: Jetzt geht's los mit dem vierten Impfstoff

von Oliver Klein
30.04.2021 | 17:38 Uhr
Nach viel Hickhack um das Vakzin von Johnson & Johnson beginnen in Deutschland die Impfungen damit. Zwar spielt der Impfstoff bislang nur eine Nebenrolle. Aber eine entscheidende.
Eine Ampulle des Impfstoffs von Johnson & Johnson. SymbolbildQuelle: Mary Altaffer/AP/dpa/Archivbild
Die Impfkampagne in Deutschland nimmt an Fahrt auf. Gab es bislang nur die Vakzine von Biontech/Pfizer, Astrazeneca und Moderna, kommt nun ein vierter Impfstoff dazu: Johnson & Johnson. Ähnlich wie bei Astrazeneca gab es zwischenzeitlich Bedenken wegen einzelner Fälle von Blutgerinnseln in den USA. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hatte Mitte April grünes Licht gegeben, nun geht es los.
Nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) haben alle Bundesländer in dieser Woche eine erste Lieferung des Vakzins erhalten, insgesamt rund 230.000 Dosen. Eine weitere Lieferung von knapp 200.000 Dosen werde am 3. und 4. Mai an die Länder geschickt, heißt es vom Bundesministerium für Gesundheit auf Anfrage von ZDFheute.
Seit der Freigabe von AstraZeneca-Impfdosen in Sachsen auch für unter 60-Jährige können sich Hausärzte nicht mehr vor Anfragen retten. Bei Impfwilligen kann es schnell gehen: kaum angemeldet – schon geimpft. Fällt die Priorisierung bald bundesweit?

Johnson & Johnson liefert weniger als ausgemacht

Ursprünglich hatte das BMG nach ZDF-Informationen mit deutlich mehr Dosen gerechnet. Doch der Pharmakonzern hatte sich offenbar nicht an vorher gegebene Zusagen gehalten, wie auch das Magazin "Spiegel" berichtet.
So kommt das Gros der Impfdosen zur Zeit weiter von den anderen Herstellern: Allein im April werden Biontech/Pfizer, Astrazeneca und Moderna fast neun Millionen Dosen geliefert haben. ZDFheute liegt ein Bericht des Bundesgesundheitsministeriums an die Länder zum aktuellen Stand der Impfkampagne vor. Daraus geht hervor, dass für das zweite Quartal von den Herstellern 80 Millionen Impfdosen zugesagt worden seien, davon allein 50 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer.
Die US-Gesundheitsbehörden haben den Impfstoff von Johnson & Johnson wieder erlaubt. Durch die Impfung waren vereinzelt Fälle von Hirnvenen-Thrombosen aufgetreten.

Einzelimpfung besonders für soziale Brennpunkte geeignet

Aber auch, wenn Johnson & Johnson in der Impfkampagne Deutschlands derzeit nur eine Nebenrolle spielt - es ist eine wichtige Rolle: Denn mit dem Vakzin sollen zunächst insbesondere schwer erreichbare Gruppen wie Obdachlose, Menschen in sozialen Brennpunkten oder Erstaufnahmeeinrichtungen geimpft werden. Der Vorteil von Johnson & Johnson: Statt zwei Spritzen reicht bereits eine für den vollen Impfschutz, anders als bei den Vakzinen von Biontech/Pfizer, Astrazeneca und Moderna. So müssen nicht zwei Termine eingehalten werden und die Hürde für viele Menschen ist niedriger, sich überhaupt impfen zu lassen.
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Der SPD-Gesundheitspoltiker Karl Lauterbach forderte bei Twitter bereits, Johnson & Johnson vor allem in sozialen Brennpunkten einzusetzen: "Impfmobile in Brennpunkten sind jetzt dringend nötig", schrieb er. Solche Hotspots führten zu "besonders vielen Intensivfällen und verhindern Herdenimmunität".
Karl Lauterbach am Donnerstag bei Twitter
So will Rheinland-Pfalz beispielsweise mit rund 12.000 Dosen von Johnson & Johnson vor allem in Obdachlosenheimen impfen, außerdem Menschen in Erstaufnahmeeinrichtungen, Frauenhäusern, dem Maßregelvollzug und der psychiatrischen Tagespflege. Niedersachsen verteilt seine erste Charge an fünf Regionen mit hohen Infektionszahlen. Am Freitag und Samstag werden die Impfzentren in Vechta, Salzgitter, Delmenhorst, Peine und Wolfsburg damit beliefert.
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Quelle: mit Material von dpa

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