: Omikron-Verlauf: Mild ist nicht harmlos

von Julia Klaus
15.01.2022 | 11:46 Uhr
Die Omikron-Variante ist nun dominant. Sie ist wohl weniger gefährlich als Delta. Doch auch mit Verläufen, die Mediziner "mild" nennen, haben Betroffene oft zu kämpfen.
Coronavirus-Testproben in einem Labor: Die Omikron-Variante ist mittlerweile dominant in Deutschland.Quelle: dpa
Lange war es prognostiziert worden, im aktuellen RKI-Wochenbericht steht es nun gesichert: Omikron ist die in Deutschland dominante Variante. Und das deutlich: 73 Prozent aller neuen Fälle waren es in der ersten Kalenderwoche. Omikron wird Delta bald verdrängen, davon gehen Experten aus. Und die Zahl der Corona-Neuinfektionen wächst.
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Die Strategie von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): Boostern und Kontaktbeschränkungen. Er beschrieb das am Freitag auf einer Pressekonferenz so:
Wir wollen aus der sonst zu erwartenden steilen Wand der Infektionszahlen wenn möglich einen Hügel machen. Oder, wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass es eine Wand ist: Dass die Wand nicht so hoch ist.
Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister (SPD)

Omikron scheint im Vergleich zu Delta weniger gefährlich

Studien weisen daraufhin, dass Omikron weniger gefährlich als Delta sein könnte. Eine neue Studie der Universität Berkeley hat rund 70.000 Corona-Fälle analysiert - gut 52.000 waren mit Omikron infiziert, die restlichen mit Delta. Die Ergebnisse:
  • Omikron ist im Vergleich zu Delta halb so gefährlich, was das Risiko einer Krankenhaus-Einlieferung angeht.
  • Omikron ist ein Viertel so gefährlich wie Delta, was intensivmedizinische Behandlungen betrifft - das Risiko, auf einer Intensivstation behandelt zu werden, ist um 74 Prozent reduziert.
  • Das Sterberisiko nach einer Omikron-Infektion ist im Vergleich zu Delta um 91 Prozent reduziert.
  • Die Menschen lagen weniger lange im Krankenhaus - bei Omikron rund 70 Prozent kürzer als bei Delta.
Die Studie muss noch von andere Forschenden überprüft werden. Lauterbach weist auch daraufhin, dass sich die Berkeley-Studie nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen lässt:
Es sind in diesen Studien in der Regel weniger ältere Menschen (...) und wir haben in Deutschland die Sondersituation, dass wir eine besonders hohe Quote von Ungeimpften haben bei der älteren Bevölkerung.
Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister (SPD)
Rund drei Millionen Menschen, die älter als 60 Jahre sind, sind in Deutschland nicht geimpft.

Omikron: Mild heißt nicht gleich harmlos

Man darf nun nicht den Fehler machen, einen milden Verlauf als harmlos abzutun. Das Robert-Koch-Institut nennt in Anlehnung an die WHO folgende vier Stufen einer Corona-Infektionen:
  • Eine asymptomatische Infektion - ohne Symptome
  • Als leicht/moderat/mild gilt alles unter einer schweren Lungenentzündung. Man kann vielfältige Symptome wie Geschmacksverlust, Halsschmerzen oder Durchfall haben.
  • Eine schwere Erkrankung - definiert als schwere Lungenentzündung, die im Röntgenbild sichtbar ist, mit einer Sauerstoffsättigung von weniger als 90 bis 94 Prozent und einer Atemfrequenz von mehr als 30 Atemzügen pro Minute
  • Als kritisch stuft das RKI solche Erkrankungen ein, bei denen beamtmet werden muss oder andere Organe unterstützt werden müssen
Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sagt ZDFheute:
Ein milder Verlauf ist einer, bei dem Menschen keine schwere Lungenentzündung entwickeln und keine Sauerstoffzufuhr benötigen. Aber sie können sich dennoch mehrere Wochen lang sehr krank fühlen.
Christine Falk, Immunulogin und Mitglied im Expert*innenrat der Bundesregierung
Forschende vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf haben in einer Studie gezeigt, dass auch Menschen mit einem milden Verlauf an Organschäden leiden können. Die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren können demnach mittelfristig beeinträchtigt werden. Allerdings waren die 443 Menschen, die das UKE seit Mitte 2020 für die Studie untersuchte, ungeimpft.
Falk, die auch die Bundesregierung im Expert*innenrat berät, betont:
Omikron macht vermutlich zwar mildere Verläufe als Delta - vor allem bei Geimpften und Genesenen. Doch um die älteren Ungeimpften mache ich mir wirklich Sorgen. Weiterhin gilt: Die Impfung schützt vor einem schweren Verlauf - auch bei Omikron.
Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie

Wie viele Patienten mit Long Covid wird Omikron hervorbringen?

Unklar ist, wie sich Long Covid bei Omikron auswirkt. Bei vorigen Varianten traten die langfristigen Symptome nach ein bis drei Monaten nach einer Infektion auf. Studien gingen bislang davon aus, dass zwischen zehn und vierzig Prozent aller Infizierten später an Long Covid leiden.
Lothar Wieler, Chef des RKI, sagte am Freitag dazu:
Wenn wir mehr impfen, haben wir auch weniger Long Covid. Wir wissen noch nicht, wie groß die Krankheitslast damit sein wird, aber wir wissen, dass es wirklich sehr viele Menschen sein werden, die darunter leiden.
Lothar Wieler, RKI-Präsident
Lesen Sie hier, wie sich Risikogruppen vor Omikron schützen können:

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