: Stiko-Empfehlung: Streeck fordert mehr Tests

08.04.2021 | 09:12 Uhr
Einmal mit Astrazeneca Geimpfte sollen bei der Zweitimpfung ein anderes Vakzin erhalten. Virologe Streeck überrascht diese Empfehlung der Impfkommission. Deren Chef ist entspannt.
Virologe Streeck findet es "nachvollziehbar", das Astrazeneca-Vakzin nicht an Menschen unter 60 Jahren zu verabreichen.Quelle: dpa (Archiv)
Der Virologe Hendrik Streeck hat sich überrascht über die Empfehlung gezeigt, Menschen nach einer Corona-Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca eine Zweitimpfung mit Biontech- oder Moderna-Wirkstoffen anzubieten.
Er halte es aber für eine "nachvollziehbare" Entscheidung, das Astrazeneca-Vakzin nicht mehr an Menschen unter 60 Jahren zu verabreichen - auch wenn der Impfstoff an sich gut und sicher sei. Aber: "Da sind die klinischen Studien noch nicht gelaufen. Ich hielte es für notwendig, sich an die Regeln zu halten und abzuwarten, ob die Studien erfolgreich sind", sagte Streeck der "Fuldaer Zeitung".

Stiko-Chef: Egal welcher Impfstoff - Immunantwort bleibt

Der Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens, sieht das entspannter. Im ZDF zeigte er sich überzeugt, dass die Verwendung eines mRNA-Impfstoffs bei einer Zweitimpfung "sicherlich sicher" sei. Viele Menschen glaubten, dass in dem Geimpften zwei Impfstoffe "sozusagen um die Wette arbeiten". Das sei aber nicht der Fall: "Sowohl die mRNA aus dem mRNA-Impfstoff als auch der Vektor aus dem Vektor-Impfstoff sind nach wenigen Tagen aus dem Organismus völlig verschwunden. Was übrig bleibt, ist die Immunantwort." Ob man die jetzt mit dem einen oder mit dem anderen Impfstoff nochmal anstoße, also versuche höher und besser zu machen, sei dann letztendlich die Frage.
Prof. Dr. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission, empfiehlt Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine Astrazeneca-Impfung erhalten haben, "eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff".
Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte empfohlen, dass Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Corona-Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca erhalten haben, bei der zweiten Impfung auf ein anderes Mittel umsteigen sollen. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt dagegen uneingeschränkt die Anwendung von Astrazeneca. Mertens betonte im ZDF, dass das aber mit Blick auf die EU-weite Impfstoffverfügbarkeit nachvollziehbar sei. Anders, als in anderen Ländern, habe Deutschland genügend anderen Impfstoff zur Verfügung.

Astrazeneca-Risiko

Grund für die Debatte sind mehrere Verdachtsfälle auf eine Hirnvenenthrombose. Experten vermuten, dass das sehr geringe Risiko jüngere Menschen betrifft. Die Stiko empfiehlt, als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen. In Deutschland sind die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen.
Bereits am Mittwoch wollte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit seinen Länderkollegen auch über die Zweitimpfungen für junge Leute beraten, die mit dem Wirkstoff von Astrazeneca geimpft wurden.
Wegen Nebenwirkungen empfiehlt die Stiko Astrazeneca ohne Einschränkungen nur für Personen ab 60 Jahren. Mehrere Bundesländer setzten Impfungen aus. Was sollten Sie jetzt beachten?

EU bei Astrazeneca-Empfehlung uneinig

Der Nutzen sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die Behörde mit Sitz in Amsterdam. Die britische Impfkommission änderte dagegen ihre Empfehlung: Das Astrazeneca-Präparat soll künftig möglichst nur noch über 30-Jährigen verabreicht werden.
Die Europäische Arzneimittelbehörde gibt weiterhin grünes Licht für den Corona-Impfstoff des Herstellers AstraZeneca. In Großbritannien soll das Präparat in Zukunft möglichst nur noch an Erwachsene über 30 Jahren verimpft werden.
Quelle: dpa, ZDF

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