So will Deutschland die Mutationen überwachen

von Julia Klaus
13.01.2021 | 14:31 Uhr
Es kommt Bewegung in die deutsche Mutations-Überwachung. Mehr positive Corona-Proben sollen auf Mutationen untersucht werden. Warum das wichtig ist.
Nach Expertenmeinung infektiöser, aber nicht tödlicher: neue Corona-Mutationen in Deutschland. Über ihre Ausbreitung bei uns gebe es wegen mangelnder Sequenzierung nicht genug Erkenntnisse, anders als in Großbritannien. Das soll sich jetzt ändern.
Die Corona-Mutationen aus Südafrika und Großbritannien haben Deutschland längst erreicht. Doch wo genau sie sich hierzulande ausbreiten, ist kaum bekannt. Das liegt daran, weil positive Corona-Proben bislang nicht systematisch auf die Mutationen untersucht werden. Das soll sich nun ändern.
Labore sollen dazu verpflichtet werden, das Viren-Erbgut öfter zu untersuchen und die Ergebnisse an das Robert-Koch-Institut schicken. Dafür sollen sie 200 Euro bekommen. Je nach Inzidenz sollen zwischen fünf bis zehn Prozent der Positiv-Tests auf das Erbgut hin untersucht werden, so sieht es ein Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums vor, der ZDFheute vorliegt. Er soll noch heute vom Bundeskabinett verabschiedet werden.

Mutationen bei Viren: nichts ungewöhnliches

Das Erbgut von Viren besteht aus RNA. Bei dem Kopiervorgang von RNA passieren oft Fehler - Teile von ihr gehen etwa verloren - so entstehen Mutationen, die unterschiedliche Eigenschaften haben können, zum Beispiel bei der Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch.

Um eine Mutation festzustellen, muss man die RNA-Sequenzen im Labor untersuchen und kann sie dann mit dem ursprünglichen Coronavirus-Genom oder seinen Mutationen vergleichen.

Warum ist das Mutations-Tracking wichtig?

Nur wenn bekannt ist wo Mutationen auftreten und welche Eigenschaften sie haben, können sich Menschen in den betroffenen Regionen besser schützen - beziehungsweise kann die Politik gezielter reagieren. Auch Impfstoff-Herstellern könnten die Daten helfen, um die Wirksamkeit ihrer Seren bei weit verbreiteten Mutanten zu überprüfen.

Wie überwacht Deutschland die Mutationen bislang?

In Deutschland lag der Fokus bislang nicht auf der Sequenzierung. Das liegt auch an der Forschungstradition, wie der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité im Coronavirus-Update-Podcast des NDR sagte:
Alle Länder in Europa werden wenig sequenzieren, weil das einfach nun mal unter normalen Umständen, also sprechen wir mal von Influenza oder so, nicht unbedingt notwendig ist, dass jedes Virus immer sequenziert wird.
Christian Drosten, Virologe Charité
Anders als etwa Großbritannien, das ein eigenes Coronavirus-Genom-Konsortium installiert hat, um die Verbreitung und Veränderung des Virus zu beobachten. Dort wird jeder 15. Positiv-Test auf Mutationen hin untersucht, in Deutschland nur jeder 900., wie Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung von vergangener Woche zeigten.
Der Virologe Jörg Timm etwa hatte deshalb eine mangelnde Sars-CoV-2-Sequenzierung kritisiert: "Großbritannien hat vorgemacht, wie man entsprechende Strukturen aufbauen kann. Das haben wir in Deutschland - aber auch in vielen anderen europäischen Ländern - bisher verpasst", sagt der Leiter des Instituts für Virologie am Uniklinikum Düsseldorf.

Auch Einreiseregeln verschärft

In Deutschland bündelt das Robert-Koch-Institut die Sequenzdaten - die erhält es derzeit aus verschiedenen Quellen. "Hauptakteur im Hinblick auf die Sequenzierung ist das Konsiliarlabor für Coronaviren von Professor Drosten und Doktor Corman", schrieb das RKI Ende Dezember auf Anfrage von ZDFheute. 
Dort will man noch diese Woche mit systematischen Genom-Analysen beginnen: Alle positive Proben sollen dann "zusätzlich auf die englische und südafrikanische Virusvariante" geprüft werden - wie viele das sein werden, konnte eine Sprecherin noch nicht sagen. Die Analyse der Proben wird ein Tochterunternehmen der Charité übernehmen.
Das Bundeskabinett hat heute zudem die Einreiseregeln verschärft. Reiserückkehrer aus Regionen mit besonders hohen Inzidenzen oder mutierten Virus-Varianten müssen vor der Einreise einen negativen Coronatest vorlegen.

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