: Omikron könnte in HIV-Patient entstanden sein

29.11.2021 | 07:06 Uhr
Die Omikron-Mutante breitet sich aus und bereitet Sorgen. Experten haben eine Vermutung, wie die neue Corona-Variante entstanden sein könnte: bei immungeschwächten Menschen.
Südafrika gab am Donnerstag das Auftauchen einer neuen Form des Coronavirus bekannt; die B.1.1.259 und später Omikron getaufte Variante sei möglicherweise ansteckender und aggressiver als bisherige Mutationen.Quelle: epa
Die überraschend viele Mutationen tragende Corona-Variante Omikron könnte Experten zufolge in einem Patienten mit HIV oder einer anderen Form der Immunschwäche entstanden sein. Das sei denkbar und wahrscheinlich, ähnliche Befunde seien in anderen Fällen bereits publiziert worden, sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), der Nachrichtenagentur dpa.

Virus kann sich bei Immungeschwächten gut vermehren

In Menschen mit geschwächtem Immunsystem könne sich das Virus über viele Wochen vermehren, so Watzl.
Dabei können immer wieder vereinzelt Mutationen auftreten, die dem Virus eventuell keinen Vorteil bringen, die sich aber aufgrund der fehlenden Kontrolle durch das Immunsystem dennoch weiter vermehren können.
Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie

Die neue Omikron-Mutation des Coronavirus erhöht den Druck auf das Impftempo. Forderungen nach einer allgemeinen Impfpflicht werden lauter.

29.11.2021 | 02:02 min

Experte Mutationen sprechen für Entstehung in HIV-Patient

Damit könnten zusätzliche Mutationen entstehen, die dann in der Kombination eventuell einen Vorteil brächten. "Die vielen Mutationen sprechen für Entstehung in HIV-Patienten", hatte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schon am Freitag getwittert.
Omikron besitzt im Vergleich zum ursprünglichen Sars-CoV-2 aus Wuhan eine ungewöhnlich hohe Zahl von etwa 30 Aminosäureänderungen allein im Spike-Protein. Darunter sind Mutationen, von denen bekannt ist, dass sie mit einer stärkeren Übertragbarkeit und Immunescape in Verbindung stehen.
Hinzu kommen viele Mutationen, deren Bedeutung noch unklar ist. "Auch wenn wir den Effekt einzelner Mutationen aus den anderen Varianten kennen beziehungsweise abschätzen können, ist aktuell unklar, welchen Effekt diese Kombination an Mutationen haben wird", erklärte Watzl.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weiter, seit erste bestätigte Fälle der neuen Virusvariante Omikron in Europa bekannt geworden sind wächst die Beunruhigung - auch in Deutschland. Die Debatte über eine Impfpflicht nimmt neue Fahrt auf.

28.11.2021 | 03:13 min

Infizierte Immungeschwächte isolieren

Viele HIV-Patienten würden in Afrika nicht ausreichend therapiert, weshalb ihr Immunsystem deutlich geschwächt sei, so Watzl. Zur Vermeidung der Ausbreitung so umfangreich veränderter Varianten wie Omikron wäre es demnach wichtig, infizierte immungeschwächte Menschen zu identifizieren und sie zu isolieren, bis sie nicht mehr infektiös sind.
Denn selbst wenn das Virus in einer solchen Person stark mutiert, erst die Weitergabe des mutierten Virus ist wirklich gefährlich.
Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie
Quelle: dpa

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