FAQ

: Was bedeutet die neue Stiko-Empfehlung?

von Jan Schneider
02.07.2021 | 15:07 Uhr
Die Stiko hat ihre Impf-Empfehlung angepasst. Ein Grund ist der wachsende Anteil der Delta-Variante des Coronavirus. Was bedeutet das für noch nicht vollständig Geimpfte?
Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante: Die Ständige Impfkommission ändert die Empfehlung für Astrazeneca-Erstgeimpfte. Empfohlen wird eine Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna.

Was ist passiert?

Die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlung zum Impfschema gegen das Coronavirus angepasst: Wer eine erste Dosis Astrazeneca erhalten hat, soll künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff bekommen, teilte die Stiko am Donnerstag mit.

Warum empfiehlt die Stiko jetzt eine heterologes Impfschema?

Bei der Kombination von verschiedenen Impfstoffen sprechen Fachleute von einem heterologen Impfschema. Ausschlaggebend für die Stiko scheinen zum einen die neuen Erkenntnisse zur hohen Wirksamkeit der Kombi-Impfung zu sein, zum anderen soll dadurch aber auch die Impfkampagne nochmal beschleunigt werden. Frühe Untersuchungen zur Delta-Variante hatten gezeigt, dass Geimpfte nach nur einer Dosis schlechter geschützt waren als gegen bisher zirkulierende Virusvarianten. Da bei Astrazeneca bis zu zwölf Wochen zwischen der Erst- und Zweitimpfung liegen, sind die Menschen also recht lange nur teilweise geschützt. Dies kann nun durch eine mRNA-Impfung als zweite Dosis verkürzt werden. Der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis solle laut der Stiko dann nur noch mindestens vier Wochen betragen. 
Ein Impfschema, das den Abstand verkürzt und immer noch genauso oder gar besser wirkt, sei in der aktuellen Situation zu bevorzugen, erklärt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer die Stiko-Empfehlung gegenüber ZDFheute.
Wir erleben gerade den Spagat zwischen dem Abstand zweier Impfungen für die optimale Impfwirkung und einem optimierten Schutz vor der Infektion mit der Delta-Variante.
Martin Stürmer, Virologe
Eine bereits vollständig durchgeführte Astrazeneca-Impfung sei aber eben nicht minderwertig und sollte auch so nicht wahrgenommen werden.
Die Kehrseite der Kombi-Impfungen könnten Impfreaktionen sein: Einer im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Studie zufolge haben Impflinge bei zwei unterschiedlichen Produkten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für milde und moderate Impfreaktionen nach der zweiten Dosis.
ZDFheute Infografik
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Bin ich mit zwei Dosen Astrazeneca ausreichend gegen Delta geschützt?

Eine zweifache Impfung mit Astrazeneca schütze sehr gut vor einer schweren Erkrankung durch Covid-19, vor einer Hospitalisierung oder gar dem Tod, erklärte Stiko-Mitglied Christian Bogdan bei ZDFheute live. Das sei mittlerweile hervorragend belegt.
Die Menschen, die zweimal mit Astra-Zeneca geimpft wurden, haben trotz geänderter Empfehlung der Impfkommission nichts zu befürchten, sagt Stiko-Mitglied Christian Bogdan.
Es gibt diverse Studien, die sich mit der Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Delta-Variante des Coronavirus beschäftigt haben. Eine Kohortenstudie von Public Health Scotland aus Großbritannien hat untersucht, wie gut die Impfstoffe von Astrazeneca und Biontech/Pfizer vor einer Krankenhauseinweisung durch Covid-19 schützen. Das Ergebnis: 14 Tage nach der zweiten Impfung schützte die Impfung von Biontech zu 92 Prozent vor Infektion mit der britischen Alpha-Variante und zu 79 Prozent vor Infektion mit Delta. Bei Astrazeneca war die Effektivität niedriger: 73 Prozent Schutz vor einer Infektion mit Alpha, 60 Prozent vor Delta.
Auch Forscher von Public Health England haben eine solche Studie durchgeführt. Ihre Analyse zeigt, dass Biontech zu 94 Prozent nach der ersten Dosis und zu 96 Prozent nach der zweiten Dosis vor einer Krankenhauseinweisung durch eine Infektion mit der Delta-Variante schützt. Bei Astrazeneca waren es 71 Prozent nach der ersten Dosis und 92 Prozent nach der zweiten. Teilweise schützen die Impfstoffe damit sogar besser vor Delta als vor der Alpha-Variante. Die Studie von Public Health England ist allerdings bisher nur eine Vorabversion (Preprint) und muss noch von anderen Wissenschaftlern überprüft werden.

Gibt es genug mRNA-Impfstoff für alle Zweitimpfungen?

Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gibt es ausreichend Dosen, um die Stiko-Empfehlung für eine Kreuzimpfung umzusetzen. Es werde jetzt "sehr zügig gehen können", sagte Spahn nach Beratungen mit den Gesundheitsministern der Länder am Freitag in Berlin. Es sei ausreichend mRNA-Impfstoff der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna vorhanden, betonte der CDU-Politiker.
Tatsächlich rechnet die Bundesregierung mit so viel mRNA-Impfstoff, dass dieser alleine eine Erstimpfung für alle impfwilligen Erwachsenen noch im Juli ermöglicht. Auch für die Zweitimpfungen werden ausreichend Dosen in der Lieferprognose der Hersteller erwartet.

Brauche ich nach einer Impfung mit J&J einen Booster?

Das amerikanische Vakzin von Johnson & Johnson zeigt nach Angaben des Unternehmens eine hohe Wirksamkeit gegen die Delta-Variante des Coronavirus. Das Unternehmen teilte mit, der Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 85 Prozent gegen die neue Mutante. Die Daten hätten außerdem gezeigt, dass die Immunisierung mindestens acht Monate anhalten würde.
Ob es auch hier eine Auffrischungsimpfungen - einen sogenannten Booster - geben muss, lasse sich nach aktueller Studienlage noch nicht genau abschätzen. Christian Bogdan von der Stiko gab bei ZDFheute live zu bedenken, dass der Impfstoff seine Zulassung mit nur einer Dosis nur bekommen hat, weil der Hersteller in der Zulassungsstudie eben nur mit einer Dosis getetstet hat. Es laufen aber aktuell Studien, um in Erfahrung zu bringen, ob eine Auffrischungsimpfung nötig ist, welchen Effekt sie hätte und ab wann sie gegebenfalls sinnvoll ist.

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