: Saarland testet den Shutdown-Ausstieg

06.04.2021 | 08:08 Uhr
Saarland beginnt ab Dienstag einen Ausstieg aus dem Shutdown. Außengastronomie, Kinos und Fitnessstudios öffnen wieder - aber nur für negativ Getestete.
Mit dem "Saarland-Modell" will die Landesregierung den Bürgern wieder mehr Freiheiten ermöglichen.Quelle: imago/BeckerBredel
Erstmals geht ein ganzes Bundesland als Corona-Modellprojekt an den Start: Im Saarland dürfen von heute an Außengastronomie, Kinos, Theater, Fitnessstudios und Tennishallen wieder öffnen. Wer das Angebot nutzen möchte, braucht in der Regel einen negativen Corona-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Zudem dürfen sich im Freien bis zu zehn Personen treffen, auch am Biertisch, wenn sie negativ getestet worden sind.
Mit dem "Saarland-Modell" will die Landesregierung den Bürgern wieder mehr Freiheiten ermöglichen:
Es muss uns nach einem Jahr Pandemie mehr einfallen als nur zu schließen und zu beschränken.
Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU)
"Mit dem Saarland-Modell soll keine Corona-Infektion unentdeckt bleiben", sagte Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Denn je mehr getestet werde, desto mehr werde aufgedeckt.
Mehr impfen, mehr testen und mehr öffnen: Das Saarland will nach Ostern viele Corona-Maßnahmen lockern und zeigen, dass wieder mehr öffentliches Leben möglich sein kann.

Mit dem Testzettel auf den Bolzplatz

"Experimente" gebe es keine: Die Öffnungen sind nach dem Beschluss der Regierung in dieser Form nur erlaubt, solange die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche, stabil unter 100 liegt. Steigt die Inzidenz an drei Tagen über 100, greift ein Ampelsystem - mit einer dann ausgeweiteten Testpflicht (gelb) unter anderem für den Einzelhandel. Wenn eine Überlastung des Gesundheitswesen droht, soll die Notbremse (rot) gezogen werden: Die Öffnungen werden kassiert, es folgt ein Shutdown.
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Nun aber leuchtet die Ampel erst einmal grün: In Cafés und Restaurants dürfen auf den Terrassen bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten Platz nehmen, wenn sie ihre Daten angeben und vorher einen Termin gebucht haben. Ein Test ist hierfür nicht nötig. Wenn mehr Personen zusammen sitzen, brauchen sie alle einen negativen Test. Beim Sport ist Kontaktsport wie Fußball nun wieder erlaubt - mit Testzettel.
Am Ostermontag wurde eine Inzidenz von 91,3 gemeldet. Vor zwei Wochen (23.3.) lag sie noch bei 65,6.
[Wie die Lage in Ihrer Region aussieht: ein interaktiver Überblick.]

Modellprojekt stößt auf Kritik

Dass das Saarland das Projekt in einer Zeit steigender Infektionszahlen startet, war bundesweit bei Politik und Wissenschaft auch auf Kritik gestoßen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Ankündigung als "sehr gewagt". Da die Infektionszahlen nicht stabil seien, sei es "nicht der Zeitpunkt, jetzt so was ins Auge zu fassen".
Das Saarland sieht sich beim Impfen und Testen auch im bundesweiten Vergleich sehr gut aufgestellt. Bei den Erstimpfungen steht das kleinste deutsche Flächenland - knapp eine Million Einwohner - mit seiner Quote seit Tagen an oder mit an der Spitze. In einem Impfzentrum der Bundeswehr im saarländischen Lebach wird seit Sonntag sogar rund um die Uhr geimpft. Zudem hat das Saarland über die vergangenen Wochen reichlich Teststationen aufgebaut - mittlerweile sind es knapp 400.
Im Saarland befindet sich das bundesweit erste Impfzentrum der Bundeswehr. Das Besondere: die Soldaten impfen dort rund um die Uhr. Zur Premiere kam die Verteidigungsministerin.
Für die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ist das Saarland-Modell "ein klares, verlässliches System", das auf die Verantwortung der Bürger setze.
Mit Vorsicht schaffen wir mehr Freiheiten. Ob sie halten, liegt an uns allen.
Stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD)
Wenn alles gut läuft, kann es laut Hans weitere Öffnungsschritte nach dem 18. April geben - in der Gastronomie, beim Ehrenamt und in den Schulen. Und wenn alle Schüler ab dem 19. April zurück in den Präsenzunterricht kommen, soll es eine Testpflicht an weiterführenden Schulen geben - heißt: Schüler müssen sich zweimal pro Woche in der Schule testen lassen. So der Plan.
Quelle: dpa

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