FAQ

: Was über Long Covid bekannt ist

von Julia Klaus
23.01.2022 | 13:46 Uhr
Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen. Auch Wochen nach einer Corona-Infektion klagen Menschen über Langzeitfolgen. Was über Long Covid und Post Covid bekannt ist.
Klinik am Teutoburger Wald, in der Long-Covid-Patienten behandelt werden: Ein Patient sitzt zur Überprüfung seiner Lungenfunktion in einem Bodyplethysmographen.Quelle: Sina Schuldt/dpa

Was ist Long Covid und was ist das Post-Covid-Syndrom?

Long Covid heißen alle Langzeitfolgen, die nach mehr als vier Wochen nach einer Corona-Erkrankung auftreten. Der PCR-Test ist dann negativ, die Symptome lassen sich also nicht auf eine akute Corona-Erkrankung zurückführen.
Vom Post-Covid-Syndrom spricht man, wenn die Symptome auch 12 Wochen nach der Erkrankung noch da sind oder zum ersten Mal auftreten und sich anderweitig nicht erklären lassen.
ZDFheute Infografik
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Wie viele Menschen sind von Long Covid betroffen?

Das ist nicht ganz klar. Eine Studie der Uni Mainz geht von bis zu 40 Prozent der Infizierten aus - das wären aktuell über drei Millionen Menschen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie schätzte im Juli 2021, dass zehn bis 15 Prozent aller Erkrankten mit den Langzeitfolgen zu kämpfen haben. Sie bezieht sich dabei auf eine Studie, deren Daten zwischen März und September 2020 erhoben wurden.
Noch nicht absehbar ist, wie genau die mittlerweile dominante Omikron-Variante die Long-Covid-Zahlen beeinflussen wird. Die Long-Covid-Spezialistin Jördis Frommhold erklärt das so:
Bei vorigen Varianten traten die Symptome nach ein bis drei Monaten nach einer Infektion auf. Wir müssen also noch abwarten.
Jördis Frommhold, Median Klinik Heiligendamm
Wer schwer an Corona erkrankt ist, hat auch ein höheres Risiko, an Long Covid zu leiden. Das zeigt etwa eine Studie aus dem Fachmagazin "The Lancet", wonach 76 Prozent von rund 1.700 ins Krankenhaus eingewiesenen Corona-Patienten auch sechs Monate später über noch mindestens ein Symptom klagten. Eine deutsche Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis - allerdings wurde sie noch nicht von anderen Forschenden begutachtet.
Weitere Risikofaktoren sind laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • hohes Alter
  • starkes Übergewicht
  • Vorerkrankungen der Lunge und des Herzens
Doch auch Menschen mit einem milden Corona-Verlauf können an Long Covid leiden. Ebenso Kinder und Menschen ohne Vorerkrankungen.
Lesen Sie hier über die Erfahrungen von Long-Covid-Erkrankten:

Was sind die Symptome?

Bei Long Covid berichten Menschen von:
  • Allgemeines: Müdigkeit und Erschöpfung, Muskelschwäche und Gelenkschmerzen, allgemeines Unwohlsein
  • Atemwege: Kurzatmigkeit und Atemnot, Atembeschwerden, Husten
  • Sinne: Störung von Geschmacks- und Geruchssinn, Schwindel
  • Herz-Kreislauf: Schmerzen im Brustbereich, Herzklopfen, Herzstolpern, Gerinnungsstörungen
  • Nervensystem: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Sonstiges: Haarausfall, Nierenerkrankung, Stoffwechselstörung, Angst, Depression
Frauen sind unabhängig von ihrem Alter besonders oft von Erschöpfung betroffen, dem sogenannten Fatigue-Syndrom.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Gegen Long Covid und Post Covid gibt es noch keine standardisierte Therapie. Wenn mehrere Organe betroffen sind, werden Patientinnen und Patienten auch von verschiedenen Fachrichtungen behandelt - etwa durch Psychotherapie, Neurologie und Lungenfachkunde.
Wer Symptome bemerkt, kann sich zunächst an Hausärzt*innen wenden. In Absprache mit Fachärzt*innen kann dann, wie bei anderen Krankheiten auch, eine Therapie abgestimmt werden. Einige Kliniken haben auch Spezial-Ambulanzen eingerichtet und bundesweit haben sich viele Selbsthilfegruppen gegründet. (Eine Übersicht zu den Post-Covid-Angeboten haben wir für Sie jeweils verlinkt.)
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt beim oft berichteten Fatigue-Syndrom - einer andauernden Erschöpfung - die Kräfte richtig einzuteilen. Die sogenannte Pacing-Strategie beinhaltet Tagespläne und realistische Aktivitäten, damit es zu keinem Kollaps kommt.
Lässt sich eine Aktivität so einteilen, dass sie nicht auf einmal erledigt werden muss? Ist es z. B. denkbar, dass Sie nur ein Zimmer sauber machen und nicht das ganze Haus in einem Ruck?
WHO-Broschüre

Kann man Long Covid vorbeugen?

Auch Menschen mit einer Durchbruchsinfektion können an Long Covid erkranken. Doch die Impfung kann auch vor Long Covid schützen, zu dem Ergebnis kommt etwa eine britische Studie. Demnach haben doppelt geimpfte Erwachsene im Falle einer Durchbruchsinfektion ein um die Hälfte reduziertes Risiko, an Long Covid zu erkranken. Wie sich das mit Omikron verhält, ist aber noch nicht klar.
Eine israelische Studie zeigt ebenfalls, dass die Impfung vor Long Covid schützt. Von gut 3.300 Untersuchten berichteten jene, die zweifach geimpft waren, deutlich seltener als Ungeimpfte von Symptomen. Untersuchungszeitraum war März 2020 bis November 2021 - die Booster-Impfung ist deshalb kein Teil der Studie.
Tweet von Immunologe Carsten Watzl
Die Long-Covid-Ärztin Jördis Frommhold berichtet: "In den zwei Pandemie-Jahren habe ich über 3.000 Long-Covid-Patienten behandelt. Darunter waren zwar auch Menschen mit einer Impfung, die also eine Durchbruchsinfektion hatten. Sie waren aber in der Minderheit, die allermeisten waren nicht geimpft."
Um die Ungeimpften mache ich mir mit Blick auf Omikron deshalb besonders Sorgen.
Jördis Frommhold, Median Klinik Heiligendamm

Welche Gründe gibt es für Long Covid?

Was Long Covid auslöst, ist ebenfalls noch nicht klar. Es könnte sich um eine Überreaktion des Immunsystems handeln. Allerdings braucht es noch mehr Forschung - insbesondere aufgrund der neuen Omikron-Variante.
Long Covid trotz Impfschutz? Was wir über das Risiko bei Geimpften wissen, lesen Sie hier:

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