: Können Corona-Selbsttests an Schulen helfen?

von Nils Metzger
05.12.2020 | 20:34 Uhr
Von Lehrern und Schülern selbst durchgeführte Corona-Schnelltests könnten Infektionen verhindern. Bei einer Studie in Hessen haben die Selbsttests nur wenig Probleme bereitet.
Das hat alle überrascht: Von jetzt auf gleich wurde die Corona-Verordnung geändert. Nun dürfen Erzieherinnen und Lehrerinnen Selbsttests durchführen.
Antigen-Schnelltests auf das Coronavirus ermöglichen ganz neue Strategien im Kampf gegen die Pandemie. Sie liefern deutlich schneller ein Ergebnis, sind günstig und könnten eventuell sogar ohne medizinisches Fachpersonal eingesetzt werden.
Etwa an Schulen können so Infektionsketten besser als bislang durchbrochen werden - indem sich Lehrerinnen und Lehrer wie auch Schülerinnen und Schüler regelmäßig selbst testen. Das hat eine Studie in Hessen nun festgestellt.

711 Lehrkräfte haben sich selbst getestet

Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration und das Hessische Kultusministerium beauftragten ein Team um die Virologin Sandra Ciesek von der Uniklinik Frankfurt.
Für ihre "Safe School Studie" testeten sich sieben Wochen lang 711 freiwillige Lehrkräfte hessischer Schulen alle 48 Stunden selbst mit Antigen-Schnelltests. Die Ergebnisse stellte das Team am Freitag auf Twitter vor.
Die Studienergebnisse auf Twitter

Mehrere Infektionen wurden korrekt erkannt

Bis zum 13. November wurden insgesamt mehr als 10.000 Tests gesammelt und anschließend ausgewertet. Bei fünf Lehrkräften konnte so eine Infektion mit dem Coronavirus korrekt erkannt werden.
16 weitere positive Testbefunde konnten durch einen anschließenden Labor-PCR-Test nicht bestätigt werden, waren also falsch-positiv. Das sind jedoch auf die Gesamtzahl bezogen weniger als 0,2 Prozent.
Antigentests seien weniger spezifisch als PCR-Tests, erklärt Sandra Ciesek.
Ein positiver Angitentest muss immer per PCR überprüft werden.
Prof. Dr. Sandra Ciesek, Universitätsklinikum Frankfurt
Sie führe die falsch-positive Ergebnisse meist auf eine bestimmte bakterielle Besiedlung der Nase zurück, worauf die Tests dann reagierten, so Ciesek gegenüber ZDFheute.
Unter den mehr als 10.000 Tests seien auch vier falsch-negative Ergebnisse - die Personen waren also Infiziert, gaben ihr Testergebnis aber als negativ an, was laut Ciesek aber weniger an der Qualität der Tests, sondern mehr an der Deutung der Ergebnisse gelegen haben. "Bei den vier falsch negativen handelt es sich in erster Linie um Angaben von Lehrern."
Der Antigentest ist deutlich schneller als der sonst übliche PCR-Test. Aber auch weniger zuverlässig. So funktioniert das Testverfahren.

Anleitung per Text und Video

Dass medizinische Laien die Tests nach einer Anleitung per Text und Video selbst durchführten, sei unbedenklich gewesen. "Eigentlich ist das nicht schwer und hat hier super geklappt. Technisch gab es kaum Probleme", sagt Ciesek.
Hilfe per Telefon bei der Durchführung sei kaum nötig gewesen - eher bei der Interpretation. "Dank Smartphone ging das auch gut mit Fotos", schrieb Ciesek auf Twitter. Ähnlich wie bei Schwangerschaftstests zeigen die Schnelltests ihr Ergebnis anhand von farblichen Streifen an. Fallen die etwa nur sehr blass aus, kann das für Verwirrung sorgen.
Mehrere der Personen mit positivem Testergebnis hatten bereits sehr leichte Krankheitssymptome. Der Schnelltest lieferte ihnen ein zusätzliches Argument, dass eine Selbstisolation vorerst nötig ist, bis ein PCR-Test die Infektion bestätigt. Unter Umständen wären die Lehrkräfte sonst in die Schule gegangen.

Berufsverband lehnt Selbsttests ab

Dennoch sind Lehrerverbände nicht begeistert von der Idee, an Schulen regelmäßig selbst Schnelltests durchzuführen. "Der VBE ist für Antigen-Schnelltests in Schulen, aber durchgeführt und ausgewertet von geschultem Personal", sagte der niedersächsische Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Franz-Josef Meyer, dem "NDR".
Corona-Tests bei Kindern durch Lehrkräfte sind für den VBE ohnehin absolut tabu.
Franz-Josef Meyer, Verband Bildung und Erziehung
Studienleiterin Ciesek kann diese Ablehnung nicht nachvollziehen. "Ich finde es schade. Wir haben unsere Lehrer ja befragt und das Feedback war mehr als positiv." Dass Lehrkräfte die Abstriche bei Kindern vornehmen würden, bezeichnete Ciesek gegenüber ZDFheute als "Kopfkino". "Viele Lehrer haben sich eine Fortsetzung gewünscht."
Die vollständige Studie haben die Forscher bereits bei einem wissenschaftlichen Journal eingereicht. In den kommenden Tagen soll sie online als Preprint veröffentlicht werden.

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