Die Schweiz macht ernster

von Andreas Linke
18.01.2021 | 12:18 Uhr
Mit verschärften Maßnahmen versucht die Schweiz zu verhindern, dass sich die ansteckendere britische Virusvariante weiter verbreitet.
In der Corona-Pandemie hatte die Schweiz eher auf lockere Maßnahmen gesetzt – bis jetzt. Aus Sorge vor einer Verbreitung von Corona-Mutationen gelten dort jetzt strenge Regeln.
Es wäre einer der Höhepunkte des jährlichen Schweizer Sportkalenders gewesen: Die Lauberhornabfahrt in Wengen, unterhalb von Jungfrau, Mönch und Eiger, dem Bergmassiv, beladen mit Schweizer Mythos. Den hätten an diesem vergangenen Wochenende zahllose TV-Kameras transportiert, auch ohne Zuschauer. Doch die Rennen sind verlegt, ausgerechnet nach Österreich. Das zeigt, wie ernst die Schweizer die neue Lage nehmen.
Auch in Wengen hatte sich die neue, ansteckendere Virusvariante verbreitet. Ein einzelner britischer Ski-Urlauber habe dort 28 Menschen angesteckt, weil er sich nicht in Quarantäne begeben hat, erklärt Linda Nartey, Kantonsärztin von Bern. Sie rät zur Vorsicht, solange der Einfluss der neuen Virusvariante vermutlich hoch oder zumindest noch nicht geklärt ist.
Ab kommenden Montag besteht in der gesamten Schweiz eine Homeoffice-Pflicht.

Schweizer Corona-Strategiewechsel

Den Warnungen folgt der schweizerische Bundesrat. Er vollzieht einen Politik- und Strategiewechsel. Bis jetzt hatte die Minister immer erst Maßnahmen beschlossen, wenn die Notwendigkeit absolut unbestritten war. Nun kommt der Beschluss, bevor dies unbedingt notwendig erscheint. Die neue Zuspitzung der Lage in Großbritannien und Irland durch die Virusvariante gilt als dringendes Warnsignal.
Der für Gesundheit zuständige Bundesrat Alain Berzet erklärt im Schweizer Fernsehen:
Wir haben zum ersten Mal in dieser Pandemie einen Wissens- und Informationsvorsprung, der uns erlaubt, im richtigen Moment zu handeln. Wir wollen einfach keine schlechte Entwicklung in den nächsten Wochen, wir versuchen die Lage im Griff zu behalten in dem Bewusstsein, dass die neue ansteckendere Variante auch für uns eine Gefahr ist.
In Großbritannien, in Irland, in Spanien, in Portugal habe man gesehen, was kommen kann. "Die Zahlen explodieren dort, das können wir uns auf diesem Niveau nicht erlauben, das wollen wir auch nicht, weil das auch die Impfkampagne beeinträchtigen könnte", sagte er.
Darum gelten in der Schweiz von heute an folgende Verschärfungen:
  • Geschäfte mit Waren, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, müssen schließen.
  • Gastronomie- und Freizeitbetriebe müssen schließen.
  • Homeoffice wird dort Pflicht, wo es möglich ist.
  • An verbleibenden Arbeitsplätzen gilt eine Maskenpflicht.
  • Private Treffen sind für maximal fünf Personen erlaubt, einschließlich Kinder.
  • Die Verschärfungen gelten bis mindestens Ende Februar.

Schulen und Skigebiete bleiben offen

Schulen bleiben allerdings offen, ebenso Skigebiete. Und auch für Friseure, Baumärkte, Reparaturbetriebe gelten Ausnahmen, das Gesamtpaket der Maßnahmen ist also verglichen mit Deutschland weniger streng.
Geschlossene Läden und Betreibe sollen schnell Ausgleich erhalten. Sie gelten jetzt automatisch als Härtefälle und erhalten eine Entschädigung von 20 Prozent des üblichen Umsatzes, ohne dass sie einen Nachweis dafür antreten müssen.

Zwei Hotels unter Quarantäne

Lange war die Schweiz entspannter mit der Corona-Pandemie umgegangen als beispielweise Deutschland, trotz bis zu viermal höheren Inzidenzwerten und bis zur Grenze belasteten Krankenhäusern.
Jetzt, sagt Bundesrat Berzet, müsse gehandelt werden. "Mit der neuen Virusvariante verdoppeln sich die Zahlen jede Woche. Die Frage ist nicht, ob wir Maßnahmen treffen müssen, die Frage ist wann. Eher jetzt, mit weniger großen Konsequenzen oder später in der Eile, mit gravierenden Konsequenzen."
Die Dringlichkeit der Lage unterstreicht eine aktuelle Meldung aus dem Skiort St. Moritz: Dort haben die Behörden zwei komplette Hotels unter Quarantäne gestellt: Wegen massiver Häufung von Infektionen mit der britischen Virus-Variante.

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