Psychische Leiden bei jedem dritten Patienten

07.04.2021 | 08:09 Uhr
Angsterkrankungen, Stimmungsschwankungen: Jeder dritte Corona-Genesene kämpft einer britischen Studie zufolge mit neurologischen oder psychischen Folgen.
Nicht selten: Depressionen und Angststörung nach einer Covid-Erkrankung.Quelle: dpa
Laut einer britische Studie im Fachjournal "The Lancet Psychiatry" leidet etwa ein Drittel der Corona-Patienten innerhalb von sechs Monaten nach ihrer Covid-19-Diagnose an einer neurologischen oder psychischen Erkrankung. Die britischen Forscher analysierten digitale Daten von mehr als 236.000 Patienten, die überwiegend in den USA behandelt wurden.

Vor allem Angststörungen und Depressionen

Die häufigsten Diagnosen waren Angststörungen bei 17 Prozent und Stimmungsstörungen bei 14 Prozent aller analysierten Menschen. Sie litten zudem an Schlaflosigkeit (fünf Prozent), Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel (2,1) und Hirnblutungen (0,6).
Über die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung wird immer mehr bekannt. Auch psychisch hinterlässt das Virus schwere Schäden - die wurden bisher aber kaum erforscht.
Die erfassten Daten zeigten ein um 44 Prozent höheres Risiko für Angsterkrankungen oder Stimmungsschwankungen bei Menschen mit einer Corona-Erkrankung als bei Patienten nach einer Grippe-Erkrankung gefunden.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hirnerkrankungen und psychiatrische Störungen nach Covid-19 häufiger auftreten als nach der Grippe oder anderen Atemwegsinfektionen.
Max Taquet, Universität Oxford
Die genauen Gründe dafür seien noch unklar, sagte Mitautor Max Taquet von der Universität Oxford.

Mehr Krankschreibungen wegen Depressionen

Die beteiligten Wissenschaftler weisen auf die Notwendigkeit weiterer Forschung hin, um die genauen Ursachen herauszufinden und Folgeschäden zu verhindern oder zu behandeln. Bereits in der Vergangenheit hatte es Studien gegeben, die einen Zusammenhang zwischen neurologischen Erkrankungen und einer Infektion gesehen haben.
Jeder fünfte Bürger in Deutschland erkrankt im Laufe seines Lebens an Depressionen. Während der Corona-Pandemie haben die Zahlen laut Uni Münster deutlich zugenommen.
Aber auch durch Folgen der Isolation infolge von Lockdowns und Quarantänen sind mancherorts die Krankschreibungen wegen psychischer Leiden gestiegen. In Bayern hatte die Auswertung von Versichertendaten ergeben, dass 2020 deutlich häufiger Menschen mit Depressionen und Ängsten bei der Arbeit ausgefallen waren als zuvor.
Quelle: dpa

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