Deutschland im Kampf gegen die Pandemie zum Einsatz kommt. Gerade erst wurde das Vakzin auch in Großbritannien zugelassen - vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über eine Zunahme der Neuinfektionen in dem Land.
Welche Bevölkerungsgruppen den Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten sollen, muss noch entschieden werden. Möglicherweise soll das Präparat bei den ab dem Herbst geplanten Auffrischungsimpfungen zum Einsatz kommen.

Um welche Art von Corona-Impfstoff handelt es sich?

Der Vektorimpfstoff von J&J bereitet den Körper darauf vor, sich selbst gegen Covid-19 zu wehren. Er nutzt ein sogenanntes Adenovirus als Vektor. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde jedoch so verändert, dass es sich nicht vermehren kann.
Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Coronavirus zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet.

Wie wirksam ist der Impfstoff von Johnson & Johnson?

Laut internationalen Daten, die Ende April im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, schützt das Vakzin bereits 14 Tage nach einer Impfung zu 66 Prozent vor milden oder moderaten Covid-Erkrankungen und zu 76 Prozent vor schweren und kritischen Verläufen. Nach 28 Tagen sprechen die Forschenden von einer Effiktivität von 66 Prozent gegen moderate und 85 Prozent gegen schwere Verläufe.
Mit Blick auf die südafrikanische Virusvariante B.1.351 soll der Impfstoff nach 14 Tagen zu 52 Prozent und nach 28 Tagen zu 64 Prozent vor moderaten Verläufen schützen. Bei schweren Verläufen gehen die aktuellen Zahlen von einer Effektivität von 73 Prozent nach 14 und 81 Prozent nach 28 Tagen aus.
Laut Daten der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel vom Februar ist der Impfstoff 14 Tage nach Verabreichung zu 66 Prozent wirksam gegen moderate Krankheitsverläufe nach Ansteckung mit der brasilianischen Variante P.1 (68 Prozent nach 28 Tagen). Gegen schwere Verläufe soll das Vakzin zu 81 Prozent nach 14 bzw. 87 Prozent nach 28 Tagen schützen.

Johnson & Johnson: Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Bei dem Impfstoff können ähnliche Nebenwirkungen auftreten wie bei den anderen bereits zugelassenen Vakzinen. Zu den am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen zählen laut Ständiger Impfkommission:
  • Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als 40 Prozent)
  • Müdigkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen (mehr als 30 Prozent)
  • Übelkeit (mehr als 10 Prozent)

Was ist mit Johnson & Johnson und selten auftretenden Thrombosen?

Ähnlich wie bei dem Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca gibt es bei dem Mittel von Johnson & Johnson das Risiko seltener, aber schwerwiegender Thrombosen. In Deutschland wird das Vakzin ebenfalls in der Regel nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen.
Die Impfpriorisierung für J&J ist in Deutschland mittlerweile aufgehoben - Menschen unter 60 können sich also freiwillig und nach ärztlicher Beratung dennoch damit impfen lassen.
In Zusammenhang mit dem Impfstoff von Astrazeneca wurden in Deutschland über 60 Fälle von Hirnvenenthrombosen gezählt. Die seien therapierbar, erklärt der Forscher Arnold Ganser.

Was sind die Vorteile des Impfstoffs?

Das Vakzin von J&J ist einfacher zu verabreichen. Im Gegensatz zu den anderen bisher zugelassenen Impfstoffen ist hier nur eine Injektion nötig. Weil der J&J-Impfstoff in Phase I der klinischen Studie vergleichsweise gute Ergebnisse erzielt hat, entschied sich der Hersteller, ab Phase II nur noch mit einer Impfdosis zu testen. Manche Expert*innen gehen aber davon aus, dass der Impfstoff mit einer zweiten Impfung noch effektiver wäre.
Es würden aktuell Wirksamkeit und Sicherheit von zwei Dosen untersucht, erklärte eine Sprecherin der Janssen-Cilag GmbH, die zu Johnson & Johnson gehört. Die Ergebnisse der Studie werden im Sommer erwartet.
Ein Vorteil ist auch, dass das Mittel leichter transportiert und aufbewahrt werden kann als manche anderen Corona-Vakzine. Unternehmensangaben zufolge ist das Mittel mindestens drei Monate lang bei Kühlschrank-Temperaturen haltbar. mRNA-Impfstoffe benötigen bei längerer Lagerung hingegen eine extrem niedrigen Minus-Temperatur.

Wie viele Impfdosen werden noch erwartet?

Bisher hat Deutschland etwa 473.400 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson (Stand 23. Mai 2021) erhalten, das sind relativ wenig. Das Bundesgesundheitsministerium rechnet mit gut 10 Millionen Impfdosen für Deutschland von April bis Ende Juni.
Quelle: dpa, AFP, AP

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