Lauterbach fürchtet Test-Verschwendung

von Julia Klaus
23.02.2021 | 08:43 Uhr
Kostenlose Schnelltests sollte es ab 1. März für alle geben, doch das verschiebt sich nun. SPD-Politiker Lauterbach plädiert dafür, die Tests nicht zu verschwenden.
Corona-Schnelltests sollen laut Gesundheitsminister Spahn ab dem 1. März für alle gratis zur Verfügung stehen.Quelle: dpa
Die Impf-Kampagne lief schleppend an, nun sollen Schnelltests dabei helfen, das Virus einzudämmen. Sie sollte es ab 1. März kostenlos und für alle geben, das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vergangene Woche angekündigt. Innerhalb von rund 15 Minuten haben Getestete ein Ergebnis.
Doch die Tests kommen nun doch nicht so rasch - laut Bild-Zeitung wird ihre Einführung für den 8. März angepeilt. Es habe noch zu viele offene Fragen gegeben.*
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach fordert gegenüber ZDFheute, die Tests nicht zu verschwenden:
Statt dass die Tests für junge Partygänger verschwendet werden, die sich in der Apotheke noch rasch testen lassen wollen, bevor es losgeht, sollten die Tests zweimal pro Woche in den Schulen eingesetzt werden. (...) Das hätte neben den Pflegeeinrichtungen für mich die höchste Priorität.
"Nichts wäre schlimmer, als wenn wir durch falsche Probenentnahme falsch-negative Ergebnisse bekommen", so Virologe Martin Stürmer über die Risiken von Schnelltests für zu Hause.

Diese Tests gibt es - und das bringen sie:

  • Schnelltests (Antigentest) - Abstrich in Rachen oder Nase, vom Fachpersonal durchgeführt (Ausnahmen gibt es schon in Schulen und Unternehmen, wenn Personal geschult wurde). Ergebnis nach rund 15 Minuten.
  • Selbsttest - Zuhause gurgeln oder spucken, die Tests soll es bald in Apotheken, im Einzelhandel und bei Discountern zu kaufen geben. Erste Zulassungen soll es im März geben.
Die Idee hinter den beiden Verfahren: Eine Momentaufnahme und ein schnelles Ergebnis zu bekommen, um Infizierte auszumachen, die sich dann in Quarantäne begeben und einen PCR-Test durchführen lassen können.
  • PCR-Test: Fachpersonal führt den Test durch, die Auswertung erfolgt im Labor. Kann auch längere Zeit nach einer Erkrankung das Virus nachweisen.
  • Antikörpertest: Dient zum Nachweis, ob jemand die Infektion durchgemacht und der Körper eine Immunantwort gegeben hat - ist also eher ein Blick in die Vergangenheit.
Zwar gäbe es Herausforderungen beim Homeschooling, doch "dass alle das Schuljahr wiederholen müssen, sehe ich nicht", so die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD).

Spahn rechnet mit Engpässen für Schnelltests

Die Nachfrage nach Schnelltests dürfte mit der Kostenlos-Strategie rasch ansteigen. Anlässlich der Schulöffnungen am Montag in vielen Bundesländern empfahl auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) im ZDF-Morgenmagazin, Beschäftigte an Schulen und Kitas sollten sich zwei Mal pro Woche einem Schnelltest unterziehen.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet aktuell 179 Antigentests, die vom Paul-Ehrlich-Institut und dem Robert-Koch-Institut definierte Mindestkriterien erfüllen. Obwohl es so viele Anbieter gibt, rechnet Gesundheitsminister Spahn zu Beginn mit lokalen Engpässen.
Dass die Bundesregierung die kostenlosen Schnelltests erst jetzt in ihre Strategie aufnimmt, kommt für viele zu spät. Der frühere Vorsitzende des Ethikrats Peter Dabrock kritisierte Spahn im Spiegel: "Sollte er das Versprechen, Schnelltests für alle anzubieten, wieder nicht halten können, wäre ein massiver Vertrauensverlust in der Bevölkerung die Folge."
*Absatz zur Verschiebung der Test-Einführung wurde ergänzt.

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